Interview mit Pasquale Aleardi

Arzt Pierre Chaboseau (Stefan Morawietz, liegend) stürzt Dupin (Pasquale Aleardi) buchstäblich vor die Füße.
Arzt Pierre Chaboseau stürzt Dupin buchstäblich vor die Füße. | Bild: ARD Degeto / Wolfgang Ennenbach

Interview mit Pasquale Aleardi

als Georges Dupin

Kommissar Dupin leitet nun schon geraume Zeit das Kommissariat in Concarneau, überall hat er schon ermittelt: im idyllischen Nachbarort Pont Aven, auf der malerischen Insel Saint Nicolas, in den berühmten Salinen der Guérande, auf der rauen I ̂le de Sein, an der spektakulären Côte de Granit Rose und im sagenumwobenen Wald von Brocéliande. In „Bretonisches Vermächtnis“ wirft er zum ersten Mal einen Blick hinter die Fassaden von Concarneau. Eine neue Perspektive auf sein Umfeld?

Kommissar Dupin hat ausgesprochen gut funktionierende Fühler, die wie ein hochsensibler Lügendetektor funktionieren. Das gehört zu seinen Gaben, insofern ist es nicht das erste Mal, dass er durch die Fassaden seiner Umgebung dringt und schneller Dinge wahrnimmt als andere. Allerdings zeigt er sich in diesem Fall von „Bretonisches Vermächtnis“ verletzlicher, weil das Opfer ja buchstäblich vom Himmel fällt und dieser Mord ihn „kalt“ erwischt. Außerdem wühlt ihn der Besuch seiner Mutter, die wir zum ersten Mal sehen, ziemlich auf.

Warum beschäftigt dieser Besuch ihn so sehr?

Obwohl Dupin und seine Mutter sich ein herzliches Verhältnis erarbeitet haben, wühlt ihn ihr Besuch auf, weil sie ihn unterbewusst an all die ungelösten Konflikte der Vergangenheit erinnert. Dupins Vater, der auch Polizist war, wurde erschossen, als er noch ein kleiner Junge war. Der Mörder wurde nie gefunden. Das hat ein Trauma ausgelöst. Durch diesen tragischen Verlust nimmt Dupin jeden seiner Fälle persönlich, weil er nicht ruhen kann, bis er den Fall bzw. den Mörder gefunden hat, sozusagen stellvertretend für den Mörder seines Vaters. Seine Mutter wurde nach dem Tod ihres Mannes depressiv, und der kleine George war eine lange Zeit auf sich alleingestellt. Da ging einiges schief.

Dupin stellt bei seinen Ermittlungen in „Bretonisches Vermächtnis“ ausnahmsweise nicht sein ganzes Wohnzimmer auf den Kopf. Hat er seine Ermittlungsmethoden geändert?

Nein, Dupin ist und bleibt mackententechnisch ganz der Alte. (lacht) Er hat in diesem Fall schlichtweg keine Zeit, seine Macken auf die übliche Weise auszuleben. Dafür sehen wir umso mehr in Dupins Kopf hinein – also das „Was, Wo und Wie“ er sich die Abläufe vorstellt. Ich mag das sehr. Hat was von Sherlock.

Jeder in der Stadt scheint den Comissaire zu kennen. Welcher Ruf eilt Dupin voraus?

Durch die vielen Fälle, die er in den letzten Jahren gelöst hat, hat sich Dupin einen Ruf als eigenwilliger, aber höchst effizienter Kommissar erarbeitet, der selbst die schwierigsten Fälle in Rekordzeit löst. Im Schnitt löst er die Fälle ja innerhalb von 48 Stunden. Das ist schon eine ziemliche Marke.

Welche Eigenheiten zeichnen Dupin aus?

Er nimmt einen Fall auch immer nach Hause. Er träumt davon. Er lebt den Fall, bis er ihn geknackt hat. Dupin ist eigentlich immer „online“, sein Hirn arbeitet pausenlos. Er macht seinen jeweiligen Fall sozusagen gegenständlich, indem er Konstruktionen baut, Dinge vollkritzelt, Gegenstände beschriftet und so weiter … Da können manchmal schon richtige kleine Kunstwerke entstehen, bei denen allerdings nur er wirklich durchblickt. Außerdemist er rebellisch Obrigkeiten und emphatisch Opfern gegenüber, leidenschaftlich und ständig in Bewegung.

„Kommissar Dupin“ wird auch in Frankreich sehr erfolgreich ausgestrahlt, die französische Presse berichtet sogar in den TV-Nachrichten über die Dreharbeiten. Wie empfinden Sie diesen Erfolg in Heimatland des Commissaires?

Ich freue mich sehr darüber! Dass unsere Reihe gerade in Frankreich so gut ankommt, hätten wir uns vor fünf Jahren nicht träumen lassen. Aber auch im restlichen Ausland hat die Produktion guten Grund zu Stolz und Freude: „Kommissar Dupin“ hat sich zum Exportschlager gemausert, es gibt uns jetzt in über 40 Ländern. Das ist fantastisch!

Seit dem ersten „Dupin“ sind sechs Jahre vergangen, Sie haben während der Dreharbeiten zusammengerechnet schon fast elf Monate in der Bretagne verbracht. Eine zweite Heimat für Sie?

Ich liebe es, in der farbenprächtigen, wunderschöne Bretagne zu drehen, und ich möchte keine Sekunde dort missen, weil mir die Rolle des Kommissar Dupin und die ganze Produktion von Anfang an ans Herz gewachsen ist. Aber als zweite Heimat kann ich die Bretagne nicht bezeichnen, dafür bin ich viel zu Mulitkulti (lacht): Es gibt da ja noch die Schweiz, in der ich aufgewachsen bin, mütterlicherseits Griechenland und väterlicherseits Italien.

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