Regisseurin Esther Wenger zum »Tatort – Gold«

Johanna Stern (Lisa Bitter) konsultiert den Nibelungen-Spezialisten Dr. Albert Dürr wegen der gefundenen alten Goldmünze.
Johanna Stern konsultiert den Nibelungen-Spezialisten Dr. Albert Dürr wegen der gefundenen alten Goldmünze. | Bild: SWR / Benoît Linder

Woran haben Sie zuerst angedockt, als Sie das Drehbuch von Fred Breinersdorfer und Katja Röder zum »Tatort – Gold« gelesen haben? Sind für Sie die Nibelungen eine vertraute Sage?

Als ich das Buch von Fred Breinersdorfer und Katja Röder gelesen hatte, war ich spontan begeistert, aber es war mir auch sofort klar, dass mir eine riesige Herausforderung bevorstand, ein absolut ungewöhnliches Krimiprojekt. Natürlich kenne ich die Nibelungensage sehr gut, ich mochte sie schon als Kind, und im Literaturstudium ist sie mir wieder begegnet. Aber das Drehbuch zum »Tatort – Gold« beschäftigt sich ja auch mit Wagners Bearbeitung des alten Sagenguts. Der Film zerfällt in Wagners vier Opern von »Der Ring des Nibelungen«. Viele Figuren haben Bezüge zu den Figuren in den Opern. Ich wollte diesen Tatort voller Mystery-Elemente, Spannung und Ironie so inszenieren, dass die Zuseher:innen, die den Operzyklus nicht kennen oder lieben – ich denke, das ist die Mehrheit – einen spannenden und teilweise amüsanten Film sehen werden. Opernliebhaber:innen sollen ihn aus vollen Zügen genießen können. Ich sammelte Ideen, hörte mir Wagners »Ring« an und beschäftigte mich mit den Leitmotiven, die er für seine Figuren komponiert hat. Darüber hinaus recherchierte ich Bühnenbilder aus allen Epochen und wühlte mich immer tiefer in die Materie.

Die Kommissarinnen, der Schatz, mindestens ein Verbrechen, die Nibelungen: Es gibt ganz klassische Ermittlung in dem Tatort, aber auch die angesprochene Ebene der Überhöhung der Sage und der Oper. Was war Ihre Strategie beim Zusammenspiel der Ebenen? Gibt es Figuren, die eher der einen oder der anderen zuzuordnen sind?

»Gold« ist einerseits ein klassischer Whodunit im ersten Mordfall, der zweite Mord geschieht vor den Augen der Zuseher:innen. Ein Erzähler, Heino Ferch, in der Rolle des Wormser Nibelungenmuseumsdirektors Dr. Albert Dürr, führt durch die Geschichte und verbindet die Sage mit der Ermittlung. Wie bei Shakespeare ist er nicht nur Erzähler, sondern auch eine wichtige Figur im Film. Dürr vermittelt uns den Inhalt der alten Sage und weiß mit dem Fluch umzugehen, unter dem der Schatz steht. Angelika Dufft, die für die Ausstattung verantwortlich war, hat jedes einzelne Motiv, egal ob Sozialwohnung oder Metzgerei, in ein Bühnenbild verwandelt. Der Film soll auch ein optischer Genuss sein und alle Schauplätze wie aus einem Guss verbinden.

Wo steckt für Sie der ernste Kern der Geschichte bzw. der Analogie zu den Nibelungen?

»Gold« spielt mit der Habsucht, die im Christentum nicht umsonst als eine der sieben Todsünden beschrieben wird. Gerade heute sehen wir, wohin uns die menschliche Gier gebracht hat. Ist Geiz wirklich geil? Geht es am Ende immer nur um das ICH? Sollten wir nicht lieber lernen zu teilen? Die Gier nach Gold kostet Leben, diese Wahrheit verbindet den Film mit der Sage.

Haben Sie bei diesem Film intensiver oder früher mit dem Musiker zusammengearbeitet als sonst? Der Score arbeitet ja mit Wagneranspielungen, hatte das schon bei der Realisierung Auswirkungen?

Gleich nach dem ersten Lesen des Drehbuchs habe ich Robert Schulte Hemming angerufen und ihn gebeten, die Musik für den »Tatort-Gold« zu komponieren. Wir haben schon oft zusammengearbeitet und vertrauen einander. Mehr als ein Jahr haben wir uns mit der Musik auseinandergesetzt, alles MÖgliche ausprobiert und am Ende hat Robert seine und Jens Langbeins Komposition mit Musikern der Elbphilharmonie und mit Wagnersänger:innen aufgenommen. Es ist eine Filmmusik geworden, di emit Elementen aus den Wagner Opern spielt und sie eine spannende Krimimusik übersetzt. Opernfans werden ihren Spaß haben!

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