Autor Christoph Darnstädt über das Drehbuch zu "Ein paar Worte nach Mitternacht"

Robert Karow (Mark Waschke, li.) sucht Moritz Keller (Leonard Scheicher) beim Holocaust Mahnmal auf.
Robert Karow sucht Moritz Keller beim Holocaust Mahnmal auf. | Bild: rbb / Stefan Erhard

Ihr Tatort wirft anlässlich des 30. Jubiläums der Wiedervereinigung einen Blick auf die deutsch-deutsche Vergangenheit, ihre Vorgeschichte und ihre Nachwehen. Welche Intention steht hinter dem Drehbuch und der Familiengeschichte, die Sie erzählen?

Klar, das Jubiläum der Deutschen Einheit legt eine Geschichte nah, die nochmal vom geteilten Deutschland erzählt. Aber angesichts ungebrochen zweistelliger Prozente für eine völkische Partei in unserem Lande, wollte ich dann lieber nochmal daran erinnern, wie es zu dieser Teilung kam. Auf dass wir in unserer Einheitstrunkenheit vielleicht ein Stück weit nüchtern, nachdenklich, besorgt werden, wenn "zusammenwächst, was zusammengehört". Aber nein: soll nicht heißen, was uns eint, ist die Deutsche Schande. Aber ja: ganz sicher die Verpflichtung, uns gerade auch an sie und jedes einzelne ihrer gesamtdeutschen Opfer bei diesem Anlass zu erinnern.

Die Geschichte dreht sich im Kern um zwei neunzigjährige Brüder. Einer von ihnen lebt und arbeitet im Ostteil Berlins, der andere im Westteil. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Erzählung und worin besteht der Konflikt, den Sie über drei Generationen spannen?

Die Geschichte ist fraglos aus (m)einer Westberliner Perspektive erzählt. Aufgewachsen auf dem sicher geglaubten Boden von "Nie wieder Rassismus, Nationalismus, Krieg", war mein (West)Deutschland für mich das beste Deutschland, das es je gab. Daher ist mein Protagonist auch Klaus-Keller-West und ich empfinde mit ihm, auch wenn er Täter ist – und ich glaub ihm seine Reue und seine Verzweiflung darüber, dass er seine Schuld nie wiedergutmachen kann (auch wenn er damit bitte nicht repräsentativ für die BRD stehen soll). Aber ich versuche auch mit Gert-Keller-Ost mitzuempfinden, die Topoi von "Unrechtsstaat" und "Stasidiktatur" in den historischen Kontext zu setzen – eben nicht nur zu erzählen: Der olle Sack war Stasigeneral, sondern auch: warum.

Natürlich: Erstmal ist es simpel, als Bild für die deutsche Teilung zwei getrennte Brüder zu setzen. Aber eben auch tauglich, um mit ihren Kindern und Enkeln den Bogen bis in das wiedervereinigte Deutschland zu spannen. Und dann funktioniert das Bild: Die Schuld der Brüder bleibt und mit ihr die Familien-Frage: Wie damit umgehen?

Für die Nachkriegs-Generation, die ja keine Schuld auf sich geladen hat, aber vom Umgang der Eltern mit der NS-Vergangenheit geprägt ist. Wie für die Nachwende-Generation, die das Glück hatte, nie politisch missbraucht zu werden.

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