Statement von Christian Granderath (Leiter Abteilung Film, Familie und Serie)

Christian Granderath PB Fiktion & Unterhaltung / Film, Familie und Serie
Christian Granderath | Bild: NDR

»Eine neue Stadt, ein neuer Fall und eine neue Kollegin – der 26. "Tatort" mit Kommissarin Charlotte Lindholm schlägt ein neues Kapitel in der Reihe auf. Nachdem ihr in der vorhergehenden Folge "Der Fall Holdt" ein fataler Ermittlungsfehler unterlaufen war, soll Kommissarin Lindholm das LKA in Hannover verlassen und künftig als Teil der Polizeidirektion Göttingen ermitteln. Seite an Seite mit einer selbstbewussten Kollegin, die erst einmal viele Vorbehalte gegen die arrogant wirkende Einzelgängerin aus Hannover hat. Die beiden Alpha-Frauen bekommen es in der Folge "Das verschwundene Kind" mit einem ungewöhnlichen und emotional belastenden Fall um eine mysteriöse Geburt zu tun. Die verstörende Geschichte spielt vor dem Hintergrund von rund 1600 rätselhaften Fällen pro Jahr, in denen weder die Frauen selbst noch ihre Umgebung eine Schwangerschaft bemerken und sie manchmal bis zur Geburt verdrängen. 20 bis 40 Babys kommen in der Folge ums Leben. Das ist schwer fassbar, zumal sich kaum einheitliche Muster für solche Taten finden lassen. Einfache Antworten gibt es hier nicht. Wir haben uns alle bis zum Schluss immer wieder gefragt, wie es zu einer solchen Katastrophe kommen kann.«

»Das erfahrene Autoren-Trio Stefan Dähnert (er hatte bereits den Zweiteiler "Wegwerfmädchen"/"Das goldene Band" für Charlotte Lindholm geschrieben), Jan Braren (der für "Der Fall Holdt" verantwortlich zeichnete) und Autorin und Regisseurin Franziska Buch, die als Tochter einer Polizistin nun ihren ersten "Tatort" inszenierte, hat diese herausfordernde Geschichte mit großer Sensibilität entwickelt und umgesetzt. Die Fragen, die sich über diesen Fall einem Millionenpublikum stellen, sind vielleicht hilfreich, um die damit zusammenhängenden Notsituationen der Frauen stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit zu bringen und ein Stückweit zu vermeiden.«

»Neben dem Fall wird sich der Fokus aber sicher auch auf die neue Ermittlern Anaïs Schmitz an der Seite von Charlotte Lindholm richten. Denn die im Ruhrgebiet aufgewachsene Florence Kasumba, die in den vergangenen Jahren in mehreren Hollywood-Blockbustern wie "Black Panther" spielte, ist eine schwarze Schauspielerin und nun die erste schwarze "Tatort"-Kommissarin. Nicht auszuschließen, dass manche darin ein Experiment sehen, nicht auszuschließen, dass Alexander Gauland und Konsorten sie nicht als Nachbarin haben wollen, nicht auszuschließen, dass auch Kritiker den Film erstmal im Hinblick auf die Hautfarbe betrachten – wir wünschen uns, dass dies schnell mit großer Selbstverständlichkeit akzeptiert wird und keiner besonderen Erwähnung mehr wert ist. Florence Kasumba wurde für die Rolle ausgewählt, weil sie in Kombination mit Maria Furtwängler, die seit langem für "Tatort"-Erfolge mit mehr als 10 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern steht, Teil eines starken Frauen-Duos und für die "Tatort"-Familie ein Gewinn ist. Der NDR hat in der Vergangenheit ebenso selbstverständlich Sibel Kekili, Fahri Yardim, Almila Bagiracik und Mehmet Kurtulus besetzt und Herkunft nicht problematisiert. Das ist Teil des redaktionellen Selbstverständnisses.«

»Auch wenn Männer an der Entstehung des Films mitgearbeitet haben, ist der "Tatort: Das verschwundene Kind" eine von Frauen dominierte Produktion. Neben den beiden Kommissarinnen vor der Kamera waren mit Autorin und Regisseurin Franziska Buch, Redakteurin Sabine Holtgreve und Produzentin Iris Kiefer drei starke und erfahrene Frauen an entscheidenden Schaltstellen der Produktion hinter der Kamera beteiligt. Nicht nur im Zusammenhang mit dem Thema des Films war dies ein Gewinn. Wir alle haben uns auch darüber gefreut, in der Universitätsstadt Göttingen zu drehen, die eng mit den Gebrüdern Grimm verbunden ist und nur selten auf der filmischen Landkarte auftaucht. Das war mal anders, der legendäre Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens und Produzent Hans Abich hat von hier aus mit der Göttinger Filmaufbau Gesellschaft in den Fünfzigerjahren viele ambitionierte Spielfilm-Produktionen realisiert – wir hoffen, dies ist ein gutes Omen für die nächsten Fälle mit Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz.«

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