Interview mit Martina Gedeck

Martina Gedeck bei den Dreharbeiten zu ‚"Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben".
Martina Gedeck bei den Dreharbeiten zu ‚"Die Verteidigerin: Der Gesang des Raben". | Bild: SWR / Maria Wiesler

Anna Notrup wird über ihren Beruf in die Geschichte eingeführt, die Pflicht steht im Vordergrund, Privates erfahren wir nur relativ sparsam. Was war Ihnen wichtig bei der Entfaltung ihres Charakters?

Es hat mir gefalllen, daß die Geschichte nah an der Lösung des Falles bleibt. Für die Charakterisierung der Figur war mir folgendes wichtig: Ihre Offenheit gegenüber Menschen, ihr Interesse, eine heitere, lebenszugewandte Grundgestimmtheit, Gelassenheit und berufliches Selbstvertrauen und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn.

Anna ist ja ohne vertrauten Ansprechpartner unterwegs, viel von dem, was sie sich denkt und herausfindet, konnte sie mit niemandem im Dialog teilen. Was bedeutete das für die Darstellung?

Gedanken und Wahrnehmungen zeigen sich ja, wenn sie mit dem Empfinden, mit einer inneren Haltung verbunden sind. Dann wird das sichtbar – in der Körpersprache, und auch das Gesicht verändert sich. Vieles in dieser Geschichte erschließt sich ja erst nach und nach, vieles ist rätselhaft und so ist schauspielerisch oft auch die reine Wahrnehmung erforderlich, sachlich und ohne Wertung.

Gibt es einen Moment, eine Szene, die Sie als besonders charakteristisch für Anna empfinden? Die Ihnen ganz besonders wichtig war?

Besonders ist, dass Anna Notrup gerne Eis isst. Das hat für sie einen beruhigenden, meditativen Charakter und zeigt, dass sie unabhängig ist von dem was »man« normalerweise macht. Diese Momente fand ich wichtig, auch weil sie die Leichtigkeit und die innere Freiheit verkörpern, die man zum guten Arbeiten braucht, und die ihr eigen ist.

Welchen Einfluss hatten Landschaft und Szenerie auf die Atmosphäre, beim Dreh und für den Film? Ist der Schwarzwald besonders Thriller-affin?

Im Schwarzwald stellt sich – wenn man von außerhalb kommt – leicht das Gefühl ein, dass man nicht dazugehört und dass es Geheimnisse gibt, die einem Außenstehenden verborgen bleiben. Das war gut für unsere Geschichte. Gleichzeitig wird man dort verzaubert, der Wald ist so ursprünglich und tief, dass sich diese Landschaft gut eignet für eine zweite, unbewusste, die im Film ja auch angedeutet wird.

Wie geht es Ihnen im realen Leben, können Landschaften oder Orte etwas Bedrohliches haben? Oder sich nach Melodram oder Western anfühlen?

Für mich haben nur vergiftete Landschaften etwas Bedrohliches, Landschaften, die von Zerstörung gezeichnet sind. Sonst finde ich jede Erzählung möglich in einer Landschaft, das Melodramatische entsteht durch die Geschichte, nicht durch die Natur.

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