Hintergrund Transgender

Von Dipl. Psychologe Peter Keins, Berater des Films

Finn und Tobias
Szenenbild mit Finn und seinem Vater. | Bild: ARD Degeto / Britta Krehl

Bei der Geburt schauen die Hebamme, die Ärztin oder der Arzt auf das Kind, sehen bestimmte körperliche Merkmale und legen das Geschlecht des Neugeborenen fest. Es gibt Menschen, bei denen diese Zuschreibung zu einem Geschlecht nicht dem eigenen Erleben und Empfinden (dem "Sein") entspricht: Transgender – Transsexuelle – Trans-Menschen, alles Begriffe, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten, diese Menschen benennen.

Magnus Hirschfeld hat den Begriff "seelischen Transsexualismus" in den 1920ern geprägt und als erster Transsexualität/Trans*Menschen beschrieben. Und er hat klar ausgesprochen, dass diese Trans*Menschen (wie manchmal geschrieben wird) nicht gestört oder gar krank sind. Ein Mensch, der bei Geburt das Geschlecht "männlich" zugewiesen bekommt, tatsächlich aber "weiblich" ist, wird oft als Transfrau/Transmädchen bezeichnet. Wird bei der Geburt das Geschlecht "weiblich" zugeschrieben, obwohl der Mensch "männlich" ist, wird dieser oft Transmann/Transjunge genannt. Wie viele Transgender es gibt, lässt sich schwer sagen. Es gibt Schätzungen, die von 1:1000 bis zu 1:100000 (Transgender pro Anzahl der Geburten) sprechen. Man geht davon aus, dass es mehr Transfrauen als Transmänner gibt. Sichere Aussagen können aber nicht getroffen werden. 2013 wurden in Deutschland 682.000 Kinder geboren, davon sind also zwischen 6 und 682 Transgender – oder mehr. Immer mehr Menschen trauen sich mittlerweile, den Fehler, der bei ihrer Geburt gemacht wurde, zu korrigieren. Transgender vollziehen öfter ihr "Coming out". Sie sprechen das aus, was sie zum Teil schon über viele Jahre beschäftigt hat: "Ich bin nicht der Junge, für den ihr mich immer gehalten habt, ich bin ein Mädchen!"

In der Pubertät stellen die Kinder Veränderungen an ihrem Körper fest, die ihrem Erleben und Empfinden absolut entgegengesetzt sind: "Nein, ich will keine Brüste, ich bin doch ein Junge!", "Nein, ein Stimmbruch, das geht gar nicht für ein Mädchen!" In dieser Phase ermöglicht ein "Coming out" relativ einfach Einfluss auf die körperliche Entwicklung zu nehmen und die äußere Erscheinung dem inneren Erleben und Empfinden anzugleichen. Schon jüngere Kinder ab ca. 3 bis 4 Jahren können diese Diskrepanz klar darstellen und frühzeitig in der Rolle leben, die richtig für sie ist. Eltern und andere Erwachsene sollten dabei hilfreich zur Seite stehen. Mediziner und Psychotherapeuten halten sich heutzutage immer mehr an die Aussage von Magnus Hirschfeld und tragen dazu bei, dass Menschen wie Helen erfolgreich ihren Weg gehen können. Transgender wollen gesellschaftlich anerkannt in ihrem richtigen Geschlecht so leben, wie sie es wollen.

"Trans-Kinder-Netz"

Das "Trans-Kinder-Netz" unterstützt Menschen, die mit dem Thema "Trans" bei Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

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