Gespräch mit Sibel Kekilli

Borowski, Brandt
Der 20-jährige Mike war vor seinem gewaltsamen Tod offensichtlich von der Droge Crystal-Meth abhängig. Die Kommissare Klaus Borowski und Sarah Brandt ermitteln in der Kieler Drogenszene. | Bild: NDR / Christine Schröder

»Wenn Sarah Brandt von etwas überzeugt ist, startet sie durch.«

In den vergangenen Folgen hat sich Sarah Brandt immer mehr den Respekt von Klaus Borowski erkämpft, was in dieser Episode sehr deutlich wird. Wie kommt es zu diesem starken Selbstbewusstsein?

Es ist das Ergebnis einer Entwicklung von Sarah Brandt, an der wir – die Produktion, Redaktion und ich mit meiner Agentin zusammen – kontinuierlich und aktiv arbeiten. Und selbst jetzt ist Sarah Brandt in ihrer Entwicklung noch nicht ganz ausgereift, und das ist auch gut so. Ich versuche, wenn möglich, sehr früh in die Buchentwicklung einzusteigen, damit ich an meiner Rolle mitarbeiten kann. Aber es ist nicht nur das. Auch das Zusammenspiel zwischen Sarah Brandt und Klaus Borowski musste sich erst finden. So einfach wächst man als Team nicht zusammen. Das braucht Zeit – Entwicklung eben. Aber das hin und her ist ja das Spannende und Interessante an der Konstellation zwischen den beiden. Außer, dass sie und Borowski sich finden müssen, muss sie auch sich selbst finden. Wir arbeiten daran, dass sich Sarah Brandt weiterentwickelt, dass sie erwachsener, selbstsicherer und selbstständiger wird. Auch die verschiedenen Regisseure leisten ihren Beitrag dazu. Das sind alles Aspekte, die zum Reifungsprozess von Sarah Brandt beitragen.

Die andere Seite des neuen Selbstbewusstseins führt zu einem eklatanten Fehler, als sie sich über Borowskis Anweisung hinwegsetzt. Was will Sarah Brandt mit solchen Alleingängen beweisen?

Es geht nicht darum zu beweisen, dass sie autonom handeln kann oder sich etwas zutraut. Sie entscheidet dies aus dem Moment heraus. Für sie ist das die logische Konsequenz. Und es hätte auch gut gehen können. Letztendlich ist die Aktion ja gescheitert, weil sie verraten wurde. Sarah Brandt handelt oft impulsiv und aus dem Moment heraus, dadurch kommt es zu solchen Situationen. Sie ist schnell ungeduldig und will rasch Ergebnisse sehen. Alles andere ist ihr zu langsam und zu bürokratisch. Wenn sie von etwas überzeugt ist, startet sie durch. Dann ist sie regelrecht besessen. Aber das finde ich gut an ihr. Mal geht es daneben, mal geht es aber auch gut aus.

Sarah Brandt ist zwar impulsiv und will rasche Ergebnisse. Sie beweist aber auch eine gute Spürnase wie im Fall des Kombis. Eine Spur, die nur durch geduldige Polizeiarbeit zum Erfolg führt. Das hat beides mit Bauchgefühl zu tun. Wie aber unterscheidet man zwischen richtigem und falschem Bauchgefühl?

Bauchgefühl kennt ja jeder. Wie gut das funktioniert, kommt auf den Moment an, aber auch darauf, wie gut man es pflegt, wie eng man selber damit verbunden ist. Ein Bauchgefühl zeichnet sich ja dadurch aus, dass man es nicht rational erklären kann. Deshalb stimmt meistens das erste Gefühl, das man bei einer Sache hat. Denkt man auch nur kurz darüber nach, ist man wieder im Kopf. Man kann weder das eine noch das andere ausschließen.

Borowski stellt fest, dass der Mörder wegen des Kraftaufwandes ein Mann sein muss. Sarah Brandt kontert dies mit der Frage, ob er wisse, wozu Frauen unter Drogen fähig seien. Wie kommt man zu dieser Aussage?

Eigentlich muss man doch die Frage stellen, wie Borowski zu seiner Annahme kommt? Ich glaube, dass ein solcher Kraftakt von einer Frau auch ohne Drogeneinfluss begangen werden kann. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Wut, der Hass oder die Angst, die man bei einem Mord im Affekt hat, so viel Energie frei setzt, dass selbst Personen, denen man das nicht zutraut, die Kraft entwickeln, mit einer Axt einen Kopf abschlagen zu können.

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