Interview mit der Regisseurin Mira Thiel

Das Team während der Dreharbeiten.
Das Team während der Dreharbeiten. | Bild: MDR / Steffen Junghans

Wie kamen Sie zu "Der letzte Schrey" und was hat Sie daran gereizt?

Thiel: Ich bin schon öfter für einen "Tatort" angefragt worden, doch hatte ich nie so wirklich die gestalterische Idee finden können für die Frage: "Wo waren Sie, als Soundso ermordet wurde?" Über diese Frage erhebt sich "Der letzte Schrey". Erstens, weil dieser Tatort ein Entführungskrimi ist, und zweitens, weil es diese Frage Gott sei Dank nicht gibt.

Was war Ihnen in Hinblick auf die Besetzung – ausgenommen die Kommissare – wichtig?

Thiel: Starker Spieltrieb mit Lust darauf, das Drama in der Komödie zu suchen und zu finden. Des Weiteren war der Film eine wunderbare Chance, großen, noch unbekannten Talenten eine Bühne zu geben. Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich ermüdend, immer dieselben Gesichter in denselben Rollen zu sehen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Murmel Clausen, der bisher zwar jedes Drehbuch geschrieben hat, doch immer mit neuen Regisseurinnen und Regisseuren zusammenarbeitet?

Thiel: Ich bin sehr froh, dass Murmel ein echter Teamplayer ist. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass er mir den "Tatort" Weimar erklären wollte, sondern da war eine inspirierende Neugierde aufeinander und der unbedingte Wille, ein Stück lässigen Film gemeinsam herzustellen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle aus vollem Herzen bedanken.

Welche Besonderheiten und Herausforderungen bietet der Dreh für einen "Tatort" und in diesem Fall auch die Stadt Weimar?

Thiel: In Weimar drehen zu dürfen, ist für einen Kreativen, als ob überall Milch und Honig fließt. Die Motive sind ein Traum und die Menschen in Weimar besonders interessiert und engagiert. Die Besonderheit dieses Drehs waren auf alle Fälle die Flugzeugszenen, die wir alle inCamera und ohne CGI gedreht haben. Für die Flugaufnahmen wurde für uns sogar eine Hauptversorgungs-Stromleitung gekappt. So etwas geht nur in Weimar :-).

Das Team hinter diesem "Tatort" ist ausgesprochen "frauenstark". Wie wirkt sich dies, Ihrer Meinung nach, auf die Arbeit hinter den Kulissen, aber auch auf dem Bildschirm aus?

Thiel: Eine wichtige Frage. Ich hoffe, ich werde es in meinem Leben noch erleben dürfen, sie nicht mehr beantworten zu müssen. Der Film muss sich öffnen, es muss hinter den Kulissen endlich Gleichberechtigung gelebt werden. Nicht nur, weil das einfach gerecht ist, sondern weil dadurch die Zuschauerinnen und Zuschauer gewinnen. Bis jetzt wird den Zuschauerinnen und Zuschauern nämlich nur ein Bruchteil der Perspektive auf eine Geschichte als die absolute Perspektive präsentiert. Das ist in heutigen Zeiten des filmischen Überangebots nicht nur verschenkt, sondern gesellschaftlich gefährlich.

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