Anneke Kim Sarnau im Interview

Anneke Kim Sarnau ist Katrin König
Anneke Kim Sarnau ist Katrin König | Bild: NDR / Christine Schroeder

»Katrin König irrt gerade wie durch einen dunklen Wald.«

Der neue Fall führt in die Welt eines jungen Unternehmers, der mit Personalvermittlung und Zockerei reich geworden ist. Wie gefiel Ihnen die Geschichte?

Ich mochte, dass man hier sieht, wie sich jemand verrennt und aus einer Form von Gier heraus alles verliert. Der Fall um Michael Norden führt vor Augen, dass so etwas wie Integrität ungemein wichtig ist und Geld allein nicht glücklich machen kann.

Die Profilerin hat selbst auch ein Integritätsproblem, seit sie im Fall Janina Beweise gefälscht hat. Als Guido Wachs sich nun aus der Haft meldet, gewinnt die Sache an Dramatik ...

Das ist wie ein wahrgewordener Albtraum für sie. Tatsächlich sieht man auch an ihrem Beispiel, wie wichtig integres Verhalten ist, weil Fehlverhalten einen irgendwann wieder einholt. Katrin König befindet sich innerlich weiterhin auf einer Achterbahn und bekommt Panik, als sie einen Brief von Guido Wachs erhält, in dem er ihren Gesetzesverstoß ganz klar benennt.

Katrin König (Anneke Kim Sarnau) kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit
Katrin König kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Sie übernachtet im Präsidium, sogar ein Flachmann taucht bei ihr auf. Spiegelt sich darin nicht ein Verhalten, dass wir sonst von Bukow kennen?

Die beiden sind ja durchaus verwandte Seelen, vor allem insofern, als sie beide verletzte Seelen sind. Da ist es sicher kein Zufall, dass sie in Krisenzeiten hier und da ähnliche Mechanismen und Verhaltensweisen entwickeln, mit ihren Problemen umzugehen. Allerdings trinkt Bukow ganz anders als Katrin König (lacht). Er hätte eine komplette Pulle auf den Tisch gestellt und keinen Flachmann versteckt; das ist ja noch halbwegs dezent. Vielleicht ist das auch nur eine Art Beruhigung für sie, vielleicht trinkt sie gar nicht wirklich davon. Katrin König irrt gerade wie durch einen dunklen Wald. Die Ermittlungsarbeit hält sie noch einigermaßen in der Spur, aber sie kann nicht verbergen, dass sie in einer Identitätskrise steckt. Sie hat bestimmte Normen und Werte über Bord geworfen, und da dann wieder einigermaßen in die Reihe zu kommen, die entstandene Leere neu und gut zu füllen, das dauert eben.

Wir sehen, wie sie in voller Fahrt hinterm Steuer die Augen schließt. Müssen wir uns Sorgen um sie machen?

Man sagt ja oft, dass jeder irgendwo einen gesunden Anker braucht, und bei ihr fällt jetzt gerade so viel weg; sie hat kein Privatleben, das ihr Halt geben könnte. Sie ist ein einsamer Wolf und immer allein unterwegs. Der Beruf war stets die Struktur, innerhalb derer sie sich sicher bewegen konnte, aber seit sie da für sich eine Grenze überschritten hat, hat sie etwas unwiederbringlich verloren. Das wird ihr durch den Brief und den Anruf von Wachs vor Augen geführt, und ich glaube schon, dass man ein bisschen Sorge um sie haben muss. Bislang konnte sie sich immer auf sich selbst verlassen, aber jetzt stellt sie sich so in Frage, dass diese Sicherheit weg ist. Diese Geschichte macht mehr mit ihr, als sie dachte.

Sascha Bukow reagiert sehr viel pragmatischer auf den Brief von Wachs und warnt sie eindringlich davor, ihren Fehler an offizieller Stelle einzugestehen. Spielt sie denn mit diesem Gedanken?

Es ist schon wichtig und angebracht, dass Bukow in dem Punkt so energisch ist. Denn sie hat im Moment keinen klaren Kopf, und die Gefahr, dass sie blindlings losrennt und noch mehr Chaos stiftet, ist schon relativ groß.

Wie ist ihr Verhältnis zu Bukow momentan? Am Ende des letzten Films hat sie ihn geküsst, aber nun verspürt sie offenbar nicht den Impuls, ihn ins Vertrauen zu ziehen.

Das ist auch nicht so leicht, wenn man das Gefühl hat, verloren zu sein, und weiß, dass der andere es auch nicht ganz leicht hat im Leben mit sich und mit allen. Und dann arbeiten die beiden ja auch noch an einem neuen Fall, der kompliziert ist. Alles ist irgendwie eher düster, und da fällt es dann schwer zu sagen, ich mache jetzt einen Schritt ins Helle. Das traut sie sich einfach noch nicht. Alles, was passiert, bringt sie so durcheinander, dass Schuld und Angst und Scham verhindern, dass sie sich jemandem anvertraut.

Katrin König verlässt während eines Verhörs unvermittelt den Raum. Beeinträchtigen diese Probleme ihre Arbeit?

Sie ist durchaus bei der Sache, vor allem wenn es ums Menschliche geht, dockt sie auch in diesem Fall voll an. Aber ich glaube, dass sie zwischendurch genervt ist; es ärgert sie, dass so viele Leute die Unwahrheit erzählen und es den Ermittlern einfach nicht gelingen will, hinter diese Lügengebilde zu schauen. Auch, dass mit Michael Nordens Sohn und Exfreundin Unschuldige in den Fall hineingezogen werden und zu Opfern zu werden drohen, weil Leute aus bloßer Gier kriminell werden, macht sie wütend. Katrin König kann Ungerechtigkeit eben nur schwer ertragen.

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