Peter Lübbe Wettstein

(Gemeindeverwaltung Langeoog, Verbindung zum Filmteam)

»Die Langeooger haben mit Begeisterung mitgemacht.«

Thorsten Falke und Jan Katz
Thorsten Falke und Jan Katz sind alte Kollegen und noch ältere Freunde. | Bild: NDR / Boris Laewen

Sie haben dem Filmteam auf Langeoog beratend zur Seite gestanden. Was waren Ihre Aufgaben?

Bürgermeister Uwe Garrels hatte mich als Projektmanager eingesetzt, und ich habe in dieser Funktion vor allem Kontakte zwischen dem Filmteam und den Insulanern hergestellt, zum Natur- und Küstenschutz beispielsweise, zur Nationalparkverwaltung oder zu den Naturschutzbehörden. Weil auch im Weltnaturerbe gedreht wurde, mussten wir natürlich sehr genau darauf achten, dass keine Vögel gestört oder Pflanzen zerstört werden. Da gibt es jede Menge Auflagen, und natürlich müssen die Interessen der Insel und ihrer Bewohner bei so einem Projekt gewahrt bleiben. Auf der anderen Seite kann mein oder unser Insiderwissen für Außenstehende aber auch sehr hilfreich sein und bestimmte Vorgänge beschleunigen.

An was denken Sie da konkret?

Zum Beispiel an die Logistik, also Fahrzeuge. Wir sind eine autofreie Insel, das heißt, es gibt hier keine LKWs. Weil das Filmteam aber nun mal Fahrzeuge hatte, die hierher mussten, haben wir uns um Sondergenehmigungen gekümmert und vor allem um Abstellmöglichkeiten, denn Parkplätze gibt es auf einer autofreien Insel ja nicht. Die Filmleute durften auch nicht selber fahren. Alle Frachten, die unbedingt gebraucht wurden, wurden mit Elektro-Schleppern bewegt. Und alle Personen, auch die Stars, mussten das Fahrrad oder die Kutsche nehmen. Da wir aber ideale Wetterbedingungen hatten, denke ich, dass sie das auch genossen haben.

Das sind auf jeden Fall ungewöhnliche Umstände. Doch es gab noch mehr ungewohnte Rahmenbedingungen ...

Ja, die Tiden zum Beispiel. Die Dreharbeiten richteten sich natürlich auch ganz stark nach Ebbe und Flut. Wir haben einen Tidehub von etwa 2 Meter 60. Das geht dann also ganz schön hoch und runter, und wenn man Aufnahmen am Hafen macht und die sollen nachher zusammenpassen, ist es ja nicht so hilfreich, wenn das Schiff, das eben noch gut sichtbar war, auf einmal halb hinter der Kaimauer verschwindet. Außerdem kann man im Watt logischerweise nur bei Ebbe filmen. Man muss also mit dem Tideplan arbeiten.

Haben die Inselbewohner die Situation als etwas Besonderes empfunden oder sind häufiger Filmteams auf Langeoog?

Kleinere Filmteams, zum Beispiel vom Regionalfernsehen, oder Musikproduktionen haben wir schon öfter mal. Aber einen abendfüllenden Spielfilm, das gibt es vielleicht alle zwanzig Jahre mal. Insofern war das schon was Besonderes für die Langeooger. Weil wir eine autofreie Insel sind, kommen andere Inseln häufiger zum Zuge.

Was gab denn trotz der logistischen Schwierigkeiten diesmal den Ausschlag für Langeoog?

Sicherlich hat Langeeog die idealen Bedingungen geboten, die man sich vom Drehbuch her gewünscht hat. Es sollte eine kleinere Insel sein, deren Bild möglichst nicht durch Hochhäuser gekennzeichnet ist und die zudem eine gute Fährverbindung hat. Langeoog hat eine tidefreie Fährverbindung und ist dadurch einfach zu erreichen; die Nachbarinseln dagegen nur bei Flut. Wir haben eine leistungsfähige Reederei, die Schiffe zur Verfügung gestellt und gerne mitgespielt hat. Es gab ja auch Aufnahmen auf einer der Fähren.

Und es haben auch Insulaner als Komparsen mitgewirkt ...

Ja, über unser Mitteilungsblatt in der Gemeinde wurden Komparsen gesucht, und da gab es großes Interesse. Die Langeooger haben mit Begeisterung mitgemacht. Zum Sendetermin wird es hier im großen Saal im Haus der Insel ein Public Viewing geben und wir werden uns den Film gemeinsam ansehen. Wie viele andere Langeooger bin ich selbst auch Statist gewesen. Ich habe eine Komparsenrolle als Polizist bekommen und durfte in dieser Funktion den Tatort inspizieren.

Im Film geschieht ein grausamer Mord in den Dünen. Hat es schon echte Mordfälle auf Langeoog gegeben? Was sagt die Kriminalitätsstatistik?

Also, Langeoog ist bestimmt keine Hochburg des Verbrechens. Ich kann mich mit meinen 50 Jahren nicht erinnern, dass hier schon mal ein Mord begangen wurde. Das ist bei uns noch nicht vorgekommen, obwohl man es natürlich nie ausschließen kann. Hier gibt es vielleicht mal ein paar Diebstähle oder ein Verkehrsdelikt mit dem Fahrrad. Aber Kapitalverbrechen glücklicherweise ganz, ganz selten. Allerdings hat die Insel einem Mord ihre erste urkundliche Erwähnung zu verdanken. Im Jahr 1289 wurde im Langeooger Hafen ein Mensch aus Bremen ermordet. Das fing also alles böse an. (lacht)

Wie viele Einwohner hat die Insel, und wie viele Polizeibeamte?

Langeoog hat zirka 1700 Einwohner. Und zwei fest installierte Polizisten. Da aber im Sommer während der Hochsaison an die zehntausend Gäste dazugekommen, gibt es dann auch eine Saisonverstärkung für die Polizei.

Das klingt recht übersichtlich. Bilden die Insulaner eine verschworene Gemeinschaft?

Nein, so ist das auch nicht. Auch wenn das gerne vermutet wird. Streitigkeiten und böse Menschen gibt es überall, und was die Leute so im Geheimen machen, das werden Sie auch auf Langeoog nicht wissen. Immerhin gibt es hier einige, die in gerader Linie von Piraten abstammen. (schmunzelt)

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