Charly Hübner im Interview

Vater-Sohn-Gespräch (Klaus Manchen und Charly Hübner)
Veit Bukow mit Sohn Sascha in einem Vater-Sohn-Gespräch. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Alexander Bukow wird gespielt von Charly Hübner

Sascha Bukow hat seinen Frieden gemacht. Für ihn hat sich der Arbeitsalltag mit den Kollegen normalisiert. Vorbei sind Wut und Eifersucht auf Volker Thiesler und auch über das ungelenke Karrierestreben von Anton Pöschel kann er hinwegsehen. Am wichtigsten ist aber die Einsicht, dass Katrin König so offensichtlich viel größere Probleme hat als er selbst. Das ist allein mit den Manipulationen im Fall Guido Wachs nicht zu erklären. Er merkt, dass er hier als Freund und Kollege gefragt ist und er entwickelt, ja, so etwas wie Größe. Wenn sie schon zu Wachs ins Gefängnis rennt, dann wenigstens nicht in ihr eigenes Verderben. Etwas weniger souverän kann er mit seinem Vater umgehen. Dass der die ehemalige Nummer eins in Rostocks Unterwelt war, lässt sich nicht ändern. Aber der Verdacht, sein Vater könnte wieder aktiv sein, ist doppelt beunruhigend. Gegen ihn zu ermitteln, wäre schon unangenehm genug. Viel schlimmer aber ist der Gedanke, dass sein Vater mit seinen Old-School-Methoden unter die Räder kommen könnte. Und dann sind da noch die Therapiebroschüren, die der alte Mann neuerdings bei sich trägt …

Charly Hübner im Interview

»Es ist schon heftig, was in diesem Film alles passiert.«

Der Film erzählt von Schuld und Vergebung. König muss sich ihrer Schuld stellen, um wieder mit sich ins Reine zu kommen. Wie steht Bukow zu dem Thema?

Was Katrin König im Fall Janina gemacht hat, ist nicht Bukows Stil. So weit, wie sie bei dieser Beweismanipulation gegangen ist, würde er einfach nicht gehen. Klar, auch Bukow lädt manchmal Schuld auf sich, aber was er tut, ist immer klein und überschaubar, immer eine relative Schuld. Jetzt ist er aber in die Frau verliebt und möchte sie näher kennenlernen. Deshalb, und auch weil er seinen Job natürlich nicht verlieren möchte, hält er ihr den Rücken frei. Diese ganze Angelegenheit mit mehr aufzuladen, als nötig ist, passt aber einfach nicht zu Bukow.

Veit Bukow dreht offenbar weiter krumme Dinger. In einem Streitgespräch wirft er dem Sohn zu vor, der Bulle geworden zu sein, der er nie sein wollte. Ist da was dran?

Der Vater mochte die Lässigkeit, mit der Sascha Bukow seinen Job gemacht hat. Aber aufgrund des Fehlverhaltens von Frau König in der Wachs-Geschichte kann Bukow sich momentan einfach keine Fehler leisten. In dieser Situation ist es anstrengend für ihn, einen Vater zu haben, der immer noch überall mitmischen will. Über ihm hängt ein Damoklesschwert, da steht ein ganz erheblicher Vorwurf im Raum, und Wachs gibt einfach keine Ruhe. Deshalb wäre es ihm erheblich lieber, wenn der Vater wirklich mal in Rente gehen würde. Das würde ihn entlasten. Auf einer anderen Ebene steckt in dem Satz von Veit Bukow auch der Vorwurf: „Du bist echt ein Oberspießer geworden. Wir haben gekifft und gesoffen, und du bist jetzt so ein bürgerlicher Mittelstandsmensch.“ Darum geht es hier auch. Aber das ist Bukow egal, weil er all diese Kategorien gar nicht in sich trägt.

Später erfährt Bukow eher zufällig, dass Veit wieder schwerkrank ist. Der Vater ist ein wichtiger Halt für ihn. Was passiert, wenn er ihn auch noch verliert?

