Anne Ratte-Polle ist Jana Zimmermann

Ruben (Jens Harzer) und Kollegin Jana Zimmermann (Anne Ratte-Polle)
Ruben und Kollegin Jana Zimmermann  | Bild: NDR / Frizzi Kurkhaus

Jana Zimmermann

Knallrote Haare, knallrote Lippen – Jana Zimmermann signalisiert: I’m on fire. Sie hält ihr Erregungslevel so hoch, da kann ihr investigativer Ehrgeiz nicht mithalten. Freundlich ist sie zu ihren Kollegen eigentlich nur, indem sie sie in Ruhe lässt. Und Charlotte Lindholm, die Ermittlerin mit einem Ruf wie Donnerhall und ihren zahlreichen gelösten Fällen in Niedersachsen, hat sie ohnehin gefressen. Was bildet die sich eigentlich ein? Hamburg ist Janas Revier. Sie braucht keine neunmalkluge Rivalin, die auf dem Kiez aufkreuzt und neugierige Fragen stellt. Am besten ist es wohl, Lindholm zurechtstutzen und in die Provinz zurückzuschicken.

Auch der Kollege Delfgau geht Jana Zimmermann auf die Nerven. Sie hält ihn für einen Schwächling und leicht zu kontrollieren. Aber irgendwie macht er immer wieder Zicken, stellt Tathergänge in Frage, wo Jana es nicht gebrauchen kann. Sie hat ihr Leben doch so großartig eingerichtet. Sie weiß, wem sie auf die Zehen treten kann und wem besser nicht. Was ist falsch daran, wenn man sich ein bisschen arrangiert?

Gespräch mit Anne Ratte-Polle

Was hat Sie bewegt, in "Alles kommt zurück" eine korrupte Polizistin zu spielen?

Detlev Buck hat mich dazu bewegt. Er hat mich in der tiefsten Coronazeit angerufen, erzählte mir von einem "Tatort"-Drehbuch für eine Männerrolle, die er aber gerne von einer Frau spielen lassen würde. Die Vorstellung, eine Frau zu spielen, die wie ein abgebrühter Mann spricht, gefiel mir. In den nächsten Wochen haben wir dann am Telefon Ideen weiterentwickelt und viel gelacht. Es war die reinste Freude. Gerade auch in dieser ungewöhnlichen Zeit, denn genauso ungewöhnlich war auch alles andere, das sehr tolle, skurrile Drehbuch und unsere Arbeit. Vom Anfang bis zum Ende. Es war für mich das reinste Feuerwerk im Lockdown.

Die Optik Ihrer Figur ist eine klare Botschaft: I’m on fire – haben Sie sich das selbst ausgedacht?

Ja. Ich wollte sie wie eine brennende Fackel spielen. Deshalb die roten Haare. Wenn Jana sehr maskulin ist in Duktus und Auftritt, dann sollte sie im Kontrast dazu sehr weiblich aussehen: lange Locken, enge Kleidung, hohe Absätze. Beim Spiel mit den Attributen lassen sich gut Sehgewohnheiten aufmischen. Buck fand das toll und hat mich sogar dazu ermutigt, das Rot der Haare noch roter zu machen.

In Ihren bisherigen Filmrollen waren Sie oft als sehr kontrollierte Frau in Ausnahmesituationen aufgetreten. War es eine Art Katharsis für Sie, einmal das genaue Gegenteil spielen zu dürfen?

Ja, absolut. Im Theater habe ich natürlich schon alles Mögliche gespielt, auch diverse Männerfiguren wie z. B. King Lear, Mozart, Hamlet. Im Film bislang noch nicht, vor allem nicht die Gestalt so einer Furie wie Jana. Mein Motto war: Wenn eine bestechliche Kommissarin, dann eine der übelsten Sorte. Also wirklich übel. Aber all das mit Stil und Genuss. Eben nicht "eigentlich bin ich doch lieb." Nee, sie ist eben nicht lieb. Aber sie liebt. Und das in hohem Maße, immer auf der Überholspur, filterlos und etwas zu gierig. Deshalb verzettelt sie sich dann ja auch. Es war herrlich.

"Alles kommt zurück" ist so wenig ein klassischer "Tatort"-Krimi wie Detlev Buck ein klassischer Krimiregisseur ist. Wie haben Sie die daraus entstandene Vielfalt erlebt?

Ich habe sie geliebt. Natürlich war allen am Set klar, dass dies kein gewöhnlicher Krimi wird und dass Detlev Buck eben immer über Grenzen hinausgeht. Und genau deswegen wollte ich ja mit ihm arbeiten. "Alles kommt zurück" hat natürlich trotzdem immer noch eine Anbindung an den "Tatort", aber er tobt sich in diesem Format aus. Ich liebe das Experiment, und es war in der Tat die Erschaffung einer sehr eigenen besonderen Spielwelt.

Was bedeutet Ihnen persönlich Udo Lindenberg?

Er ist eine lebende Legende, ein Unikum, ein eigenes Universum. Er verkörpert Punk in seiner reinsten Form, der wichtiger ist denn je zuvor. Ich war schon als Kind Fan von ihm, habe mich beim Karneval sogar einmal als Udo Lindenberg verkleidet (lacht). Im Film hatten wir leider keine gemeinsamen Szenen, aber abseits des Filmsets – während meiner Drehtage war ich auch in dem Hotel, in dem inszeniert wurde, untergebracht – ging es mir sehr ans Herz, diesem weichen, klugen und witzigen Mann in real begegnen zu können.

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