Interview mit Szenenbildner Uli Hanisch

Gereon Rath (Volker Bruch) auf einem seiner nächtlichen Streifzüge.
Gereon Rath auf einem seiner nächtlichen Streifzüge. | Bild: ARD Degeto

Wie haben Sie in der neuen Staffel an die schon vorhan­dene Welt von "Babylon Berlin" angedockt?

Es ist schön, in eine bekannte Welt zurückzukehren. Als Filmemacher kennen wir das eigentlich gar nicht – etwas bereits Vorhandenes fortzusetzen, sich überhaupt ein zweites Mal mit derselben Welt zu beschäftigen. Das hat viele Vorteile: Man kennt sich aus und weiß, was zu tun ist. Wir wollten noch viel mehr aus dieser irren, explodierenden Epoche zeigen. Zunächst bekommen unsere Helden endlich ihre eigenen, privaten Orte. Darüber lernen wir Kommissar Rath und Charlotte natürlich nochmal viel besser kennen. Zum anderen gewinnen wir auch Einblicke in neue Arbeitswelten, die Dreharbeiten in expressionistischer Kulisse und die Hochfinanz auf ihrem Siedepunkt. Aber ich möchte nicht zu viel verraten ...

Gab es besondere Herausforderungen?

Ach, die Umsetzung einer solch komplexen Serie wird ja nicht automatisch einfacher, nur weil man es schon mal gemacht hat! Wir hatten zum Beispiel wieder sehr, sehr viele Drehorte. Das Polizeipräsidium musste identisch wiederhergestellt werden und es gab hier neue Abteilungen, die gezeigt werden wollten. Daneben haben uns die neuen Themen auf Trab gehalten. In die Filmgeschichte zu steigen und sie ernsthaft wieder auferstehen zu lassen, ohne albern oder kitschig zu werden, war mir besonders wichtig. Da musste die Handlung mit dem Bühnenbild parallel noch mit erfunden und entwickelt werden. Es war wieder alles sehr aufwendig.

Kommt die Stadt Berlin als Kulisse wieder im selben Umfang vor?

Die Stadt ist bei uns immer mehr als Kulisse. Sie ist die ganze Welt, ein Moloch, der gefüttert werden muss, Bühne, Abgrund und Perspektive seiner Protagonisten. Hier konnten wir aber tatsächlich die Saat der ersten beiden Staffeln ernten. Die Neue Berliner Straße in Babelsberg ist ja eine feste Außenkulisse, die entsprechend immer noch da stand bzw. noch steht. Hier war es so, als ob man einen schlafenden Riesen weckt, der sich dann mühsam wieder aufrappelt und erst langsam wieder lebendig wird. Eine so große Kulisse ist ein mysteriöser Apparat. Ganz lange bleibt es ein riesiger Haufen totes Material. Dann auf einmal, wenn alles da ist, die Schaufenster dekoriert, Lampen brennen, Autos hupen und Menschen im Kostüm geschäftig auf und ab laufen – auf einmal atmet der Ort und wird zur lebendigen Stadt. Ein Berlin vor knapp hundert Jahren, das es schon lange nicht mehr gibt. Unser "Babylon Berlin" ...

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