Gespräch mit Regisseur Hartmut Schoen

Regisseur Hartmut Schoen mit Maria Furtwängler
Regisseur Hartmut Schoen mit Maria Furtwängler | Bild: dpa

Ihre letzte "Tatort"-Regie liegt 20 Jahre zurück. Warum haben Sie so lange nicht für die Reihe gearbeitet?

Ich habe in dieser Zeit einfach andere Projekte verfolgt, zwar auch einige Krimis gedreht, aber keine Reihen oder Serien. Es sprach dann vieles dafür, wieder einen "Tatort" zu machen: Ich hatte Zeit und liebe Krimis, ich wollte mit Maria Furtwängler arbeiten und kenne mich etwas mit dem Thema Luftwaffe aus. In den Achtzigern habe ich den Dokumentarfilm "Phantom-Fieber" gedreht und dafür junge Kampfpiloten über sieben Jahre in der Ausbildung begleitet. Im Übrigen war mein Vater bei der Bundeswehr – anders als seine vier Söhne. Nicht zu dienen war wohl unsere Art von Revolte.

Es geht in Ihrem Luftwaffen-"Tatort" gar nicht zackig, sondern wie in einem modernen Dienstleistungsbetreib zu.

Das Militär beruht schon lange nicht mehr auf preußischem Drill. Befehl und Gehorsam, Brust raus, Hacken zusammenschlagen, das ist alles von vorgestern. Unsere Protagonisten sind Transportflieger. Sie steuern diese gigantischen Flugzeuge. Es sind smarte, moderne Menschen aus unserer Zeit, die etwas zu sagen haben, reflektieren und engagiert sind. Im "Tatort" bildet die Luftwaffe aber nur die Folie, vor der unser Krimi spielt. Wir erzählen eine einfache Eifersuchtsgeschichte, wie sie auch Ihnen und mir passieren könnte.

Spielt der Krimi im privaten Milieu der Soldaten?

Es geht um die Ehefrauen und Angehörigen von Soldaten, dieses familiäre "Hinterland" wirkt ja im Hintergrund und sorgt für den privaten emotionalen Rückhalt. Von den Familien wird Erhebliches verlangt. Die Frauen warten oft voller Angst darauf, dass ihre Männer aus feindlicher Umgebung zurückkehren. Sie müssen mobil sein: Sie ziehen in eine andere Stadt um, wenn die Soldaten versetzt werden. Und sie suchen für ihre Kinder wieder und wieder eine neue Schule, eine neue Heimat. Und Soldaten können mitunter völlig die Balance verlieren, wenn ihr Zuhause nicht stabil ist. In diesem Umfeld ist die Eifersuchtsgeschichte angelegt.

Hat die Bundeswehr Sie bei den Dreharbeiten unterstützt?

Wir haben auf den Luftwaffenstützpunkten Wunstorf und Hohn bei Rendsburg gute Unterstützung bekommen. Trotzdem war der Dreh eine besondere Herausforderung, da uns oft nur sehr kleine Zeitfenster offen standen, in denen wir zum Beispiel die Transportmaschinen filmen oder in die Hangars durften. Zwei Welten trafen aufeinander, hier der Haufen Freigeister vom Film, dort der militärische Apparat mit seiner Rangordnung und Kürzelsprache. Leute, die sonst eigentlich nicht viel miteinander zu tun haben, echte Antipoden, es war hoffentlich lehrreich und erhellend für beide Seiten.

Haben Sie alle „Tatort“-Folgen mit Charlotte Lindholm gesehen?

Nein. Ich möchte nicht die Filme anderer Leute sehen, sondern meine eigenen Bilder finden, meinem Gefühl für Rhythmus, Spannung und Zuspitzung folgen. Ich muss sagen, Filme machen ist viel schöner als Filme gucken. Der zweite Grund ist: Ich wollte mich ganz auf Maria Furtwängler einlassen und darauf konzentrieren, was sie mir als Schauspielerin anbietet. So gehe ich in jedem meiner Filme vor.

Was hat Maria Furtwängler Ihnen angeboten?

Maria Furtwängler ist eine großartige Schauspielerin. Ihr Spiel ist facettenreich und in jedem Moment souverän. Sie hat ihr handwerkliches Können über die Jahre perfektioniert und löst in ihrem Spiel die höchsten Ansprüche ein. Wir haben wunderbar zusammengearbeitet. Sie ragt heraus aus diesem großartigen Ensemble. Ich bin ein richtiger Fan von ihr geworden.

Sie hat tolle Mitspieler.

Jasmin Gerat zum Beispiel, hoch ambitioniert, sensibel, durchlässig, eine Freude. Man nimmt ihrer Figur voll ab, dass – wie es die Geschichte will – ihr Entwurf vom Glück in sich zusammengebrochen ist. Und Gerdy Zint ist für mich Armin Rhode in jung. Eine Lokomotive, die den Film vorantreibt, ausgestattet mit einer ungeheuerlichen Präsenz. Man glaubt seiner Figur die Aggressivität und Unruhe, die sie in sich trägt und mit der die Kommissarin zu jonglieren versucht. Er arbeitet nicht über die Technik, sondern ganz subjektiv aus sich heraus. Gerdy Zint ist eine richtige Entdeckung.

In einer weiteren großen Rolle: die Transall.

Diese Transportflugzeuge strahlen eine solche Größe und Macht aus, man ist wirklich beeindruckt, wenn man vor ihnen auf dem Rollfeld steht oder mit ihnen abhebt. Wir haben ja auch in der Luft gedreht, an Bord einer Transall, mit der wir vom Luftwaffenstützpunkt auf Sardinien zurück nach Deutschland flogen. Wir waren drei, vier Stunden eingequetscht zwischen Kisten und Kästen, die Maschine brummte schwer und tief. Es war ein tolles Erlebnis. Was diesen Film vor allem auszeichnet, ist die Arbeit des Kameramanns Andreas Doub, dem nicht nur in der Höhe von 3000 Metern außergewöhnliche Bilder gelungen sind. Mir liegt viel daran, dass es Augenfutter gibt, etwas zu sehen und etwas zu fühlen. Was ich wirklich nicht mag, ist dieser bebilderte Hörfunk, in dem unentwegt gequasselt wird.

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