Interview mit Drehbuchautor Clemens Maria Schönborn

Polizeioberkommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger) und Johanna Schrödinger (Ilse Neubauer),  (Mitte: Stephan Zinner)
Frau Schrödinger vermisst ihre Katze und bittet verzweifelt bei der Polizeiwache um Hilfe. | Bild: BR / Geißendörfer Pictures / Hendrik Heiden

Wie kamen Sie zu der Idee für den Polizeiruf "Frau Schrödingers Katze"?

Allein dadurch, dass ein Wissenschaftler ein Experiment beobachtet, beeinflusst er dieses. Diese aus der Quantenphysik bekannte Tatsache fand ich sehr reizvoll als Prinzip für eine Geschichte mit einer ermittelnden Polizistin.
Dazu kam der Wunsch, etwas über unsere Gesellschaft zu erzählen, zu deren Realität es gehört, dass alte hilflose Menschen immer häufiger Opfer von Betrügern werden. „Nicht erfinden, sondern finden“, ist ein wichtiger Leitsatz bei meiner Stoffentwicklung. Ich lasse dann die einzelnen Elemente in meinem Kopf kreisen, bis es zu einer Art Urknall kommt und die Idee sich zusammenfügt. Manchmal knallt es allerdings auch ohne dass dabei etwas herauskommt. Das gehört zum Berufsrisiko eines Autoren.

Wie haben Sie sich an die Hauptfigur Elisabeth "Bessie" Eyckhoff herangetastet?

So viel tasten war da nicht. Es war mir klar: Bessie ist eine junge Frau, selbstbewusst im wahrsten Sinne des Wortes. Sie weiß um ihre Fähigkeiten, meistert einen Berufsalltag, der voller Extremsituationen ist. Wenn jemand frisch verliebt ist, ruft er nicht nach der Polizei, sondern erst, wenn bei der Scheidung die Fetzen fliegen. Was macht das mit dem Menschen Polizist? Wie geht er oder sie damit um? Ich habe einige Polizist*innen auf der Straße angesprochen und sie nach ihrem Berufsalltag befragt. Einige Erkenntnisse aus meiner Recherche haben im Film ihren Platz gefunden.

Was faszinierte Sie an Werner Heisenbergs Quantenmechanik in Verbindung mit der hier erzählten Geschichte, ohne zu viel zu verraten?

In unserer Geschichte hängt die Polizistin Bessie Eyckhoff ein paar Katzensteckbriefe auf, um einer einsamen alten Dame zu helfen und wird dadurch mitverantwortlich für den Tod eines jungen Mädchens. Sie beabsichtigt das eine, verursacht das andere. Durch Heisenberg wissen wir: Es gibt kein Beobachten ohne Beeinflussung. Dem Physiker kann es allerdings relativ egal sein, wie sich seine Teilchen im Experiment verhalten, aber als Polizistin hat Bessie Eyckhoff es mit menschlichen Schicksalen zu tun. Wie also handeln, wenn man immer auch davon ausgehen muss, dass sich eine gute Absicht in ihr Gegenteil verwandeln kann? Diese interessante Frage ist eines der Themen im Film.

Wie haben Sie sich an München und das sehr münchennahe Figurenuniversum, als ein nicht in München lebender Autor, in Ihrem Drehbuch so gut verorten können?

Ich bin am Niederrhein aufgewachsen und habe nach dem Abitur beschlossen, meinen Zivildienst in einem Münchner Altenheim zu machen. Meine Aufgabe war es, in der Beschäftigungstherapie die Bewohner durch handwerkliche Arbeiten aus ihrer Isolation zu holen. Da sitzt man dann als junger Mann neben einer gebrechlichen neunzigjährigen Münchnerin, flicht mit ihr einen Korb, und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie erzählt, dass sie als Zwanzigjährige auf dem Motorrad die ganze Welt bereist hat. Die Erfahrung, dass hinter dem vordergründigen Bild eines Menschen eine komplexe, faszinierende Biografie steckt, hat mich bis heute sehr geprägt.

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