Gespräch mit Wotan Wilke Möhring

"'Frohe Ostern, Falke‘ ist ein Thriller, der optisch einfach Spaß macht."

Thomas Stiller hat eine Story entwickelt, die nicht das übliche Schema bedient. Was ist anders in "Frohe Ostern, Falke"?

Unser Terrain sind ja normalerweise Fälle, die im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei liegen; darüber hinaus erzählen wir immer auch, was die einzelnen Fälle mit den Ermittlern machen, was sie in ihnen auslösen. Diesmal gibt es aber keinen richtigen Fall, sondern es entsteht eine Situation. Katharina Lorenz setzt einen Hilferuf an Falke ab, während sie nicht im Dienst ist, auf den er reagiert. Weder Falke noch Lorenz haben einen Ermittlungsauftrag, und sie tun auch nichts, was nur Bundespolizisten machen würden. Im Grunde sind sie hier als Privatpersonen unterwegs. Und anders als sonst agieren die beiden getrennt. Während Falke und Lorenz sich im letzten Fall in Oldenburg sehr nah waren, sind sie jetzt – räumlich und situativ – voneinander entfernt. Das alles fand ich eine spannende Ausgangslage.

Es ist Ostern und alle feiern, nur Falke sehen wir am Anfang fleißig im Büro sitzen. Wie geht es ihm damit?

Mit Ostern als Familienfest oder kirchlichem Feiertag hat Falke, glaube ich, eher nichts am Hut. Trotzdem ist es für ihn natürlich auch kein Highlight, mehr oder weniger allein im Büro zu hocken und Akten abzuarbeiten. Das macht ihn nervös, er ist unruhig und insofern eigentlich auch ganz froh, dass er irgendwann einen Grund bekommt, das Büro zu verlassen, auch wenn der Anlass unschön ist.

Falke bearbeitet den Fall einer vor der Behördenwillkür in ihrer Heimat geflohenen Iranerin und gibt ihr eine Telefonnummer. Was ist das für ein Kontakt?

Das ist die Nummer von einem Anwaltsbüro, das auf Flüchtlingsthemen spezialisiert ist. Es gibt Fachanwälte, die sich speziell mit den Problemen von Migranten auskennen und helfen können, Abschiebungen zu verhindern, wenn es – wie in diesem Beispiel – gute Gründe dafür gibt. Falke vermittelt ihr einen kompetenten Ansprechpartner, der ihr helfen kann. Denn wenn sie in ihre Heimat abgeschoben würde, würde ihr dort sehr wahrscheinlich Schreckliches widerfahren.

Thomas Stiller zeigt in "Frohe Ostern, Falke" zwei Personenkreise, die das Thema Flüchtlingshilfe mehr oder weniger dazu nutzen, um sich selbst in Szene zu setzen. Wie gefiel Ihnen das?

Mir hat es sehr gut gefallen, dass Thomas Stiller hier mit reichen Hamburger Spendern und ihren Kritikern, den Bad Easter Bunnies, zwei gegensätzliche gesellschaftliche Gruppen aufeinanderprallen lässt und beide Gruppen so ambivalent hält. Des Pudels Kern ist, wenn man so will, dass diese Leute Gutes wollen, aber Böses schaffen. Heutzutage ist es schwerer denn je, etwas zu machen, was eindeutig richtig ist, und auch hier fällt es zunächst schwer zu sagen: Die einen sind die Guten und die anderen die Bösen. Beide Parteien wollen ursprünglich etwas Gutes, aber was sie tun, ist letztlich problematisch. Spannend ist dann vor allem, wie Thomas Stiller die Unterwanderung der Aktivistengruppe durch einen Killer erzählt, der sein ganz eigenes Spiel mit beiden Gruppen treibt.

Die Bunnies sind eine linke Gruppierung, die reiche Spender durch provozierende Performances verhöhnt. Falke kennt Axel, ein ehemaliges Mitglied der Gruppe. Ist das nicht ein fragwürdiger Umgang für ihn?

Wir haben ja bereits im ersten Film, im "Feuerteufel", Falkes biographische Verbindung zur autonomen und linken Szene gesehen. Das ist das Spektrum aus dem er kommt. Er hat sich irgendwann entschieden, dass er auf der Seite des Gesetzes stehen will. Aber dass er Leute kennt, die in dieser Szene aktiv sind oder waren, gehört zu seinem Background. Axel ist einfach ein alter Kumpel von früher. Darüber hinaus verfolgt Falke als Bundespolizist, der es in seinem Job mit organisierter Kriminalität zu tun hat, sicher auch die Aktivitäten solcher Gruppen.

Wo liegen für Sie die Stärken des Films von Thomas Stiller?

