Regisseurin Barbara Kulcsar über moderne Sklaverei

Karin (Anke Engelke, re.) und Rommy (Nina Kunzendorf) machen als investigative Journalistinnen weiter, wer den Preis für günstig gebauten Wohnraum im boomenden Berlin bezahlt: illegale Arbeitsmigranten, die sklavenähnlich auf Baustellen ausgebeutet werden.
Karin und Rommy machen als investigative Journalistinnen weiter, wer den Preis für günstig gebauten Wohnraum im boomenden Berlin bezahlt: illegale Arbeitsmigranten, die sklavenähnlich auf Baustellen ausgebeutet werden. | Bild: ARD Degeto / Christiane Pausch

»Warum landen Menschen wie Taras in Berlin auf dem Arbeiterstrich? Warum wird Schwarzarbeit nur halbherzig bekämpft? Wieso dulden wir moderne Sklaverei vor unserer Haustür? Die Problematik ist komplex. Klar ist, dass wir als Gesellschaft davon profitieren. Die systematische, teilweise sogar legale Form der Ausbeutung ist das Schmiermittel unserer Wirtschaft, welches uns günstigeres Bauen, günstigere Pflege, günstigeres Gemüse und jede Menge weiterer finanzieller Vorteile bringt. Doch für das Streben nach Profit zahlen viele Menschen einen hohen Preis. Das Thema betrifft uns alle, denn im Grunde geht es um einen Verteilungskampf und um das Leben in einer Gesellschaft, die sich weiter in vermeintliche Gewinner und Verlierer spaltet. Durch die Geschichte führen uns die beiden Journalistinnen Rommy und Karin. Wie der Journalismus stecken auch unsere Protagonistinnen in der Krise. Auf der Suche nach einem neuen Job entscheiden sie sich emotional gegen die Sicherheit und für ein sich in den Startlöchern befindendes, leserfinanziertes Online-Magazin. In Zeiten von Social Media und Fake News sind Fakten und Transparenz dringlicher denn je. Dafür setzen sich Rommy und Karin ein. Sie bleiben unbequem, zeigen Zusammenhänge auf, schauen den Mächtigen auf die Finger und tragen damit ihren Beitrag für die Pflege einer offenen und demokratischen Gesellschaft bei. Drehbuchautor Florian Oeller hat für unsere Geschichte reichhaltige und ambivalente Charaktere erschaffen. Zusammen mit den großartigen Darstellerinnen und Darstellern in diesen Figurenkosmos einzutauchen, war ein Geschenk. Eine bessere Besetzung hätte ich mir nicht wünschen können. Gemeinsam mit einem wundervollen Team vor wie hinter der Kamera war es mein Anliegen, die Figuren spürbar zu machen, ihre Handlungen und Gefühle auszuloten. Letztendlich sind es Ambivalenzen und damit das urmenschliche Verhalten, das mich interessiert und bei den Zuschauern Empathie und Emotionen wecken soll. Ich bin sehr dankbar dafür, als Filmemacherin die Möglichkeit zu haben, diese aktuelle, anspruchsvolle und gleichzeitig spannende Geschichte erzählen zu dürfen. Es ist eine wertvolle Errungenschaft, dass auch komplexe Themen im Fernsehen ihren Platz haben und ein breites Publikum erreichen können.«

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