Gespräch mit Lina Beckmann

(spielt Melly Böwe)

Lina Beckmann ist Melly Böwe
Lina Beckmann ist Melly Böwe | Bild: NDR / Christine Schroeder

Melly Böwe

Als der Jugendliche Max aus seiner Rostocker Pflegefamilie verschwindet, gerät die Bochumer Polizistin Melly Böwe in Bewegung. Sie hat den Jungen, der im Zeugenschutzprogramm ist, persönlich dort untergebracht und fährt los, um ihn zu suchen. Dass Max’ Pflegeeltern bei Mellys Eintreffen in Rostock gerade von Katrin König befragt werden – der Ex-Freundin und bis vor kurzem Ex-Kollegin ihres Bruders Sascha –, ist für Melly ein dummer Zufall, mehr nicht. Ob Max’ Verschwinden mit dem Mord in der Nachbarschaft zusammenhängt, ist für sie zunächst mal zweitrangig. Sie ist vor allem um das Wohl des Jungen besorgt. Soll die Mordkommission ihre Arbeit machen; Melly macht ihre. Mit feinem Spürsinn und hellwachem Verstand heftet sie sich auf Max’ Spuren. Dabei macht sie so manche unliebsame Entdeckung, und während sich allmählich alle Gewissheiten auflösen, erweist sich Katrin König für sie als kluge und verlässliche Gefährtin im Kampf um Recht und Gerechtigkeit.

Gespräch mit Lina Beckmann

Melly Böwe reist nach Rostock, um nach dem Pflegesohn ihrer Jugendfreundin Jule zu suchen; Max ist aus ungeklärten Gründen verschwunden. Warum fühlt Melly sich für den Jugendlichen verantwortlich?

Melly hat Max vor einiger Zeit aus einer Notsituation heraus zu Jule Genth und ihrem Mann gebracht, nachdem sie ihn bei einem Einsatz völlig verängstigt in einem Schrank gefunden hat und es nicht übers Herz brachte, ihn einfach in ein Heim zu geben. Sie wusste, dass Jule und ihr Mann schon ein Pflegekind hatten und auch noch eines aufnehmen würden, und es lag ihr viel daran, dass Max nicht wieder in eine Situation kommt, die nicht gut für ihn ist. Dass Melly sich immer wünscht, etwas für andere tun zu können, ist ihr wunder Punkt. Gerade, wenn es um Kinder geht, die sie in Gefahr sieht, kann sie nicht wegschauen.

Als Melly bei den Genths ankommt, trifft sie auf Katrin König, die sich wegen eines Mordfalls im Umfeld der Familie ebenfalls für den Verbleib von Max interessiert und konsterniert auf Mellys Einmischung reagiert …

Ja, Melly wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Zunächst mal löst sie eine Riesenirritation bei der Profilerin aus, weil sie so unvermittelt in Rostock auftaucht und sich, was den verschwundenen Max angeht, alleine für zuständig erklärt. Das kommt nicht gut an bei Katrin König.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden die Frauen gegeneinander arbeiten, was pikant ist, weil wir schon wissen, dass sie bald gemeinsam ermitteln sollen. Wie entwickelt sich das Verhältnis der beiden?

Letztlich entsteht daraus keine Rivalität, weil sie recht schnell entdecken, dass sie auf unterschiedlichen Wegen dasselbe erreichen wollen. Auf den ersten Blick können sie wenig miteinander anfangen, aber dann imponiert es ihnen doch, wie gut die jeweils andere ist. Das fanden Anneke und ich toll: Trotz ihrer Unterschiedlichkeit finden die beiden in der Arbeit zusammen und sind dann voneinander beeindruckt. Das wird auch in Zukunft so sein; Melly Böwe und die Profilerin werden sich nicht anbitchen, sondern bilden ein spannendes Team.

Melly beginnt sofort mit der Suche nach dem verschwundenen Jungen. In Ermangelung anderer Informationen ist sie dabei komplett auf ihre Intuition angewiesen – und kommt damit auch sehr weit.

Vielleicht hat dieses Vorgehen ein bisschen was Zauberhaftes, weil es nicht so kühl analytisch rüberkommt. Als Melly sich auf Max’ Bett legt und sozusagen innerlich seine Spur aufnimmt, lässt sie sich wirklich fallen und vertraut sich total. Ich finde das wahnsinnig stark, dass sie sagt: „Ich vertraue mir einfach, ich habe da ein Bauchgefühl und dem folge ich erst einmal.“

Melly findet schnell heraus, dass Max Drogenprobleme hat; die Unterbringung bei den Genths hatte offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Überhaupt finden Eltern und Kinder hier nirgends richtig zusammen. Melly findet schnell heraus, dass Max Drogenprobleme hat; die Unterbringung bei den Genths hatte offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Überhaupt finden Eltern und Kinder hier nirgends richtig zusammen.

