Interview mit Hannes Wegener

über seine Rolle Philipp von Brand zu Neidstein

Philipp von Brand zu Neidstein (Hannes Wegener)
Hannes Wegener spielt Philipp von Brand zu Neidstein | Bild: ARD Degeto / Martin Spelda

Wer ist Philipp von Brand zu Neidstein, wie würden Sie die Figur charakterisieren?

Phillip von Brand zu Neidstein ist ein Schöngeist. Als Erstgeborener in seiner Familie ist er direkter Erbe des Familienbesitzes und damit von Haus aus abgesichert. Im Gegensatz zu seinem Freund und Kontrahenten wächst er ohne den Druck auf, eine Offizierslaufbahn einschlagen zu müssen, um seinen „Marktwert“ innerhalb des Adels zu erhöhen. Archaische Männlichkeitsrituale sind ihm zuwider und das Leben im Militär ist anfangs eher ein Spiel. Später verlässt er die Armee und entzieht sich dem Kriegsdienst. Ein Wehrdienstverweigerer sozusagen. Ihn interessiert die Kunst, Philosophie, und Romantik. Dabei ist er sehr besonnen.

Warum fragt er Ottilie zu Beginn des Films nicht einfach, ob sie seine Frau werden will? Was hält ihn davon ab?

Dass er seinem Brief an Ottilie nicht umgehend Taten folgen lässt und sie um ihre Hand bittet, hat mit Anstand und Rücksicht zu tun. Die gesellschaftlichen Spielregeln waren auch in der Realität am Ende des 19. Jahrhunderts, als die Zeit schon anfing gegen den Adel zu ticken, gerade in diesen Kreisen um ein Vielfaches enger und strenger. Dass der freie Wille und das Herz die Entscheidung für den Partner fürs Leben leitet, war oft die Ausnahme. Fast unvorstellbar in heutiger Zeit, zumindest in meinen Kreisen. Das Konzept der sinnvollen Entscheidung trifft auf anspruchslose Liebe. Schön und erstaunlich, dass Ottilie und Philipp irgendwann doch noch zueinander finden und den „Krieg“ der Konvention, der sie danach umgibt, durchstehen.

Warum lässt Philipp in der Duellszene mit Alexander die Waffe sinken, nachdem er eigentlich schon gewonnen hat, und verzichtet somit auf die Liebe zu Ottilie?

Der Geste des Angriffs auf seine große Liebe durch seinen Freund Castell kann er in zweierlei Form begegnen. Entweder er erschießt ihn, um freie Bahn zu haben, oder er lässt den Dingen ihren Lauf. Ein Duell auszuschlagen war historisch gesehen relativ undenkbar. Den Freund am Leben zu lassen nicht. Die Fassungslosigkeit, dass ihn sein Freund in der Filmhandlung hintergeht, paralysiert ihn auch ein Stück weit. Die Tragweite der Entscheidung ist ihm nicht sofort bewusst.

Wie würden Sie die Beziehung zwischen den Figuren Ottilie, Alexander und Philipp beschreiben?

Die Konstellation zwischen Ottilie, Philipp und Alexander in unserer Geschichte ist gleichzeitig ein Spiegelbild für die damaligen Gepflogenheiten und Standesdünkel und die Befreiung vom Korsett, das alle drei lange an sich spüren und das sie zu ihren jeweiligen Handlungen treibt. Die geführte Geste die treibende Kraft. Bis sich der Kern wagt, sich zu zeigen. Eine Befreiungsgeschichte im Grunde.

Wie haben Sie die Zeitreise ins 19. Jahrhundert erlebt?

Die Reise ins 19. Jahrhundert, noch dazu in den Kontext des Adels, war enorm spannend und bereichernd für mich. Die schwindende abgekoppelte Lebenswelt der Privilegien am Vorabend des Ersten Weltkrieges als Hintergrund für unsere Figurenkonstellation war ein sehr interessanter Ausgangspunkt. Sich der Welt von damals sowohl von innen, also über die unterschiedlich ausgeprägten Verhaltensmuster in Adelskreisen, als auch von außen in Bezug auf Stil, Kostüm, und Ausstattung etc. anzunähern, war enorm beflügelnd für uns und hat den Dreh zu einer sehr besonderen Lebenszeit werden lassen.

Gibt es eine Situation während oder am Rande der Dreharbeiten, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Wie die wunderbare Kollegin Kristin Suckow, zu allem entschlossen, den Oldtimer mit dem Handhabungskomfort eines alten Lkw ohne Servolenkung mit mir als Beifahrer rasant über die Feldwege gen Abendsonne steuerte, war zum Beispiel großartig. Das stundenlange historische Tennistraining, was der Kollege Zirner mit mir auf dem Schlossrasen absolviert hat, der alles andere als Wimbledon-tauglich war, in Vorbereitung auf unser Tennismatch im Film, hat unserer seitdem währenden Freundschaft den Auftakt gegeben. Wir haben viel Zeit zu dritt verbracht und herrliche Erlebnisse dabei gehabt. Ich hoffe, dass sich die wunderbare Chemie, die dabei zwischen uns dreien entstand, auf den Film überträgt.

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