Hinnerk Schönemann im Gespräch

Hinnerk Schönemann als Hauke Jacobs
Hinnerk Schönemann als Hauke Jacobs | Bild: NDR / Georges Pauly

Hauke Jacobs

Rollenbeschreibung

„Einmal Polizist, immer Polizist“: Der Ex-Polizist und ehemalige Ermittler des Hamburger LKA Hauke Jacobs betreibt eine florierende Tierarztpraxis im ländlichen Schwanitz und genießt einen guten Ruf. Doch zu stark ist der Impuls, quasi undercover gemeinsam mit der Polizistin Lona Vogt knifflige Kriminalfälle auf dem Priwall zu lösen. Nun lassen neue Umstände Hauke Jacobs wieder offiziell im Polizeidienst tätig sein. Die aktuellen Fälle fordern ihn physisch und vor allem psychisch: Er muss Lona Vogt in einer lebensbedrohlichen Situation helfen und sie fortan beschützen. Er muss einen mysteriösen Mord aufklären, einen gestörten jungen Tierquäler stellen, einen Serienmörder jagen, Gift in Pralinen unter die Lupe nehmen. Aber vor allem muss er, der ja eher zu der wortkargen Spezies von Mensch gehört und am liebsten allein mit seinem geliebten Hund Holly auf seinem Hausboot weilt, Gefühle zeigen: sowohl bei Lona Vogt, die ihm inzwischen sehr nahe steht, als auch bei seiner Arzthelferin Jule Christiansen, die ihn ebenfalls braucht und von ihm getröstet werden will …

Hinnerk Schönemann im Gespräch

»Die Reihe hat sich enorm entwickelt und wird immer erwachsener und mutiger.«

Reimar Vogt (Peter Prager, mit Hinnerk Schönemann) macht sich Vorwürfe: Der Anschlag, bei dem Lona schwer verletzt wurde, galt ihm
Reimar Vogt macht sich Vorwürfe: Der Anschlag, bei dem Lona schwer verletzt wurde, galt ihm. | Bild: NDR / Georges Pauly

Hauke Jacobs ist neben seiner Arbeit als Tierarzt nun offiziell in Schwanitz als Polizist im Einsatz. Wie gefiel Ihnen diese Entscheidung?

Ich hätte es eigentlich schöner gefunden, wenn Hauke ausschließlich Tierarzt geblieben wäre, musste aber einsehen, dass es über einen Tierarzt allein nicht viel Neues zu erzählen gibt. Hauke kann nicht nur Undercover ausschließlich als Helfer oder ausführendes Organ von Polizistin Lona Vogt agieren, sondern muss aktiver werden. Mit seinen beiden Berufen hat er ab sofort insgesamt mehr zu tun, was mir persönlich nach anfänglichem Zögern gefällt. Wie stark Hauke in Zukunft als Tierarzt und wie intensiv er als Polizist gefordert sein wird, hängt vom jeweiligen Fall ab. Ich finde es gut, dass wir uns da nicht so festlegen, zumal wir die Kriminalfälle mit den Tierarztgeschichten eng verbinden. Schwanitz ist schließlich ein „gefährliches Pflaster“!

Hauke Jacobs geht es ganz offensichtlich sehr nahe, dass Lona Vogt im Koma liegt und man nicht weiß, ob sie jemals wieder aufwachen wird. Wenig später muss er eine noch schmerzhaftere Nachricht verkraften: ihren Tod. Und damit mussten auch Sie sich als Schauspieler nach elf gemeinsamen Filmen dieser Reihe von Ihrer Filmpartnerin Henny Reents verabschieden. Inwieweit konnten Sie das beim Spielen trennen?

Als Schauspieler konnte ich das sehr gut trennen. Für Hauke Jacobs sind beide Erlebnisse natürlich einschneidend. Kurz vor der Explosion des Bootes versucht er mit allen Mitteln, die ihm in dem Moment zur Verfügung stehen, das Schlimmste zu verhindern. Lona und Hauke sind sich in dieser Situation so nah wie nie zuvor – liebste Verbundenheit. Wenig später versetzt ihn ihr Tod in einen schockartigen Zustand. Der Verlust der Figur Lona und damit der Abschied von Henny waren wirklich wie zwei parallel laufende Szenen aus zwei Drehbüchern: Film und wirkliches Leben! Unsere letzte gemeinsame Filmszene spielte im Leichenschauhaus. Lona lag, ich stand. Stille! Danach war es komisch. Man umarmte sich, sagte „Tschüss“, und die Gedanken kamen erst dann wie eine Welle über uns. Die Dreierkonstellation Lona, Jule, Hauke war wirklich sehr besonders für mich.

Zu der Kieler Kommissarin Sarah Winter, die vorübergehend im Polizeirevier Schwanitz ermittelt und Hauke Jacobs unterstützen möchte, ist er ziemlich abweisend.

Das ist aus seiner Sicht absolut nachvollziehbar. Lona hinterlässt menschlich wie beruflich ein Loch und lässt sich nicht so einfach ersetzen! Hauke und Lona und auch Jule Christiansen als Dritte im Bunde sind über Jahre zu einer Einheit zusammengewachsen, in der sich eine Neue ihren Platz erst erarbeiten muss. Hauke braucht Zeit, um zu Fremden Vertrauen aufzubauen, eine Eigenheit, die er übrigens mit mir gemein hat.

Sie sind ein sehr gefragter Fernseh- und Kinoschauspieler. Was macht „Nord bei Nordwest“ für Sie so besonders?

„Nord bei Nordwest“ nimmt einen großen Stellenwert in meinem Leben ein. Die Filme sind skurril und unberechenbar. Jede Geschichte steht für sich, obwohl es eine Reihe ist. Die jeweiligen Regisseure nehmen unterschiedliche Blickwinkel ein. Die Reihe hat sich enorm entwickelt und wird immer erwachsener und mutiger. Ich liebe Holger Karsten Schmidts feine Art zu schreiben. Man weiß nie, was er vorhat, was als Nächstes kommt. Ich kann mich als Schauspieler absolut auf seine Geschichten einlassen, ich habe vollstes Vertrauen zu ihm. Auch Niels Holle trifft perfekt den Ton, den Humor, das Absurde, das Schräge. Ich sagte es schon einmal: Das Trio Jule, Lona, Hauke empfinde ich als so besonders. Alle drei mögen sich sehr und sind so schön vorsichtig miteinander. Es flimmert im wahrsten Sinne immer, wenn sie zusammen spielen. Manchmal wagt man einen Schritt vor und es knistert – aber würde man weitergehen?