Fragen an Harald Krassnitzer

Harald Krassnitzer in seiner Rolle als Klaus Wöhler.
Harald Krassnitzer in seiner Rolle als Klaus Wöhler. | Bild: ARD Degeto / Christiane Pausch

Wie sehen Sie ihre Figur und in welcher Beziehung steht sie zu den Familienmitgliedern?

Klaus ist ein erwachsenes Kind. Er steht konstant unter dem Erwartungsdruck seines Vaters und konnte sich nie wirklich von ihm emanzipieren. Durch diese Gegebenheit entstehen die in dem Film so humorvollen gelungenen Situationen unter den Familienmitgliedern. Klaus‘ Konflikt mit seinem Vater färbt auch auf die Beziehung zu seinem Sohn ab und zeigt, dass sich Druck, der von den Eltern kommt, oftmals auch auf die eigenen Kinder überträgt. Darauf basiert die komödiantische Familiengeschichte der Wöhlers.

Welcher Konflikt der Wöhlers hat Sie besonders berührt?

Der Konflikt zwischen Klaus und seinen Kindern – vor allem der mit seinem Sohn. Die Auseinandersetzung mit Mark gibt Klaus die Möglichkeit, die eigenen Fehler zu erkennen und das eigene Leben und Verhalten zu verändern. Auch das Verhältnis zwischen Klaus und seiner Tochter ist ein besonderes. Sie wird so sehr von ihm in das Familienunternehmen hineingezogen, dass sie ihr eigenes Leben überhaupt nicht leben kann.

Ist ein Familienstreit besonders schmerzhaft und wie unterscheidet er sich von einem Krach unter Freunden?

Ein Familienstreit trifft einen viel näher und damit auch härter. Unter Freunden können Streitigkeiten anders gelöst werden als mit engen Familienmitgliedern. Freundschaften können in die Brüche gehen. Das ist schmerzhaft, kann aber überwunden werden. Familiäre Streitigkeiten kann man hingegen nicht so leicht überwinden.

Kennen Sie solche Situationen auch aus dem wahren Leben?

So etwas kenne ich zum Glück nur aus meinem Umfeld und nicht aus der eigenen Familie. Ich habe schon öfter erfahren, dass Streitigkeiten in der Familie, gerade auch bei älteren Menschen, die im Sterben liegen, sehr belastend sind. Wenn Konflikte ungelöst bleiben, fällt es schwer, loszulassen. Wenn der Mensch, mit dem man noch eine Rechnung offen hat, erscheint, findet man vielleicht Frieden.

Glauben Sie, dass so ein erzwungener gemeinsamer Wanderweg (oder ähnliche Situationen) wirklich etwas ändern kann?

Ja, das glaube ich. Wenn etwas gemeinsam bewältigt oder getan werden muss, gibt es keinerlei Ausfluchtmöglichkeiten. Oftmals will man ja genau vor solchen Auseinandersetzungen fliehen. Eine Situation, in der niemand flüchten kann, kann dann durchaus den gewünschten Durchbruch bringen. Vor allem im gemeinsamen Laufen gelingt das Gespräch leichter. Vielleicht boomen deshalb Pilger- und Wanderwege, weil man sich freireden und freilaufen kann.

Was war für Sie das Besondere an den Dreharbeiten auf Mallorca?

Die Zusammenarbeit mit Gwisdek, die sehr lustig war. Aber auch mit einem jungen Regisseur zu arbeiten, der allem eine eigene Note gegeben hat, war etwas Besonderes. Außerdem hatten wir die Möglichkeit die Insel ganz anders zu erkunden und besondere Orte zu entdecken.

Sind Sie selbst schon mal einen ähnlichen Weg gewandert?

So einen langen Weg bin ich noch nicht gegangen. Ich wandere aber sehr gerne und finde diese Art von Reise bzw. Urlaub toll. Man sieht so viel von der Landschaft und es bringt viel mehr Entspannungspotential und einzigartigeres Urlaubsgefühl als manch andere Reise. Beim Wandern kommen die Dinge von selbst auf einen zu und man kommt viel entspannter zurück.

Wussten Sie, dass es so eine gewaltige Natur wie das Tramuntana Gebirge auf Mallorca gibt?

Das wusste ich. Was ich aber außerdem interessant fand war, dass Mallorca ein Fahrrad-Mekka ist. Gerade für die Rennradfahrer ist es ein wahres Paradies. Uns sind tatsächlich während der ganzen Zeit mehr Radfahrer als Autofahrer begegnet.

Im Alter baut sich Helmut ein neues Leben auf Mallorca auf. Haben Sie selbst schon mal darüber nachgedacht auszuwandern?

Ich glaube, ich bin ein schlechter Exilant. Ich könnte mir vorstellen beispielsweise einen Teil des Winters auf einer Insel zu verbringen. Dort würde ich dann vielleicht einen Sprachkurs machen und ein wenig wandern. Richtig auswandern kann ich mir allerdings nicht vorstellen.

Der Vater-Sohn-Konflikt wird von Generation zu Generation weiter vererbt. Wieso lernen die Wöhlers nicht aus den Fehlern der Vergangenheit?

Dass man nicht aus der Vergangenheit lernt, kennen wir aus verschiedenen Teilen der Geschichte. Aus der Historie zu lernen ist der schwierigste Teil im Leben, weil es oftmals die Frage nach der Schuld beinhaltet und das ist immer unangenehm. Es ist aber wichtig zurückzuschauen und herauszufinden, wo bestimmte Weichen für eine Entwicklung gestellt wurden. Natürlich gelingt es auch manchen Generationen beispielsweise eine Form der Autorität, die sie mit den Eltern erlebt haben, nicht an die eigenen Kinder weiter zu vererben. Das ist allerdings nicht immer leicht.

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