Statement von Matthias Lier

"Tatort: Krieg im Kopf" am 29. März 2020, 20:15 Uhr im Ersten
Matthias Lier ist Benno Vegener | Bild: NDR / Marion von der Mehden

Matthias Lier ist Benno Vegener

Der Bundeswehr-Einsatz in Mali lief für den Soldaten Benno Vegener schlecht. Mehr als die Hälfte der Kameradinnen und Kameraden haben einen Einsatz, den er geleitet hat, nicht überlebt. Als wäre das nicht schlimm genug, fing irgendwann das mit den Stimmen an. Stimmen, die in den Kopf kriechen, die sich dort breitmachen und das Leben ruinieren.

Aber Vegener glaubt nicht an eine Krankheit. Er recherchiert, sammelt, erinnert, zeichnet. Er wird grob, laut, vielleicht sogar gewalttätig. Seine Familie steht unter Druck. Sein Sohn hat ein Versteck. Dorthin zieht er sich zurück, wenn Benno Vegener laut wird.

Der Soldat hat genug Beweise gesammelt, jetzt wird gehandelt. Die Polizei muss ran, die Polizei will nicht. Aber wie kann das sein? Benno Vegener versucht, den beiden Beamtinnen die Dringlichkeit klarzumachen. Er will sie nicht verletzen, aber nun hat er leider das Messer gezogen und ein Pistolenlauf ist auf ihn gerichtet. Und die Stimmen werden wieder lauter.

Statement von Matthias Lier

»Mich hat das Drehbuch regelrecht wachgerüttelt.«

»Mich hat das Drehbuch regelrecht wachgerüttelt, denn bevor ich Schauspieler wurde, war ich Ingenieur und habe mich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Ich habe alles im 'Tatort' auf seinen Wahrheitsgehalt abgeklopft und das meiste stimmt. Benno Vegener wird Opfer einer Manipulation seines Gehirns. Aber er erkennt die Manipulation, und es treibt ihn an den Rand der Verzweiflung, dass ihm keiner glaubt und alle ihn nur als Wahnsinnigen abstempeln wollen. Dadurch entsteht ein riesiges Ohnmachtsgefühl. Für mich war es spannend, den standhaften Feldwebel zu spielen, bei dem selbst irgendwann Zweifel aufkommen, ob er seinen eigenen Gedanken noch trauen kann. Ich finde es gefährlich, wenn wir uns sogar nicht mehr auf unseren Menschenverstand verlassen können. Denn wir leben in einer Zeit, in der wir fast nichts mehr glauben können, es wird gelogen, es gibt alternative Fakten und gefälschte Quellen. Bots manipulieren im Internet, Chats werden gefälscht. Das Mind Set der Menschen wird Stück für Stück verändert. Wir wachsen immer mehr mit dem Internet und den neuen Medien zusammen und adaptieren uns quasi immer mehr.

Als ich mal beobachtete, wie ein kleines Kind, das offenbar das erste Mal ein richtiges Buch in der Hand hielt, die feinen Blätter wie beim Tablett zur Seite schieben wollte, um umzublättern, wurde mir klar, dass sich nicht nur die Maschine an den Menschen anpasst. Denn so wie das kleine Kind, so verändern auch wir unsere Gewohnheiten Schritt für Schritt und merken gar nicht, wie wir mit den Maschinen verschmelzen. Dann können sogar mit noch viel subtileren Mitteln als den in unserem 'Tatort' verwendeten unsere Gedanken beeinflusst werden, und wir verlieren unsere Autonomie. Der 'Tatort' ist für mich auch ein Gedankenexperiment über die Frage, was ist Wahrheit, wem nützt die Wahrheit, und wer hat die Deutungshoheit über sie?«

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