Fragen an MANUEL RUBEY

Johannes (Manuel Rubey) halluziniert nach seiner Verhaftung seine tote Schwester Ellen (Luna Hörstlhofer)
Johannes halluziniert nach seiner Verhaftung seine tote Schwester Ellen. | Bild: MDR/ORF/Rowboat / Anjeza Cikopano

Was ist für Sie die wichtigste Charaktereigenschaft Ihrer Figur Johannes Bachmann und was hat Sie besonders an der Rolle gereizt?

Die wichtigste Charaktereigenschaft kann ich gar nicht benennen, weil für mich Charaktereigenschaften positiv besetzt sind und da ist bei Johannes Bachmann nicht wirklich viel zu finden. Mich hat gereizt, dass ein offenbar in der Kindheit schwer verstörter und missbrauchter Charakter, im Erwachsenenleben versucht, mit Akkuratesse und Pedanterie den Schmerz und den Wahn unter Verschluss zu halten und alles daransetzt, ein bürgerliches Leben zu führen.

Die Drehbuchautoren wurden von dem Falco-Hit „Jeanny“ zu diesem Film inspiriert. Sie haben in der Falco-Biographie „Verdammt, wir leben noch!“ (2008) die Titelrolle „Falco“ gespielt. Was verbinden Sie mit Falcos Musik und speziell mit dem Song „Jeanny“, der 1986 für einen großen Skandal gesorgt hat?

Ich verbinde viel mit Falcos Musik, weil ich mich lange Zeit sehr intensiv mit ihr beschäftigt habe. Sie ist mir daher sehr nah und vertraut. Mit „Jeanny“ verbinde ich die Geschichte, die mir die Bolland-Brüder dazu erzählt haben: Die beiden hatten den Song in einer Dreiviertelstunde geschrieben, als Reaktion auf die Nachricht, dass ein Mädchenmörder, der in Holland sein Unwesen getrieben hatte, endlich gefasst worden war. Sie hatten den Text in der dritten Person geschrieben. Der geniale Zug von Falco war, dass er sagte: Ich singe es in der Ich-Form.

Es ist nachzulesen, dass Sie sich seinerzeit nach dem Falco-Filmdreh die Haare abrasiert hätten, um von der „intensiven Zeit als Falco“ loszulassen. War die Zeit als „Johannes Bachmann“ ähnlich intensiv?

Jede Rolle dieser Größenordnung ist intensiv und hinterlässt Spuren. Aber „Falco“ war schon anders. Es war das erste Mal und bekanntlich ist „the first cut the deepest“ und außerdem hatte ich damals in dem Moment das Gefühl, das tun zu müssen, um es nicht nur mir, sondern auch dem ganzen Land klarzumachen: Das war’s. Ich habe alles, was ich hatte, in die Rolle gelegt, habe es geliebt, dass ich es tun durfte, aber es ist nun vorbei, ich spiele nie wieder Falco.

Johannes Bachmann ist nicht der Inbegriff des „heißen Typen“ – als Steuerberater ist er eher konservativ. Dennoch gewinnt er Jeanny für sich. Wie stellt er das an?

Er ist aufmerksam und charmant und er hilft ihr bei einem wirklich ziemlich großen Problem: Mathematik. Das kann ich nachvollziehen, dass man da in Dankbarkeit verfällt.

Älterer Mann, junges Mädchen – diese Konstellation bedient ein altes Klischee. Was glauben Sie, sieht Jeanny in Johannes?

Ich will nicht zum Hobbypsychologen werden, aber, wie im Film erzählt wird, könnte der frühe Krebstod des Vaters auch eine Erklärung sein. Vielleicht stellt er den vielzitierten Vater-Ersatz dar.

Johannes Bachmann hilft Jeanny bei ihren Mathe-Problemen. Als sie jedoch zur vereinbarten Nachhilfestunde erscheint, wimmelt er sie ab. Warum?

Ich mag die Momente, wo der Film eben nicht alles aufklärt. Ich hatte für mich und für die Figur natürlich eine Erklärung, aber ich finde es für die ZuseherInnen spannender, sich da selbst einen Reim drauf zu machen.

Aus Angst um ihre Töchter organisieren die Mödlinger unter Führung von Kristina Eichhorn eine Bürgerwehr. Können Sie dieses Handeln nachvollziehen, bzw. was halten Sie persönlich von dieser Art Bürgerwehren?

Ich kann es nachvollziehen, dass man als Eltern irrational wird, da die Liebe zu einem Kind wohl das stärkste Gefühl ist, das es gibt. Aber natürlich sind Bürgerwehren etwas Grauenvolles. Nicht umsonst gibt es noch ein weiteres Wort für solche Zusammenschlüsse: Lynchjustiz.

Gibt es darüber hinaus eine Begebenheit während des Drehs, die Ihnen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist?

Es war der erste Film, den ich nach dem ersten Lockdown drehte. Es gab noch keine Impfungen, also musste noch penibler auf alles geachtet werden. Die Produktion hatte zwei weiße Zelte nebeneinander aufgestellt. In einem Zelt wurde getestet, im anderen gegessen. Wenn man davorstand und die Augen schloss, kamen aus dem einen fröhliche Schmatzgeräusche und aus dem anderen Würgelaute.

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