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Ukraine: Aus dem Alltag in den Krieg

PlayZwei ukrainische Soldaten kontrollieren ihre Waffen
Ukraine: Aus dem Alltag in den Krieg | Bild: Daniel Hechler / BR

Messerwurf ist nicht gerade seine Stärke, aber Sokil übt unermüdlich – für den 20-Jährigen eine völlig neue Disziplin, eine von vielen. Alexy Vidumenko führt den 20-Jährigen mit viel Geduld in verschiedene Waffengattungen ein. Am Anfang lief es noch recht holprig. Mittlerweile fühlt sich der junge Kämpfer schon etwas sicherer. Ängste bleiben: "Natürlich habe ich Angst, aber wir lernen, sie zu überwinden. Ich habe keine Kampferfahrung. Für mich sind diese Explosionen, diese Schüsse natürlich erst einmal beängstigend, aber trotz der Angst müssen wir unsere Pflicht tun."

Aus Freiwilligen eine Truppe machen

Als Ende Februar die ersten Bomben fielen, übernahm Alexey eine kaum lösbare Aufgabe: Aus Freiwilligen ohne jede Kampferfahrung im Schnelldurchgang eine wehrhafte Truppe schmieden: "Am Anfang war es echt schwierig. Der Krieg hatte bereits begonnen und wir konnten die Menschen darauf nicht monatelang vorbereiten. Wir wurden angegriffen, bombardiert und es gab bereits Straßenkämpfe. So unterschiedlich jeder hier ist, für viele war es das erste Mal, dass sie eine Waffe in der Hand hielten."

Mittlerweile sind die russischen Streitkräfte abgezogen und die bunt zusammengewürfelte Truppe ist schon ganz gut eingespielt. Es sind 28 Zivilisten aus dem Raum Kiew, vor dem Krieg LKW-Fahrer, IT-Spezialisten, Postbeamte zwischen 20 und 64 Jahren, jetzt Kämpfer der zivilen Verteidigung. 130.000 Ukrainer haben sich seit Kriegsbeginn zu solchen Kampfverbänden zusammengeschlossen. Hier im Camp wollen sie gewappnet sein für eine zweite Angriffswelle auf die Hauptstadt, sagt ihr Kommandeur, wenn sie denn kommt.

Schützengräben als neues Zuhause

Sokils neues Zuhause sind Schützengräben, von Baggern der Armee ausgehoben, ein weitverzweigtes Netz. Im Notfall führt ein Weg zum Sanitäter der Truppe in seinem Feldlazarett, ein enger, stickiger Unterstand. Hier hält er ein paar Medikamente, Atemmasken und Pulsmesser vor. Das reicht für Routineuntersuchungen und kleinere Wehwehchen. Schwere Kriegsverletzungen aber kann er nicht behandeln. Bleibt nur die Hoffnung, dass sie davon verschont werden.
Nach einem langen Tag findet Sokil in einem gut getarnten Bretterverschlag unter der Erde ein wenig Ruhe. Hier schlafen sie zu fünft auf dünnen Matratzen. Immerhin gibt es Strom, eine Lampe, sogar einen Fernseher. Die Nächte allerdings sind kurz.

Sie mögen kaum erfahren sein, motiviert und mutig aber sind sie allemal. Ob sie ihre Heimat tatsächlich mit Waffen verteidigen müssen und können, weiß keiner von ihnen so genau. Entschlossen dazu sind sie.

Autor: Daniel Hechler, ARD Kairo

Stand: 12.06.2022 19:55 Uhr

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