Interview mit Axel Milberg

Axel Milberg als Kommissar Borowski
Axel Milberg als Kommissar Borowski | Bild: NDR / Sandra Hoever

Er zögert, so ist meine Erinnerung, den Fall als solchen anzunehmen. Ein verwirrter Greis, tot aufgefunden im Wald, die Aussage eines Kindes, das Angst hat vor einem bellenden Hund? Erst als auch ein toter Schäferhund am Strand eingegraben entdeckt wird und die Untersuchungen ergeben, der Großvater und der Hund sind auf ähnliche Weise getötet worden, nehmen wir die Ermittlungen auf.

Wie findet sich Borowski in dem frömmelnden Kosmos des Johann Flemming zurecht?

Der Pfarrer und seine Frau sind ein ungleiches Paar. Strenge und die spürbare Verletztheit deuten eine Geschichte im Hintergrund an.

Der Film stellt eine Verbindung her zwischen den Tätern und Ideologen des Nationalsozialismus und den autoritären Führungsfiguren der anti-autoritären Erziehungsbewegung, wie wir sie in Deutschland durch die Odenwald Schule kennen. Ist das nachvollziehbar? Das ist sorgfältig recherchiert und hat mich auch erstaunt. Man nennt es wohl "Das Kind mit dem Bade ausschütten“. Die eigene traumatische Erinnerung an NS-Erziehung und Nazi-Eltern machte es vielen schwer, das richtige Maß für eigene idealistische Ideen zu finden.

Geht es auch um den Missbrauch der Idee der Freiheit?

Die Befreiung war zu ungeduldig und oft bevormundend. Auch in sexueller Hinsicht.

Während Mila Sahin die Konzepte der freien Schulbewegung des alten Heinrichs absurd findet, rechtfertigt Borowski die Idee der Erziehung zu Freiheit und Toleranz angesichts des Terrors in der Nazizeit. Prallen da die Erfahrungen von zwei verschiedenen Generationen aufeinander?

Nein, das rechtfertigt er nicht, es ist augenzwinkernd gemeint. Er will sich vor der jüngeren Kollegin wohl nur etwas aufspielen, denke ich.

Borowski erklärt seiner Kollegin, wie die Zeiten damals so waren. Als sie antwortet "Aber Sie haben doch nicht mit Ihrer Lehrerin geschlafen?“, spart er sich eine Erklärung. Warum eigentlich?

Sehen Sie? Das meine ich.

Ein Vater, der seine Nazi-Gene nicht weitergeben will. Ein Sohn, der unter der Ablehnung durch den Vater leidet. Ob das Borowski wirklich bewegt, erfahren wir nicht. Liegt seine Stärke als Ermittler darin, dass er Distanz hält?

Ja, es ist so. Distanz ist immer wieder notwendig, um die Informationen zu ordnen. Es lügen ja alle eigentlich immer. Obwohl hier ja mit dem Schulschiff und der schrägen Besatzung etwas aus dem Norden in die Geschichte segelt, was aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Aber darum geht’s ja auch.

Wofür steht das Schiff, das immer wieder in der Bucht auftaucht?

Es ist ein Schiff, was in aller Welt unterwegs sein kann und Kontinente verbindet. So war es ursprünglich von dem Schulgründer vor vierzig Jahren geplant. Diese Reisen können aggressiven Nationalismus verhindern und die leider heute wieder aktuelle Frage, wer ist die bessere Nation oder die überlegene Rasse, absurd erscheinen lassen. Es gibt ja immer wieder die Idee, Schüler auf einem Schiff zu unterrichten und mit fremden Menschen und Lebensformen in Kontakt zu bringen. So lernen sie nebenbei Toleranz und relativieren jede Ich-Bezogenheit.

Dieser "Tatort“ ist für Borowski der dritte Fall mit der neuen Kollegin Mila Sahin. Er beobachtet gerne seine Mitmenschen. Zu welchem Ergebnis ist er bei der Einschätzung seiner Kollegin gekommen?

Hmm, sie ist klug. Und weiß ihn zu nehmen. Und sie mag Menschen.

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