Gespräch mit Aljoscha Stadelmann

"Mir fällt es durch meinen Beruf recht leicht zu akzeptieren, dass der Mensch kein logisches Wesen ist"

Aljoscha Stadelmann in seiner Rolle als Frank Holdt
Aljoscha Stadelmann in seiner Rolle als Frank Holdt

Ihre Darstellung der männlichen Hauptfigur Frank Holdt ist ein emotionaler Parforceritt – ist das eine jener Filmrollen, die sich jeder Schauspieler ersehnt?

Ja, auf jeden Fall. So eine Rolle ist ein großes Geschenk!

Wie haben Sie sich die vielschichtige Figur erschlossen, gerade entlang ihrer hauchdünnen Grenze zwischen Schuld und Unschuld, Liebe und Hass?

Wenn man sich Trennungen ansieht, fällt einem zwangsläufig auf, dass aus Liebe erschreckend oft Hass wird. Die Gegensätze liegen, glaube ich, immer nah beisammen und sind in einem andauernden Ringen um die Übermacht. Es braucht große Anstrengungen, sich nicht andauernd hin und her reißen zu lassen, im Privaten jetzt. Beruflich sind es jedoch gerade die Gegensätze, mit denen man sich permanent auseinander setzt: "nicht/sondern" ist eine der Grundlagen des Schauspiels. Mir fällt es durch meinen Beruf recht leicht zu akzeptieren, dass der Mensch kein logisches Wesen, also ein Wesen ohne Widersprüche, ist. Die Frage ist nur, wie sehr ist sich die Figur ihrer eigenen Widersprüchlichkeit bewusst? Meine Arbeit als Schauspieler ist, nicht zu bewerten, sondern diese Gegensätzlichkeit abzubilden, sie sichtbar zu machen.

Woher rührt Holdts fatales Dilemma, dass ihm Zuneigung und Gewalt zwei Seiten derselben Medaille sind?

Frank Holdt ist ein Mensch, der keinen wirklichen Zugang zu seiner Gefühlswelt hat, darum ist er seinen Gefühlen auch so gnadenlos ausgesetzt.

Warum tut Familie immer so weh und so selten gut?

Ich denke, dass Familie gleichermaßen weh UND gut tut! Sie ist einem fast so nah, wie man sich selbst ist … manchmal sogar näher.

Wie haben sie, der erfahrene Theater- und Filmschauspieler, und die Regisseurin Anne Zohra Berrached, Newcomerin auf ungewohnten Krimipfaden, in der gemeinsamen Arbeit zusammengefunden?

Keine Ahnung. Es war ganz leicht und sonderbar vertraut. Eine wirklich tolle Zusammenarbeit! Vielleicht auch so ein Glücksfall.

Der Film läuft in aller Konsequenz auf einen kammerspielhaften Showdown zwischen Holdt und Charlotte Lindholm hinaus. Wie haben sie den Dreh dieser Szene erlebt? Wie gelang beiderseits die große Intensität im Spiel?

Wir hatten das große und seltene Glück, dass wir, mit Einschränkungen, einigermaßen chronologisch drehen konnten. Unsere letzte gemeinsame Szene im Film war tatsächlich auch meine letzte Szene beim Dreh! Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich hatte alles, was ich brauchte, um die Szene zu spielen, quasi (also beim Drehen) schon erlebt und musste nur noch die Situation annehmen.

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