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Wie gut war das Schuhwerk unserer Vorfahren?

PlayRömische Militärsandalen stehen auf Waldboden
Wie gut war das Schuhwerk unserer Vorfahren? | Video verfügbar bis 24.08.2024 | Bild: BR
Nahaufnahme von Ötzis Bergstiefeln der Kupferzeit
Ötzis Bergstiefel war hochgebirgsfähig.

Schnee und Eis, heißer Sand oder scharfkantiger Untergrund: Unsere Vorfahren kannten die Nachteile des Barfußgehens. Die Lösung: die Erfindung des Schuhs. Die ersten Modelle waren vermutlich sehr einfach: ein Ledersack mit einer Kordel – fertig. Oder – für heiße Gefilde – ein Palmblatt mit einer Schnur.
Untersuchungen von steinzeitlichen Fuß- und Beinskeletten legen nahe, dass der Mensch schon vor 40.000 Jahren Schuhe getragen hat. Aber es war ein langer Weg vom Fußsack zu den heute so beliebten Sneakers. [W] wie Wissen hat zusammen mit dem Schuhkompetenzzentrum ISC in Pirmasens zwei berühmte historische Modelle auf ihre Alltagstauglichkeit getestet.

Der Kupferzeit-Bergschuh

Nachbau eines kupferzeitlichen Schuhs aus Grasschnüren
Ötzis Innenschuh bestand aus einem Knotengeflecht. | Bild: BR

Vor 5300 Jahren überquerte "Ötzi" die Alpen – in Bergschuhen. Das kupferzeitliche Modell war hochgebirgsfähig. Die Sohle war aus wärmendem Bärenfell, der Schaft aus Hirschleder. Der Innenschuh bestand aus einem Geflecht aus Grasschnüren, ausgestopft mit Heu als Isolationsschicht. Schuhdesignerin Sabina Krebs vom Schuhkompetenzzentrum ISC hat zusammen mit dem Auszubildenden Steven Schütz den Ötzi-Schuh nachgebaut – und auf einer Wanderung im Pfälzer Wald getestet.

Caligae – die römischen Militärsandalen

Römische Militärsandalen stehen auf Waldboden
In Caligae eroberten die Römer ihr Weltreich. | Bild: BR

Die ISC-Experten haben auch ein zweites geschichtsträchtiges Modell rekonstruiert: Caligae, die römischen Soldatensandalen. In der Antike war die Sandale das Schuhwerk Nummer 1. Die Römer eroberten in den Militärsandalen ihr Weltreich. Die Sohle bestand aus mehreren dünnen Lederschichten, das Riemen-Oberleder war aus einem einzigen, sorgfältig ausgeschnittenen Stück Leder mit Löchern für ein Lederband, das den Schuh zusammenhielt. Die Sandalen wurden dem linken und rechten Fuß angepasst, hatten ein Nagelprofil und boten so Halt im Gelände. Die Soldatensandale wurde in Serie hergestellt – sie war eines der ersten Schuh-Massenprodukte der Geschichte. Marschiert wurde damit allerdings neben der Römerstraße – denn auf Pflaster waren diese Schuhe sehr unfallträchtg.

Schmerzhafter Praxistest

Die Unterseite von Caligae, römischen Militärsandalen
Auf Dauer ist die Wanderung mit historischen Schuhmodellen sehr schmerzhaft. | Bild: BR

Die ISC-Schuhexperten haben die historischen Modelle auf einer vierstündigen Wanderung im Pfälzer Wald getestet. Anfangs waren die Probanden Steven und Alessandro noch vom Tragekomfort begeistert. Doch nach 4 Stunden Wanderung stand fest: Die historischen Schuhe erfüllen nicht die Erwartungen an einen heutigen Alltagsschuh. Bei Alessandros Militärsandalen hatten sich die Stahlnägel in das Fußbett durchgedrückt, Steven spürte mit seinen Ötzi-Schuhen jedes Steinchen und Stöckchen. Der Test – eine interessante, aber auch schmerzhafte Erfahrung. Und auf jeden Fall eine einmalige, die tiefen Respekt für unsere Vorfahren hinterließ, die mit im Verhältnis zu heute so schlechtem Schuhwerk Tag für Tag wandern oder marschieren mussten.

Autor: Andreas Kegel (BR)

Stand: 24.08.2019 11:36 Uhr

Sendetermin

Sa, 24.08.19 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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