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China: Das verordnete Skiparadies

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China: Das verordnete Skiparadies | Bild: Thinkstock

In drei Jahren wird China die Olympischen Winterspiele ausrichten – noch eine internationale Großveranstaltung, die das Selbstverständnis des Landes als Weltmacht dokumentieren soll. Derzeit wird drei Stunden entfernt von Peking ein Skigebiet gebaut, damit die Spiele auch stattfinden können. "Thaiwoo" heißt die Region, übersetzt bedeutet das "Tanz unter der Sonne". Sie liegt drei Autostunden von Peking entfernt.

Skigebiete für die Elite Chinas

Liu Yanbo
Liu Yanbo lernt Snowboarden. | Bild: NDR

Aufwärmen – für den kleinen Liu Yanbo beginnt der Tag. Unterricht, Snowboard, erst gestern hat er angefangen. Yanbo ist Chinas Ski-Zukunft, einer der bis zu 300 Millionen neuen Wintersportler, die das Land in den kommenden Jahren haben will, haben muss, so der Plan der Kommunistischen Partei.  "Mama hat gesagt, ich kann fliegen mit meinem Snowboard", erzählt der Junge. Die Mama, beobachtet und zahlt: Zwei Unterrichtsstunden kosten sie umgerechnet 120 Euro. Die Mittelstandsfamilie will es sich leisten und kann es sich auch leisten: "Wenn mein Sohn hier zur Skischule geht, kann er damit soziale Kontakte bekommen. Außerdem ist es cool zu snowboarden und gut für die Gesundheit", sagt Mutter Liu Chang. Herr Chen, der Geschäftsführer, hört das gern. Mit seinem Skigebiet zielt er auf die sogenannte neue Elite Chinas: Leute bis Mitte 50, mit Geld und Zeit, von denen es immer mehr gibt und die bereit sind, die 100 Euro pro Tag für Liftkarte und Leih-Ski auszugeben.

Thaiwoo will nicht nur Chinas Nummer Eins werden, sondern auch Nummer Eins der Welt. Wenn alles fertig ist, wird es 200 Pisten und 45 Lifte geben. Knapp drei Milliarden Euro werden investiert sein für allein hier zwei Millionen Skifahrer pro Jahr. Die Abfahrt ist auf Kunstschnee, anders würde es nicht gehen. In dieser Region schneit es fast nie. "Wir haben 138 Schneekanonen und weil die Luft ist sehr trocken ist, kann man damit guten Schnee machen. Wir können das Skigebiet auch bereits Ende Oktober, Anfang November öffnen, früher als woanders in China" sagt Phil Chen, Direktor des Skigebiets.

Olympische Winterspiele sorgen für Wachstum

Skigebiet in China
800 Skigebiete soll es nach dem Willen der Kommunistischen Partei am Ende in ganz China geben. | Bild: NDR

Mit Tempo 300 im Hochgeschwindigkeitszug kommt man bald in einer Dreiviertelstunde von Peking hierher. Gebaut werden überall Eigentumswohnungen – direkt neben den Pisten. Chinas Millionen neue Wintersportler müssen irgendwo unterkommen. Immer mehr, immer größer - vom Boom profitiert auch Berater Justin Downes. In seinem Büro zeigt er uns den Plan für ein Skigebiet nahe Peking. Eines von vielen Projekten für chinesische Auftraggeber. "Skifahren ist immer größer geworden, seit ich 2006 nach China kam. Das war ein unterentwickelter Wirtschaftszweig. Mit der Olympia-Ankündigung ging es steil nach oben mit der Zahl der Leute, die anfingen Ski zu fahren, und dabeiblieben, was das Wichtigste ist", sagt Downes.

Chinas Ski-Zukunft – Berater Downes plant sie. 800 Skigebiete soll es nach dem Willen der Kommunistischen Partei am Ende in ganz China geben. Das heißt: viele Baustellen und viel Bau-Land wird benötigt. Für das Skigebiet wurde ein Dorf angerissen und die Einwohner umgesiedelt. "Es gibt Wachstumsprobleme. Viel Geld fließt, Infrastruktur wird gebaut von der Regierung und Investoren, aber der Markt und die Industrie sind noch nicht so weit, können nicht Schritt halten. Das Wachstum ist nicht organisch", erklärt Downes.

Staats- und Parteichef Xi Jinping inspiziert im vergangenen Jahr die Skigebiete. China soll eine große Wintersport-Nation werden, so sein Ziel. Und bei Olympia 2022 in China müssen dann mehr Medaillen her als nur neun Stück, wie beim letzten Mal im koreanischen Pyeongchang. "Wir sind auf diesem Gebiet nicht sehr weit. Jetzt wo wir die Chance haben, die Winterspiele zu organisieren, sollten wir uns wirklich hineinstürzen. Es wird an Euch junger Generation liegen, das zu schaffen."

Skifahren wie die Österreicher

Phil Chen
Phil Chen, Direktor des Skigebiets Thaiwoo, hat 138 Schneekanonen im Einsatz. | Bild: NDR

Frühstück für einen langen Tag auf Skiern. Ei, Reissuppe, Gemüse. Herr Tan und seine Frau Wang sind Skilehrer. Heute ist für Tan ein besonderer Tag. Eine besondere Weiterbildung steht auf dem Programm, sein Arbeitgeber hat zwei Österreicher engagiert, die ihm und seinen Skilehrer-Kollegen letzten Schliff verpassen sollen. "Fahren können wie die Österreicher, das heißt eine tolle Körperhaltung haben. Ich will diese Haltung üben, um deren Standard zu erreichen und meinen Schülern dann diesen besonderen Stil weitergeben", sagt Skilehrer Tan Cheng Wen.

Chinas ältestes Skigebiet Yabuli an der Grenze zu Russland. Kursbeginn. Einweisung durch die Österreicher. Skilehrer Tan hört ganz besonders aufmerksam zu. Zehn Tage dauert der Kurs – die österreichischen Skilehrer sehen hier, aber auch in ganz China viele Chancen für den Wintersport. "Sie haben eine Menge Leute, dementsprechend haben sie viele Talente, aber es ist schwierig zu sagen, was sie draus machen, ob sie dieses Potential, das durchaus vorhanden ist, nützen und vor allem nachhaltig auch nach den Olympischen Spielen weiternützen", meint Skilehrer-Trainer Wolfgang Heinzl.

Tan Cheng Wen wird die Prüfung am Ende wohl schaffen. "Skilehrer-Anwärter" darf der Chinese sich dann nennen. Dann Aufbruch. Abfahrt. Chinas Ski-Zukunft wartet.

Autor: Michael Storfner, ARD Studio Peking

Stand: 28.01.2019 15:16 Uhr

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