Auf der einen Seite schleppt Max vielleicht zu viele schlechte Erfahrungen mit sich herum; so viele, dass das für eine Pflegefamilie nur schwer aufzufangen ist. Wenn sich einer so abkapselt, wie Max es tut, kann man daran verzweifeln. Auf der anderen Seite geht es diesem Ehepaar auch sehr stark um seine Außenwirkung. Sie wollen vermitteln: Wir sind eine super Familie; wir haben ein tolles Haus und zwei Pflegekinder, mit denen alles super klappt. Aber jetzt sind sie an einem Punkt, an dem dieser Anschein nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Es zeigt sich, dass ihnen andere Dinge wichtiger sind als eine wirkliche Hinwendung zu ihren Pflegekindern. So kommt es dann zu dieser furchtbaren Situation. Melly hat das alles nicht kommen sehen. Als sie Max dort unterbrachte, hat sie nur die stabilen Verhältnisse gesehen, die sie ihm als alleinerziehende Mutter selbst nicht hätte bieten können.

Melly und ihre Tochter scheinen eine sehr harmonische Beziehung zu haben. Ein symbiotisches Mutter-TochterPaar?

Rosa ist unglaublich wichtig für Melly; sie ist ihr Ein und Alles. Vielleicht sind die beiden schon zu symbiotisch. Es fällt ihr unglaublich schwer, ihre Tochter loszulassen, aber sie ist eine super Mama. Melly war sechzehn, als sie das Kind bekommen hat, also sehr jung, und die beiden haben so ein Mittelding zwischen Freundschafts- und Mutter-Tochter-Verhältnis.

Melly Böwe rückt nun in die Riege der Rostocker Ermittler*innen auf. Was waren Ihre Wünsche für diese Rolle?

In den Vorgesprächen kristallisierte sich heraus, dass wir Lust hatten, nach dem dunklen Geheimnisvollen, das Sascha Bukow umgab, mit Melly Böwe etwas helles Geheimnisvolles in die Reihe reinzubringen. Ich wollte was ganz anderes als Bukow für mich erfinden. Bukow war ja immer so ein Grenzgänger in die dunkle Seite; um ans Ziel zu kommen, ist er auch Wege gegangen, die nicht ganz legal waren. Mit Melly kommt jetzt jemand mit einem aufrechten, ehrlichen und sehr warmen Ansatz, auch beim Ermitteln.

Welches Verhältnis hat Melly denn zu den Bukows?

Als sie auch Polizistin geworden ist, wie ihr Bruder, hat sie für sich entschieden, dass sie nicht in diese dunkle Welt hineingezogen werden will. Sie will da auf keinen Fall reingehen, sondern sie bekämpfen. Richtiggehend losgesagt hat sie sich von ihrem Vater nicht, aber sie ist wahnsinnig verletzt von den beiden Männern ihrer Familie, und aus dieser Verletzung heraus hat sie sich überlegt: Ich mach das anders als ihr.

Melly wirkt ziemlich unbekümmert um das, was andere über sie denken. Was mögen Sie besonders an ihr?

Mich beeindruckt an Melly, dass sie so bei sich ist; sie lässt sich nicht so leicht irritieren. Sie hat einen unglaublich guten Zugang zu ihrem Herzen, verknüpft mit einem wachen Verstand. Man sollte nicht den Fehler machen, sie für naiv oder dumm zu halten; sie hat einfach eine gute Verbindung zwischen Kopf und Herz. Und ich finde, dass sie unglaublich offen auf alle zugeht. Das hat mir beim Spielen sehr viel Spaß gemacht, dass sie in jede Situation augenscheinlich ohne Visier reingeht, egal, wer vor ihr steht. Sie sagt: „Ich nehme dich so an, wie du vor mir stehst.“ Dass sie so ganz ohne Dünkel ist, gefällt mir sehr.

Melly Böwe backt versonnen Muffins, während Katrin König sich mit einem Sauerteig abmüht. Ist die Rolle auch als Gegenmodell zur verkopften Profilerin angelegt?

Natürlich guckt man, was da für spannende Pole aufeinandertreffen können. Von ihrer Persönlichkeit her könnten die beiden Ermittlerinnen nicht unterschiedlicher sein. Sie nehmen das Leben mit seinen Aufgaben ganz unterschiedlich und gehen mit Themen wie Einsamkeit, Schmerz oder Verlust jeweils sehr anders um. Aber sie arbeiten beide sehr intuitiv und sind hervorragend in ihrem Job, das war uns wichtig. Dass da zwei höchst verschiedene Frauen aufeinandertreffen, die sich quasi durch die Begabungen in ihrem Job finden, fanden wir als Spannung zwischen den beiden sehr schön.

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Trifft das auch für Melly zu?

Sie zeigt, dass es doch geht. Sie hat versucht, sich aus ihrer Familie zu lösen und ihrer Tochter eine gute Familie zu bauen, die ihr Halt gibt. Vielleicht kann man sich seine Familie nicht aussuchen, aber die Menschen, die gut für einen sind, schon.

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