Man muss abwarten, ob Sascha Bukow dann ins Taumeln gerät oder sich total zusammennimmt oder ausbricht. Er ist gerade sehr abgelenkt von seinem Liebesgefühl, von dem Druck, der von Guido Wachs ausgeht, und von dem aktuellen Fall. Deshalb kann er das Thema, dass der Alte irgendwann nicht mehr da sein könnte, in dem Moment, wo er von der Krankheit erfährt, nicht ernsthaft an sich ranlassen. So geht das ja auch im echten Leben; man weicht diesen Themen immer aus.

Wir haben bereits gesehen, dass Bukow an der Krise der Profilerin wächst. Er bietet ihr weiter seine starke Schulter an, aber sie weist ihn zurück. Wie deutet er diese Ablehnung?

Bukow ist in solchen Dingen nicht so reflektiert, dass er lange darüber nachdenkt. Er kann sich das eine ganze Weile angucken und immer wieder neue Angebote machen, aber irgendwann hat er dann auch genug. So ein Gefühl hält nicht 25 Jahre. Wenn es nicht beantwortet wird, geht man halt irgendwann wieder. Aber erst einmal macht er immer wieder Angebote und lädt sie ein. Eigentlich ist er ja auch ein Schelm.

Nadja Flemming kommt unter rätselhaften Umständen am Hafen ums Leben. König steigert sich auffällig in den Fall hinein, während Bukow von Raubmord ausgeht. Nimmt er die Kollegin trotzdem ernst?

Für Bukow entwickelt dieser Fall in kriminalistischer Hinsicht relativ schnell eine Mystik, mit der er nichts anfangen kann. Katrin König lässt sich von ihrer Intuition leiten, während Bukow nüchtern von der Faktenlage ausgeht. Auf der anderen Seite weiß er aus Erfahrung, dass die Profilerin mit ihrer Intuition oft richtig gelegen hat und dass es jetzt nicht verkehrt ist, ihr zuzuhören. Bukow sitzt hier ein bisschen zwischen den Stühlen. Was sie sieht, hat mit einer intensiven emotionalen Teilhabe zu tun, und darin ist er, zumindest was Frauenfiguren angeht, nicht so gut. Bukow kann das eher bei Männern, deshalb funktionieren die beiden als Ermittlerpaar so gut.

Wie beurteilt er die Machenschaften von Guido Wachs, von denen er ja zunächst wenig mitbekommt?

Wachs ist für Bukow der Schatten im Raum, der ihn und Katrin König seit zwei Jahren quält. Sein Verhältnis zu ihm verändert sich nicht; das war von Anfang gleich. Er hat damals im Fall Janina versucht, ihn auszutricksen, was leider nicht geklappt hat. Für ihn ist Wachs ein sehr gestörter Mensch, der eigentlich in die Psychiatrie gehört. Dass dieser Typ jetzt so eine Intrige aufzieht, ist ihm zwar nicht fremd, das kennt er aus seiner Zeit in Berlin, aber welchen kranken Weg das geht, überrascht dann auch so jemanden wie Bukow. Und die Opfer, die er am Ende kassiert, sind auch für Bukow zu viel, deswegen muss er sich extrem zusammenreißen.

Eoin Moore war, was den Rostocker "Polizeiruf 110" angeht, bislang Regisseur und Autor in Personalunion. Diesmal hat er das Buch eines anderen wichtigen Autors der Reihe verfilmt. Wie gefiel Ihnen das Ergebnis?

Mir gefällt an dem Film besonders gut, dass man hier den Mut hatte, lange Erzählbögen auf ihre Punkte hinzuführen und Säcke zuzumachen. Es ist schon heftig, was in diesem Film alles passiert, und das wird sicherlich auch das ganze Gefüge durcheinanderbringen. Das Aufeinandertreffen von Florian Oellers Rechercheansatz mit Eoin Moores emotionaler Figurenzeichnung konnte nur explosiv sein; das ging gar nicht anders. In "Ein Tag wird kommen" wird eine offensichtliche Schuld beglichen, und die Figuren kassieren auch eine Rechnung dafür, das ist fast biblisch. Dass das am Ende nicht ohne Narben passiert, finde ich richtig gut. Und dass trotz allem darin auch gleich wieder ein Stück Hoffnung aufschimmert, ist toll.

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