Philipp Hochmair | Alexander Haller

Alexander Haller (Philipp Hochmair) hört dem ehemaligen Kommissar Klaus Bollinger (Martin Brambach, li.), der von den damaligen Ermittlungen berichtet.
Alexander Haller hört dem ehemaligen Kommissar Klaus Bollinger, der von den damaligen Ermittlungen berichtet. | Bild: ARD Degeto/Mona Film / Tivoli Film

Herr Hochmair, 2017 standen Sie das erste Mal für die besondere Krimireihe um das unkonventionelle Wiener Ermittlerduo vor der Kamera. Erzählen Sie uns bitte etwas über die Entwicklung der Figur des blinden Ex-Chefinspektors Alexander Haller.

Alexander Haller verliert 2017 bei einer Explosion mit einem Schlag sein Augenlicht und seine Frau. Dieser Verlust treibt ihn in eine schlimme Depression, eine aussichtslose Hilflosigkeit, sodass er sich das Leben nehmen möchte. Durch die Begegnung mit Niko findet er ins Leben zurück und entdeckt die Welt als Blinder ganz neu. Er schärft seine anderen Sinne lernt wieder in zwischenmenschliche Beziehungen zu treten und wird 2020 sogar zum Sonderermittler ernannt. Es entsteht eine ganz neue Karriere und dadurch neue Perspektiven. Sein analytisches Talent kann er jetzt ganz gezielt einsetzen. Und das wirkt sich natürlich auch sehr positiv auf seinen Charakter aus, bringt wieder Licht und Energie in sein Leben.

Wie routiniert gehen Sie nach elf Filmen an die Darstellung des blinden Ermittlers heran? Was haben Sie als sehender Schauspieler von dieser Rolle gelernt?

Von Routine kann ich da nicht sprechen, jede Folge ist immer wieder ein ganz neues Abenteuer, da jede einzelne in sich sehr unterschiedlich ist. Die Erfahrung mit Alexander Haller lehrt mich immer wieder aufs Neue, wie gefährlich der Alltag von blinden Menschen in der Welt von Sehenden ist.

Wie klingt, riecht und schmeckt Wien für Sie?

Der Sound der Fiaker und Straßenbahnen, dazu Falcos Song vom Kommissar, der Geruch von Kaffee und Grünem Veltliner und dazu ein Stück Sachertorte oder eine Portion Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster.

In „Tod im Kaffeehaus“ spielen Wiener Kaffeehäuser eine besondere Rolle. Haben Sie als gebürtiger Wiener einen besonderen Bezug zu diesem Teil der Kultur? Wie trinken Sie Ihren Kaffee am liebsten?

Schon als Kind ist mir in den Wiener Kaffeehäusern die besondere Atmosphäre aufgefallen. Zeitunglesen, Leute beobachten, schweigend das Leben und die österreichischen Kuchen und Torten genießen – das ist Kaffeehauskultur. Ich liebe den klassischen Zarenkaffee! Und was das ist, sieht man in „Tod im Kaffeehaus“.

Die enge Beziehung von Haller und Falk wird in den beiden neuen Filmen nicht nur einmal auf die Probe gestellt. Was zeichnet die Freundschaft der beiden Ermittler aus?

Eine wunderbare deutsch-österreichische Freundschaft, die immer wieder Ecken und Kanten aufweist. Ich muss auch immer wieder an Don Quichote und Sancho Panza denken, die gemeinsam gegen Windmühlen kämpfen, oder ganz klassisch an Sherlock Holmes und Dr. Watson.

Was bedeuten Freundschaft, Loyalität und Teamgeist für Ihre Rolle – und was für Sie?

Das ist das Allerwichtigste. Ohne ein loyales Team funktioniert nichts in der Welt. Das weiß ich sehr genau aus meinen Theatererfahrungen. Und Niko und Alexander sind ein perfektes Beispiel. Gemeinsam sind sie wirklich stark und viel mehr als nur die Summe der Einzelteile. Die große Aufgabe ist nur, trotz aller Stressfaktoren, sich immer wieder darauf zu besinnen.

En Garde: Wie haben Sie sich auf die Fechtszene mit Johannes Zirner vorbereitet?

Glücklicherweise hatte ich in der Schauspielschule Fechtunterricht. Dank dieser spannenden Szene, wo es um Blindfechten geht (Johannes Zirner ficht mit verbundenen Augen gegen den blinden Kommissar), konnte ich meinen Erfahrungsschatz anwenden und eine ganz andere Form des Fechtens kennenlernen.

Ab Juli 2024 stehen Sie in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ bei den weltberühmten Salzburger Festspielen in der Titelrolle auf der Bühne. Wie groß ist Ihre Freude – und wie groß der Respekt vor Ihrer „Lebensrolle“?

Generell muss man sagen, dass die Rolle des Jedermann eine der bedeutendsten im deutschsprachigen Theater ist. Sie thematisiert die existenziellen Fragen nach Leben, Tod und Moral. Nachdem ich jetzt bald zehn Jahre mit meiner Band und meiner eigenen Interpretation des „Jedermann“ auf Tour bin, ist es nun eine spannende Herausforderung, unter der Regie von Robert Carsen am Domplatz etwas ganz anderes zu entwickeln.

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