Jonas Nay im Interview

Der tüchtige Metzgermeister Fidelis Waldvogel (Jonas Nay) baut in Amerika eine neue Existenz auf.
Jonas Nay spielt Fidelis Waldvogel | Bild: ARD Degeto/SWR/Moovie//Constantin Film / Walter Wehner

Jonas Nay spielt Fidelis Waldvogel

Fidelis Waldvogel ist ein Metzgermeister aus Schwaben, singt im heimatlichen Metzgerchor, hat im Ersten Weltkrieg als Scharfschütze gekämpft, kommt als deutscher Auswanderer mit nichts als seinen Fleischermessern und einem Koffer voller Würste nach Amerika. In Argus, North Dakota, eröffnet er voller Stolz seine eigene Metzgerei, holt seine Familie zu sich und gründet mit den anderen deutschsprachigen Bewohnern der Stadt einen Männerchor. Fidelis ist mutig, zupackend, eine treue Seele und ein „Hans im Glück“ – doch auch die dunkle Seite des Lebens holt ihn immer wieder ein.

Interview mit Jonas Nay

Historischer Film, Familienepos, Auswanderdrama: Was ist „Der Club der singenden Metzger“ für Sie? Und was hat Sie an dem Projekt überzeugt?

Für mich ist das Projekt noch so viel mehr. Allein die Tatsache, wie lange ich an dem Film gearbeitet habe, macht einen so großen Unterschied zu allen anderen Produktionen aus, in denen ich zuvor mitwirken durfte. Das liegt wohl vor allem daran, dass nach Abschluss der Dreharbeiten für mich eine zweite sehr intensive Arbeitsphase für das Projekt begann: Mit meinem Kompositionspartner David Grabowski habe ich zwei Monate lang die Filmmusik zu dem 180-Minüter komponiert, eingespielt und gemischt und so auch jede Szene noch tausendfach geschaut. Den Auftrag für die Filmmusikkomposition habe ich aber erst nach Abschluss der Dreharbeiten erhalten. Bis dahin hat mich vor allem das Drehbuch von Doris Dörrie und Ruth Stadler überzeugt. Das war einfach umwerfend. Im Castingprozess hat sich dann die Zusammenarbeit mit Leonie Benesch, Aylin Tezel und Uli Edel so dermaßen gut angefühlt, dass ich die Rolle des Fidelis unbedingt spielen wollte und ich mir sicher war, dass dieses Projekt wirklich etwas ganz Besonderes wird.

Sie stammen aus Lübeck und können wahrscheinlich Plattdeutsch sprechen. Im Film schwäbeln Sie jedoch perfekt. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Und was hat das mit Ihnen gemacht, mit schwäbischem Dialekt zu spielen?

Plattdeutsch verstehe ich zwar, da meine Großeltern und Urgroßeltern mit mir platt geschnackt haben, aber sprechen wird für mich schon eher schwierig, allein eine erkennbar norddeutsche Einfärbung ist aber auf jeden Fall geblieben. Erst sollte ich aus diesem Grund auch gar nicht zum Casting eingeladen werden, aber nach einigem Flehen meinerseits, da ich das Drehbuch so toll fand, bekam ich dann doch die Chance, den badischen Regisseur und die schwäbische Casterin vor Ort zu überzeugen. Also habe ich mir bereits vor dem ersten Casting einen Sprachcoach in Hamburg gesucht. Gabriele Rossmanith ist Opernsängerin an der Hamburger Staatsoper, sie hat mich in der Vorbereitung anhand der Drehbuchtexte gecoached und mir zudem auch während des Produktionsprozesses digital zur Seite gestanden – für alle spontanen Änderungen, die sich noch so ergaben. So hat das ganz fabelhaft funktioniert – trotzdem: „Aus amma Bäsaschdiel kasch need guad a Flöd schnitza.“

Für Ihre Figur Fidelis ist die Musik das beste Mittel gegen Heimweh. Was bedeutet Heimat für Sie? Wonach haben Sie Heimweh?

Mir geht es da ähnlich wie Fidelis. Ich bin sehr heimatbezogen, das bezieht sich vor allem auf meine Familie und auf mein gesamtes soziales Umfeld, das ich mir über zwei Jahrzehnte in Lübeck und Hamburg aufgebaut habe. Dazu gehören meine Band Pudeldame, mein Handballverein, die Musikhochschule in Lübeck und noch einiges mehr. Heimweh habe ich aber auch nach vertrauten Straßenzügen, Klängen, Gerüchen. Wenn ich anderswo in Deutschland oder im Ausland drehe, nehme ich mir immer mein halbes Musikstudio mit. Ich sitze abends da und schreibe Songs für meine Band, komponiere Filmmusik oder tüdel‘ einfach nur vor mich hin, wie meine Oma sagen würde. Musik ist also auch für mich die beste Medizin gegen Heimweh.

Im Film scheinen Sie perfekt mit dem Metzgerwerkzeug umzugehen. Wie sind Sie zu dieser „Metzgerausbildung“ gekommen?

Über einen Travemünder Familienbetrieb. Dem habe ich in der Vorbereitung so einige Schweinehälften zerlegt. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal von ganzem Herzen bei Euch bedanken, ich hab’ unheimlich viel lernen dürfen!

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