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Dem Schweiß auf der Spur

Schweißfleck
Wenn es riecht, ist es meist schon zu spät | Bild: BR

Endlich ist er da, der große Tag: Meeting beim Chef, große Präsentation. Der Anzug sitzt perfekt, doch dann das: Es müffelt unter der Achsel. Ob Angst- oder nur Achselschweiß ist egal, das passt jetzt gar nicht in den Kram.

Wissenschaftler vom Textilforschungsinstitut in Hohenstein bei Heilbronn suchen nach Abhilfe. Zusammen mit der Industrie arbeiten sie an Geweben, die den Schweißgeruch binden sollen. Das Problem ist, dass es bislang keine standardisierte Geruchsdiagnose gibt. "Wir mussten daher selber Profinasen ausbilden, aber solche, die dem Durchschnitt der Bevölkerung entsprachen. Also keine, denen Schweiß gar nichts ausmacht und auch keine, die schon beim kleinsten Düftchen reagieren," beschreibt Prof. Dirk Höfer die Herausforderung.

Supernasen im Trainingscamp

Ein Mann riecht an einer Schweißprobe
Supernase im Einsatz | Bild: BR

In monatelanger Arbeit wurden sowohl Mitarbeiter aus dem Institut, als auch Normalbürger im Riechen geschult. Sie mussten einen chemischen Stoff, N-Butanol, in verschiedenen Dosierungen erschnüffeln und jedes Mal einen Knopf drücken, sobald sie etwas rochen. "Angenehm war das nicht, das roch so nach Vergorenem," sagt Timo Hammer, ein Institutsmitarbeiter. "Aber für die Wissenschaft und neue Erkenntnisse mache ich das gerne. Es ist auch mal eine nette Abwechslung zum sonstigen Arbeitsalltag."

Für die "Schnüffler" wurde ein extra Raum eingerichtet, ausgestattet mit einer Klimaanlage, die alle sonstigen Gerüche fern halten soll. Das Zimmer ist nur spärlich eingerichtet. Während der Geruchstests, die pro Durchgang etwa drei bis vier Minuten dauern, werden die Fenster zusätzlich mit Rollos abgedunkelt. Es soll nichts ablenken. "Natürlich dürfen wir am Abend vor einem Test zum Beispiel keinen Knoblauch essen, weil der sofort die Messung verfälscht," berichtet Timo Hammer. "Und auch vor dem Test darf kein Kaffee getrunken werden, weil auch der den Geruchssinn beeinflusst.

Silberionen als Geruchshemmer in Textilien

Silberionen legen Bakterien lahm, die den Schweißgeruch erzeugen
Silberionen legen Bakterien lahm, die den Schweißgeruch erzeugen | Bild: BR

Die Schnupperexperten werden momentan vor allem dann eingesetzt, wenn es um Textilien geht, die mit Silber lästigen Schweißgeruch binden sollen. Eine Möglichkeit: Im Garn des Stoffes ist Silber hineingearbeitet. Sobald Schweiß austritt, werden Bakterien aktiv. Sie wollen die Proteine wie etwa das Testosteron "knacken". Bei diesem Zerfallsprozess entsteht erst der unangenehme Geruch. Positiv geladene Silberionen docken an die Bakterien an und dringen in sie ein. Den negativ geladenen Bakterien fehlt somit die Energie, um weiterarbeiten zu können.

Umweltmediziner warnen vor ungehemmtem Einsatz

Bakterien unter dem Mikroskop
Bakterien könnten Resistenzen gegen Silberionen bilden | Bild: BR

Immer öfter kommen solche Silbermaterialien im Alltag zum Einsatz, um Schweißgeruch zu binden. Das sehen Experten mit Sorge. Am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Uniklinik Freiburg, warnt Armin Schuster etwa vor dem massenhaften Einsatz. Denn die Bakterien könnten eines Tages Resistenzen bilden gegen das Silber. "Das wäre fatal angesichts der Tatsache, dass wir das Silber in der Krankenhaushygiene absolut notwendig brauchen. Eine Verwendung in Alltagsbekleidung lehne ich daher ab." Ebenso sieht es das Bundesamt für Risikobewertung. Denn es fehlen schlicht und einfach Studien, um beurteilen zu können, ob die Produkte harmlos oder gefährlich sind.

Und noch etwas: Nach 60 bis 70 Wäschen ist der Silbereffekt sowieso heraus gewaschen. Und dann muss ein solches Textil genau so oft in die Maschine wie ein herkömmliches Produkt.

Stand: 16.07.2015 13:45 Uhr

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