SENDETERMIN So., 17.03.24 | 23:35 Uhr | Das Erste

Druckfrisch-Musiker des Monats: Kettcar

PlayDruckfrisch März Kettcar
Druckfrisch-Musiker des Monats: Kettcar | Video verfügbar bis 17.03.2029 | Bild: ARD

"druckfrisch"-Musiker des Monats März sind die eigentlich zutiefst hanseatischen Jungs von Kettcar, deren neueste Veröffentlichung allerdings "München" heißt. Ein musikalisches Brett aus der Stadt der Landungsbrücken, das leider nicht die Schönheiten des Alpenvorraums besingt, sondern von den schlimmsten deutschen Entwicklungen: Alltagsrassismus, Diskriminierung … Dass eine Zeile wie "und das Riesenrad dreht sich" sich trotzdem beim ersten Hören tief im Hirn so festsetzt, dass man sie sofort singen und immer wieder neu hören will, verstört einen dann sofort. Toll. Eine Ehre auch, dass Kettcar wirklich bei uns angefragt haben, ob sie das Lied nicht in "druckfrisch" zuerst und exklusiv für uns performen könnten. Es geschah dann natürlich in der "Alten Lady München" (aber nicht in Harlaching): Sehr gerne!

Begonnen hatte die Sendung mit einem Verstoß gegen unseren eigenen Ehrenkodex. Eigentlich sind wir stolz darauf, dass in der einundwanzigjährigen Geschichte unserer Sendung so gut wie nie ein Lied zweimal gespielt wurde (mal abgesehen von der Zeit, bevor wir unseren Titelsong abgeschafft haben). Der Song "Never Collaps, Allways Dazzle!" (mit Ausrufezeichen) der Karlsruhe Surf Noir Jazz Elektro Noise Band wurde allerdings wirklich schon einmal vor 13 Jahren beim Erscheinen von uns gespielt. Wir feierten damals: "jenes weltweit führende Trio für die aurale Erforschung der psychedelischen Vernetzung von Jazz und elektronischer Musik, mithin von Freiheit und Sound. Mit Teufelskamin ist gerade ihr neues, neuntes Album erschienen, auf dem mit so komischen Instrumenten wie Harmonium und Brummeisen eine berückende Weltmusik, die die Band selbst auch gern als "Surf Noir" bezeichnet, entsteht. Dieses Wort weist darauf hin, das erstmals auch etwas so einfaches wie eine elektrische Gitarre im Mittelpunkt der Klanglandschaften des Kollektiefs stehen kann.“ Die Band produziert fleißig weiter. Inzwischen sind fünf weitere Platten erschienen. Zuletzt "Schemen". Auch ziemlich gut!

Damit zum Ausrufezeichen an sich und der Musik dafür. Sie stammt von dem von uns ebenfalls schon immer verehrten M. Rux, einem Berliner Slow-Dub-Frickler, den wir schon öfters mal in die Sendung eingeladen haben, aber bisher hat es mit dem Live-Auftritt noch nicht geklappt. Trotzdem müssen wir natürlich jede neue Platte von ihm spielen. Die gerade erschienene, seine zweite, heißt "Recorder" und wurde dem neuen Gattungsbegriff "Schneckno" belegt. Marten Rux spricht lieber nicht vom Bummeltechno, sondern von "Electronic cut-up Blues" oder "Slow Motion Psychedelic Downbeat", was aber alles ziemlich egal ist: es ist einfach: geil!

Die beiden letzten Lieder der Sendung muss man thematisch eigentlich zusammen betrachten. Die Country Hymne "Live Forever" von Billy Joe Shaver haben wir (so wie ihn selbst) leider, leider erst nach seinem Tod 2020 entdeckt, als einige der vielen Musiker, die er beeinflusst, oder die seine Songs gesungen haben (Johnny Cash, Elvis Presley, Bob Dylan und vor allem Waylon Jennings), eine Tribute-Platte für ihn aufnahmen. Und jedes Mal, wenn wir jetzt dieses herzzerreißenden Song von Billy Joe über die Unsterblichkeit hören, denken wir daran, dass er jetzt leider tot ist, aber die Musik ja weiterlebt, was ihm aber auch nichts mehr hilft: Was für schöne Musik!

Damit zum Abspannsong, dessen Auswahl ja immer etwas Prinzipielles hat. Das Lied, das uns hinaus in die Nacht und das öffentlich-rechtliche Restprogramm geleitet, gibt es gar nicht so richtig. Es heißt "As If Nothing Ever Happened" und handelt von der Frage, was es im Zeitalter von künstlicher Intelligenz bedeutet, dass John Lennon ebenfalls schon gestorben ist. Es bedeutet: Nichts! Denn das Lied, das uns ein gewisser "Pau Martinez" geschenkt hat (einen Menschen solchen Namens kennt das Internet sonst nur als Trial-Motorrradfahrer), wurde von diesem natürlich unter Zuhilfenahme künstlicher "Intelligenz" (in diesem Fall der Gesangsstimmen der Fab Four) verfertigt. Eine Maschine singt wie der tote John Lennon, seine neue "Band" nennt sich im Netz "AI Beatles“" und seien wir ehrlich: Es klingt, als ob nie etwas passiert wäre. Live Forever. Ausrufezeichen!

Andy Ammer

TitelInterpret
Never Collapse, Always Dazzle!Kammerflimmer Kollektiv
BecauseM. Rux
MünchenKettcar
Live ForeverBilly Joe Shaver
As If Nothing Ever HappenedThe AI Beatles

Stand: 17.03.2024 16:01 Uhr

27 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt über das Kontaktformular an die ARD-Zuschauerredaktion: https://hilfe.ard.de/kontakt/. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.