Statement von Felix Herzogenrath

Regisseur von "Nord bei Nordwest – Waidmannsheil"

Regisseur Felix Herzogenrath.
Regisseur Felix Herzogenrath. | Bild: NDR/Degeto / Gordon Timpen

»Holly, der Hund, hatte mir den Kopf verdreht, und ich hatte keine andere Wahl, als die Regie bei diesem Film zu übernehmen. Was für ein Glück, dass das feinsinnige Drehbuch von Holger Karsten Schmidt auch noch die seltene Möglichkeit bot, einen Krimi zu inszenieren, der aber nicht wie ein Krimi erzählt wird. "Waidmannsheil" wird nicht als Ermittlungsfilm im klassischen Sinne erzählt, sondern zieht seine Spannung aus einem Familien- und damit Figuren-Geheimnis, was von den Protagonisten Hauke Jacobs, Lona Vogt und Jule Christiansen dadurch gelüftet wird, dass sie die Menschen beobachten und deren Beziehungsgeflecht entwickeln lassen. Sie lassen die Lösung des Falles eher zu, als dass sie aktiv ermitteln. Die Geschichte funktioniert eher wie ein Domino-Effekt in Slow-Motion. Hauke greift nur einmal in die Figurenkonstellation ein, tippt einen Dominostein um, der dann ganz langsam fällt und den nächsten in Bewegung setzt. Das Tempo und der Rhythmus dieses Filmes waren mir sehr wichtig. Es durfte kein temporeicher, getriebener Film werden, sondern ein Film der leisen Töne, der den Zuschauer einlädt, genauer auf die Figuren zu schauen und den Domino-Steinen beim Umfallen in Zeitlupe zuzusehen.

Mit Hinnerk Schönemann, Henny Reents, Marleen Lohse, dem wundervollen Peter Prager und Cem-Ali Gültekin wusste ich, dass ich ganz vieles beim Proben und Drehen entdecken würde. Das Vertrauen, miteinander auszuprobieren, Fehler zu machen und dadurch Neues zu entdecken, war mir die größte Freude und das wichtigste Gut bei diesem Film. Das besondere dieses Formates besteht darin, dass diese außergewöhnliche Dreier-Konstellation zwischen Hauke, Lona und Jule das Zentrum, das Herz jedes Filmes dieser Reihe ist, ohne dass jemals eine (Liebes-)Geschichte zu Ende erzählt wird. Wer da was von wem will, wer gerade aus Freundschaft, Liebe, verletzter Eitelkeit oder auch Einsamkeit handelt, ist und bleibt hoffentlich allen ein Rätsel. Und das Geheimnis des Erfolges dieser Konstellation ist meiner Meinung nach, dass keiner weiß: Liebt Hauke Lona oder Jule? Bewusst oder unbewusst? Wie stehen Lona und Jule dazu? Je mehr gegensätzliche, sich ändernde Motivationen da zusammenkommen, desto genauer wird das Bild dieser menschlichen komplexen Beziehungen. Das ist das Geheimnis, was jeden Zuschauer interessiert und ihn weiter gucken lässt. Es sind die Fragen im Kopf des Zuschauers, die dabei entstehen und die diese Reihe so besonders machen. Und es ist bemerkenswert, im deutschen Fernsehen ein Format zu haben, das den Mut hat, eine solch offene Figurenkonstellation immer weiter zu erzählen.«