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Kenia: Die Angst kehrt zurück

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Kenia: Die Angst kehrt zurück | Bild: WDR

Idyllische Strände. Sonne. Palmen. Das ist Kenia. Urlaubsland – auch für viele Deutsche. Jetzt wächst die Unsicherheit. Eine Anschlagsserie erschüttert das Land.

Bisher war kein Touristenort von den Angriffen betroffen. Und trotzdem: Kenias Küste ist leer.

Die somalische Terror Miliz Al Shabaab
Die somalische Terror Miliz Al Shabaab

Und diese Leere liegt nicht an der Nebensaison. Harald Kampa ist Hotelmanager – seit 25 Jahren. Höhen und Tiefen gab es schon immer, sagt er. Aber selten so wie jetzt.

»Harald Kampa, Hotelmanager Diani Sea Resort:
"Es ist wunderbar hier. Die Sonne, der traumhafte Sandstrand. Wie im Paradies. Aber ein Paradies ohne Gäste."«

Vor allem seitdem mehrere westliche Länder ihre Reisehinweise verschärft haben, bleiben die Touristen fern. Harald Kampas Hotel ist fast leer. Andere an der Küste mussten schon zu machen. Und die Aussichten sind nicht gut.

Ein Paradies ohne Gäste
Ein Paradies ohne Gäste

»Harald Kampa, Hotelmanager Diani Sea Resort:
Normalerweise um diese Zeit bekommen wir viele neue Buchungen für die Ferienzeit in Deutschland. Und das läuft im Moment sehr sehr langsam.«

„Wie erklären sie sich das?“ „Die Leute lesen in der Presse und sehen im Fernsehen und insgesamt das Image von Kenia als Feriendestination ist nicht besonders gut im Moment.“

Das Schlimmste für ihn wäre, sagt Harald Kampa, wenn er seine Angestallten entlassen müsste. Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen in Kenia. Um 30 Prozent ist er in diesem Jahr schon eingebrochen. Eine Katastrophe für das Land, wenn es so weiter geht.

Idyllische Strände in Kenia
Idyllische Strände in Kenia

Es sind wohl Bilder wie diese, die abschrecken. Wir sind in Mpeketoni. Die Kleinstadt liegt abseits der Touristenziele. Vor einer Woche hat es hier einen der blutigsten Anschläge in Kenia gegeben.

Das, was in Schutt und Asche liegt, war mal die kleine Bar „Costa Rica“. Jeremiah Mutua hat sich gerade gemeinsam mit seinem Freund Kamau ein Fußballspiel angeschaut, als plötzlich Schüsse fallen. Kurz darauf tauchen die ersten Angreifer auf. Und richten die Männer regelrecht hin. Jeremiah kann sich verstecken, hat aber alles mit ansehen müssen.

»Jeremiah Mutua:
„Die haben meinen Freund gefragt, ob er Muslim ist. Er hat ja gesagt. Da haben sie gesagt, er solle beten. Auf arabisch. Als er das nicht konnte, haben sie ihm in den Kopf geschossen.“«

Fünf Stunden dauert das Gemetzel. Keiner kommt Jeremiah und den Bewohnern zu Hilfe. Keine Polizei – niemand. Schlimmer noch: in der nächsten Nacht wird ein Nachbardorf angegriffen. Wieder sterben Menschen. Wieder keine Sicherheitskräfte.

Dabei ist bekannt: die Lage in diesem Teil Kenias ist unsicher – die Grenze zu Somalia nur 100 km entfernt. Die somalische Terror-Miliz Al Shabaab bekennt sich dann auch zu den Anschlägen. Und lässt die Regierung Kenias erbärmlich aussehen.

Die somalische Terror Miliz Al Shabaab
Die somalische Terror Miliz Al Shabaab

Und dann? Der Präsident erklärt in einer Fernsehansprache: er habe Beweise, hinter der Tat würden andere Kräfte stehen.

»Uhuru Kenyatta:
„Es war kein Anschlag der Al Shabaab.“, behauptet er.«

Er beschuldigt die Opposition, ethnische Rivalitäten zu schüren und dafür kriminelle Banden zu mobilisieren. Auch das könnte man hinter den Ausschlägen vermuten.

Nur warum bekennt sich dann Al Shabaab zu der Tat? Will der Präsident die Verantwortung von sich schieben? Fragen, die die kenianische Öffentlichkeit seit Tagen umtreiben. Andrew Franklin ist Amerikaner, lebt seit über 30 Jahren in Kenia, und ist zur Zeit ein gefragter Sicherheitsexperte.

»Andrew Franklin, Sicherheitsexperte:
„Ich bin überzeugt, dass es Al Shabab war. Die Organisation, die Anzahl an Waffen, alles spricht dafür. Außerdem haben sie sich noch nie zu etwas bekannt, das sie nicht begangen haben. Aber für die Regierung ist es politisch nützlich, die Tat auf die Opposition zu schieben – anstatt wahrzunehmen, dass sie ein ernstes Sicherheits-Problem hat.«

Wer auch immer hinter der Tat steht: lokale Strippenzieher, Al Shabaab oder ein Zusammenschluss von Gruppen – die Folgen sind dramatisch. Hier in Mpeketoni vertraut sich keiner mehr, sagt Jeremiah. Alle Ethnien verdächtigen sich jetzt gegenseitig. Und alle beschuldigen einfache Somalier, die hier seit Jahrzehnten leben.

»Jeremiah Mutua:
„Die sagen: Gelobt sei Gott! Und gleichzeitig schlachten sie unsere Brüder ab wie Tiere, wie Ziegen. Nein, denen vertrauen wir nicht.“«

Da hilft es auch nicht, dass die Stadt mittlerweile voller Sicherheitskräfte ist. In Kenia ist ein gefährliches Feuer entfacht. Und die Regierung scheint dagegen keine Mittel zu haben.

Autorin: Shafagh Laghai, ARD Nairobi

Stand: 05.01.2015 09:29 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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