Wie sich Deutschland auf Dürren vorbereitet

Der Sasselbach zwischen Mainz und Worms ist fast verschwunden. Nur noch ein Rinnsal schlängelt sich durch die Weinberge hinunter Richtung Rhein. Wie hier trocknen überall in Deutschland Quellen, Teiche und Bäche aus. Mehr als 1.000 Oberflächengewässer sind derzeit zu trocken.

Trockene Gewässer werden sichtbar

Über 1000 Meldungen sind bereits auf der interaktiven Karte von #unserWasser zu sehen. Das stille Sterben der Seen und Bäche wird zunehmen, „im Mittelgebirge wie im Tiefland und besonders in den urbanen Räumen“, prognostiziert der Hydrobiologe Mario Michael Sommerhäuser: „Wir müssen damit leben, dass nicht jedes Gewässer im Klimawandel so wie heute erhalten bleiben kann - es wird vermehrt trocken fallende Gewässer im Sommerhalbjahr geben.“

Droht uns Rationierung von Wasser?

Sommerhäuser diskutierte Anfang Mai in Bonn auf der Fachkonferenz „Wasser extreme“ wieder einmal über das Austrocknen unserer Oberflächengewässer. Seit er 1998 darüber promoviert hat, wurde es immer wärmer und trockener in Deutschland. Als Experte der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft (DWA) muss sich Sommerhäuser nun damit beschäftigen, wie Dürren in Deutschland bewältigt werden sollen, auch durch Rationierung von Wasser.

Wasser soll wieder zurückfließen

Für austrocknende Gewässer will er Notfallpläne erstellen lassen. Für Hoch- und Niedrigwasser im Main gibt es schon einen. Es müsse aber ganz grundsätzlich umgedacht werden, sagt Sommerhäuser: „Noch bis vor ein paar Jahren ging die Stadtplanung immer von Straßen und Gebäuden aus. Jetzt müssen wir beim Planen zuerst ans Wasser denken.“ 

Kahle Bäume in einer Stadt
Kahle Bäume in einer Stadt | Bild: iStock / Getty Images Plus/HIDEKI MITANI

Der Grundwasserökologe Dr. Hans Jürgen Hahn von der Universität Landau meint: Bis in die 90er Jahre ging es den Planern immer darum, das Wasser aus der Landschaft auszuleiten. Das hat sich mittlerweile genau umgedreht: Jetzt müssen wir es in der Fläche halten. Bei Guntersblum laufen oft Entwässerungsgräben durch die Weinberge. Das Wasser fließt sofort ins Tal ab und dann den Bach runter in den Rhein. „Stattdessen bräuchten wir an den Hängen mehr Strukturen, wie Hecken und in den steileren Lagen Terrassen, die den Abfluss des Wassers bremsen.“ Das gilt auch für den Ackerbau. In der Landwirtschaft, aber auch in Siedlungs- und Gewerbegebieten müssen wir dafür sorgen, „dass das Wasser langsam versickert und nicht in der nächsten Kanalisation verschwindet.“

Städte müssen umdenken

Parkplätze müssten durchlässiger für Regenwasser sein. Mehr Grünstreifen und Dachbegrünungen seien nötig. Hamburg hat jetzt Regenwasserspielplätze in denen bei Starkregen das Wasser stehen bleibt und langsam versickert. Vorbildlich seien auch Modellversuche mit Parkhäusern, in denen eine Etage als Speicher für Wasser vorgesehen ist, meint Sommerhäuser. Solche Speicher sind gewünscht. Auch Moore und Wälder seien wichtig, um das Wasser in der Landschaft zu halten. 

Umfrage unter Förstern

Aber gerade den Wäldern fehlt Wasser. „So erleben wir beispielsweise in den Auwäldern an der mittleren Elbe, dass Bäume aller Altersstufen flächenhaft durch Trockenstress geschädigt sind und absterben.“ sagt Tobias Schäfer vom WWF. Eine Umfrage von SWR Doku unter 240 deutschen Forstleuten hat ergeben, dass sich bei über 95 Prozent der Befragten die Wasserversorgung in ihren Wäldern in den letzten zehn Jahren verschlechtert hat. Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender im Bund Deutscher Forstleute (BDF) fordert, die „jahrzehntelange Entwässerungspolitik“ müsse aufhören: Der Beitrag, den Waldbesitzer jährlich an die Wasser- und Bodenverbände zahlen, damit „ihre Wälder gegen ihren Willen entwässert werden“ müsse aufgehoben werden. 

Waldsterben in Bayern
Waldsterben in Bayern  | Bild: BR

Neue Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft

Auch die Landwirtschaft muss sich umstellen, meint der Grundwasserökologe Hans Jürgen Hahn: Die Bewässerung müsse optimiert, zeitgemäße Bewässerungstechniken eingesetzt werden. Auch sollte die Beregnung nur bei Nacht erfolgen, wo viel weniger Wasser verdunstet. Damit ließe sich der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft um bis zu 80 Prozent oder mehr reduzieren.“ Zukünftig brauchen wir eine Landwirtschaft, die den Boden so bearbeitet, sagt Hahn, dass er das Wasser wieder schneller aufnimmt und besser halten kann. 

Dann bleibt der Pool eben trocken

Von Industrie und Gewerbe verlangen die DWA, genutztes Wasser, sogenanntes Grauwasser, wieder zu verwenden. Der Swimmingpool im Garten, sagt Sommerhäuser, wird im Notfall trocken bleiben müssen. Und trotz aller Ideen, Pläne und Maßnahmen, wird es Jahrzehnte dauern, bis Gewässer wie der Sasselbach wieder zurückkehren, wenn sie erst einmal verschwunden sind.

Links zum Thema Trockenheit