SENDETERMIN Sa., 19.07.25 | 23:35 Uhr | Das Erste

Alexander Höner: Money, Money, Money

gesprochen von Alexander Höner (evangelisch)

Alexander Höner: Money, Money, Money | Video verfügbar bis 19.07.2026 | Bild: ARD

Money, Money, Money

Ich grüße Sie an diesem späten Abend.

18. Geburtstag, Abitur, Zeugnisausgabe. Was für aufregende und anstrengende Wochen! Meine große Tochter hat Abitur gemacht. Und wie habe ich mit ihr mitgefiebert, mitgelitten und für sie gebetet. Dass sie da gut durchkommt, keinen Blackout hat, die richtigen Themen drankommen. So ging’s vielen Familien. Und vor einer Woche nun sitzen wir unter dem großen runden Kristallleuchter des Admiralspalastes in Berlin an einem festlich gedeckten Tisch. Meine Tochter sieht glücklich aus. Jetzt wird gefeiert. Der lang ersehnte Abi-Ball.

Einer der Höhepunkte: Die Austeilung der Abi-Bücher und besonders die Steckbriefe der Abiturienten darin. Eine der Fragen: „Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?“

So ne typische Bewerbungsfrage. Ich find‘ die blöd. Immer schon. Zehn Jahre. Das ist ne halbe Ewigkeit. Wer kann denn so etwas schon überblicken? Früher hat man bei solchen Prognosen immer hinzugefügt: „So Gott will und wir leben.“

Was die heutigen Abiturienten sich wohl wünschen? Was ist in zehn Jahren? XXX Ich bin überrascht. Die meisten schreiben so etwas wie: Irgendwo am Strand und finanziell ausgesorgt. Hauptsache ich und Hauptsache reich. Die Shell-Jugendstudie sieht hier einen Trend: „Robuster Materialismus gewinnt bei der Generation Z als Wertorientierung an Bedeutung.“ Das heißt, dass neben einem hohen Lebensstandard auch Macht, Einfluss und Durchsetzungs-stärke angestrebt werden.

Ich schaue mich auf dem Abiball um. Und ich kann diese jungen Menschen auch verstehen. Täglich sehen sie auf Social Media das luxuriöse Leben von Influencern, die oft behaupten, es sei ganz leicht, diesen Luxus selbst zu erreichen. Und gleichzeitig die Großkrisen. Und die Sehnsucht nach Sicherheit. Wer viel Geld hat, rettet sich selbst, egal was kommt. Wer viel Geld hat, baut sich einen Reserve-Wassertank und einen Schutzbunker, hat ein geländetaugliches Auto für ne Flucht. Und was ist mit all den anderen? Tja, die hätten ja auch reich werden können. Bäm!

Viel Geld, Sicherheit und Rückzug – eine ganz menschliche Reaktion, wenn’s enger wird. Aber das kann doch nicht das Hauptziel, der einzige Trost sein, dass jetzt jede und jeder nur noch für sich selbst guckt!

Eine Abiturientin hat geschrieben: Millionärin werden und die Weltveränderung planen. Vielleicht will sie mit ihren Millionen ja die Welt gerechter und friedlicher machen. Bei meinen Gesprächen auf dem Abiball habe ich gemerkt: Trotz der coolen richy rich Sprüche sind da viele, die auch das große Ganze im Blick haben und nicht nur sich selbst. Jedenfalls bin ich nach der Feier optimistischer nach Hause gegangen.

Ihnen eine behütete Nacht und bis zum nächsten Mal – „so Gott will und wir leben.“

Sendetermin

Sa., 19.07.25 | 23:35 Uhr
Das Erste

Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
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