Interview mit Regisseurin Luzie Loose

Regisseurin Luzie Loose beim „Tatort“-Dreh im Saarland unter Corona-Bedingungen
Regisseurin Luzie Loose beim „Tatort“-Dreh im Saarland unter Corona-Bedingungen | Bild: SR / Manuela Meyer

Der Saarbrücker „Tatort“ hat ein junges Ermittlungsteam und jetzt eine junge Regisseurin und Kamerafrau. Was macht den jungen „Tatort“ aus?

Mein Ziel ist es, dass wieder mehr junge Menschen den ‚Tatort‘ schauen. Der ‚Tatort‘ ist ein etabliertes Format und unser Film behandelt jetzt kein explizit junges Thema —eine freiere Herangehensweise und Umsetzung machen unseren Film aus. Mir wurde als Regisseurin in der Gestaltung da zum Glück viel Vertrauen entgegen gebracht. Newcomer-Regisseurinnen bekommen bei den etablierten Formaten oft Filme angeboten, die besonders ‚weiblich konnotierte‘ Themen behandeln. Diese Rollenverteilung langsam abbauen zu können, hat mir an dem Projekt gut gefallen. Den Rollen der beiden Ermittlerinnen im Team kommt in diesem Film eine größere Bedeutung zu, was ich sehr gut und richtig finde! Im Zentrum des Films steht allerdings eine Vater-Sohn-Geschichte und im weiteren Sinne eine Brudergeschichte. Ich hatte einfach große Lust darauf, mit einem Ensemble zu arbeiten, in dem sich die Figuren gerade noch finden und wir sie gemeinsam mit den Schauspieler*innen entdecken und weiterentwickeln können. Mit unserer Kamerafrau Anne Bolick entwickelte ich in der Vorbereitung eine Vision für den Film. Die Arbeit am Set war dann allerdings recht spontan und flexibel. Unsere restliche Filmcrew bestand aus erfahrenen Filmemacher*innen und absoluten Newcomern — eine Mischung aus Knowhow und Rock’n’Roll, Struktur und kreativem Chaos. Das macht den Film lebendig — obwohl natürlich jemand stirbt.

Was ist für Sie das Besondere an diesem Format?

Ich persönlich bin Fan. Das Besondere an diesem Format ist, dass es das Format auch immer mal wieder verlässt. Mich haben schon immer die Filme in der Reihe interessiert, die ein bisschen anders waren. Der neue Saarbrücker ‚Tatort‘ ist kein klassischer Krimi, sondern eher ein Thriller. Anstatt der Aufklärung eines einzelnen Falls hinterherzujagen, tauchen wir tief ein in das Leben und die Geschichte der beiden Kommissare. Unser Drehbuchautor Hendrik Hölzemann entwirft in seinen Büchern psychologisch spannende und komplexe Figuren. Mein Ziel für den Film war nicht, ein bestimmtes Genre zu bedienen, sondern diese Figuren dicht und nachvollziehbar zu erzählen und gleichzeitig genug Geheimnisse zu wahren für folgende Filme.

Die Saarländerinnen und Saarländer sind mächtig stolz auf ihren SR-„Tatort“. Sobald hier gedreht wird, sind alle „aus dem Häuschen“ und möchten gerne bei den Dreharbeiten zusehen – was natürlich nicht geht. Wie haben Sie Ihre Regiearbeit für den „Tatort“ im Saarland erlebt?

Im Saarland einen Film zu drehen, ist einfach ein Traum. Die Menschen sind zuvorkommend, freundlich, und unterstützen die Dreharbeiten, wo sie nur können. In Berlin wird an jeder Ecke ein Film oder eine Serie gedreht, das geht den Leuten auf die Nerven. Hier ist es noch etwas Besonderes, öffnet Türen zu außergewöhnlichen Orten und ermöglicht spannende Begegnungen. Viele Saarländer*innen haben uns Locations für den Dreh zur Verfügung gestellt oder als Kompars*innen mitgewirkt, zum Teil Menschen, die wir einfach auf der Straße getroffen und ihnen das vorgeschlagen haben. Das Saarland hat eine Ambivalenz, die sehr filmisch ist. Es ist idyllisch, ein bisschen abgelegen, aber auch rau und industriell. Die Lebensqualität in Saarbrücken ist auf den ersten Blick hoch. Die Leute sitzen fröhlich in den Cafés, alles ist ein bisschen Französisch, aber dann zerfurcht diese Autobahn die Stadt – solche und viele andere Gegensätze faszinieren mich.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die in der Filmbranche Fuß fassen möchten?

Der ‚Tatort‘ ist mein zweiter Spielfilm. Ich habe vorher einen Kinofilm und zwei Serien gedreht und als Autorin gearbeitet. Ich denke, für junge Menschen ist es gut, sich einen Plan zu machen, der zu gleichen Teilen realistisch und utopisch ist. Es ist gut, die Branche zu kennen, sich viel anzuschauen und sich bewusst zu machen, wo man hin möchte. Neu in der Branche zu sein, kann man gut als Vorteil nutzen, um von den alt bekannten Vorgehensweisen abzuweichen.

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