Für mich liegen die Stärken dieses Films im Visuellen. Die Hasen sind ein tolles Motiv und teilweise sehr bedrohlich. Ich fand es auch spannend und neu für unsere Reihe, dass hier zwischendurch mal richtig geballert wird. Diese Jungs, die Bad Easter Bunnies, machen ziemlich auf dicke Hose; da gibt es Szenen, die fast schon ein bisschen Tarantino- oder westernmäßig rüberkommen. Beispielsweise die Szene, in der die fünf mit ihren Taschen ankommen; das ist fast eine Western- Einstellung. "Frohe Ostern, Falke" ist ein Thriller, der optisch einfach Spaß macht. Das ist ein Genrefilm; er kreist um eine Gangstergruppe, die einen Überfall plant. Wie bei anderen Filmen des Genres sehen wir hier eine Gruppe, die etwas vorhat. Die Vorbereitung der Aktion ist spannend, der Überfall selbst ist spannend und auch das, was daraus wird. Dass es bis zum Ende Überraschungen gibt, natürlich erst recht. Darüber hinaus erzählt der Film ja durchaus auch noch anderes, wie die Verlogenheit von Spendengalas beispielsweise; die Hamburger Pfeffersäcke kriegen hier ihr Fett weg. Aber insgesamt geht dieser Film mal weg von dem, was wir sonst machen, und das macht durchaus Spaß.

Es war klar, dass die Schauspieler zu neunzig Prozent hinter Masken versteckt sein würden. Deshalb haben wir uns zum einen sehr viel Mühe gegeben, dass die Hasen individuell aussehen, damit man sie rein vom Kostüm her auseinanderhalten kann. Zudem haben wir darauf geachtet, dass die Darsteller markante Stimmen haben. Weil es nur wenige Szenen gibt, in denen sie die Masken abnehmen, muss man sie an den Stimmen unterscheiden können. Und auch von der Körperlichkeit, von der Statur her unterscheiden sie sich. Interessanterweise fanden die Schauspieler es gar nicht unangenehm, so viel in diesen Ganzkörperkostümen zu spielen, wie man meinen könnte. Im Gegenteil: Sie fanden es reizvoll, sich hinter so einer Maske freizuspielen.

Frank, der Chefosterhase, ist, wie sich herausstellt, zynisch und abgrundtief böse. Da man sonst nichts über ihn erfährt, bekommt er beinahe dämonische Züge. War das Ihr Ziel?

Ja, absolut. Frank ist ein großer Zyniker, und das ist dramaturgisch wichtig, damit dieses Gefühl von Gefahr überhaupt entstehen kann. Wir wissen ja, dass von den anderen Hasen eigentlich keine Gefahr ausgeht; die sind nicht böse, sondern tun uns ab einem gewissen Punkt eigentlich nur leid. Frank ist derjenige, der das Angstbarometer die ganze Zeit oben halten muss. Der ist unkalkulierbar und total präzise. Dass es dann am Ende Leute gibt, die noch professioneller sind als er, ist eine Ironie, die mir besonders gut gefällt. Das ist wie bei diesen Matrjoschka-Puppen, bei denen immer noch eine weitere zum Vorschein kommt. Frank ist eben auch nur ein Teil von einem größeren Spiel.

Gab es ein Vorbild für die Figur des Frank?

Einer meiner Lieblingsfilme im Action-Bereich ist "Stirb langsam", und der ist mit einem Augenzwinkern hier drin. Hans Gruber aus diesem Film, der Mr. Takagi erschießt und sagt: "Schade um den schönen Anzug", war in seinem Zynismus ein Vorbild für Frank. Der Zynismus macht die Figur unberechenbar, und es ist wichtig für die Glaubwürdigkeit der Handlung, dass die Hasen ab einem gewissen Punkt Angst vor Frank haben. Frank hat kein Problem damit abzudrücken, wie er selbst sagt, und er hat auch kein Problem damit, darüber dann noch einen Spruch abzulassen.

Schwebte Ihnen von Anfang an Thomas Sarbacher für diese Rolle vor?

Für mich gab es keine andere Besetzung. Wenn die Hasentruppe vor den reichen Leuten auf dieser Gala ihre Performance abzieht, hat das zunächst ganz klar etwas Theaterhaftes. Und es war mir wichtig, jemandenfür die Rolle des Frank zu haben, der sowohl den einen als auch den anderen Ton sehr gut beherrscht. Der leicht und spielerisch sein kann, aber zugleich auch sehr perfide und böse, ohne dass es gedrückt wirkt. Das kann Thomas Sarbacher wie kaum jemand anders; da ist er einfach toll. Darum wollte ich ihn unbedingt haben.

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