Fragen an das Drehbuch-Duo Johanna Thalmann und Moritz Binder

Von links: Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) fragen sich, wer den Flügel zerstört haben könnte. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de.
Von links: Ivo Batic und Franz Leitmayr fragen sich, wer den Flügel zerstört haben könnte. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de. | Bild: BR/NEUESUPER GmbH / Hendrik Heiden

Johanna Thalmann und Moritz Binder, Sie zeichnen gemeinsam für das Drehbuch zu "Dreams" verantwortlich. Was hat Sie am Thema Luzides Träumen / Klarträumen als Stoff für einen "Tatort" fasziniert?

Als wir das erste Mal davon gehört haben, lief uns ein kleiner Schauer über den Rücken: Luzides Träumen zur Leistungssteigerung? Dabei sind Träume doch das vielleicht letzte Mysterium des Menschseins. Eine private Tiefsee, die noch nicht restlos erkundet wurde. Und jetzt durchdringt unsere Leistungsgesellschaft auch diesen intimen Privatraum?

Die Klartraumforschung an sich ist eine Art Unterseeboot, das sich aufgemacht hat etwas Licht ins dunkle Unbekannte unserer Träume zu bringen. Mit faszinierenden Ergebnissen: So hilft das luzide Träumen zum Beispiel bereits vielen Menschen in ihrer Traumatherapie. Aber jetzt soll Traumzeit eben auch als Trainings- und somit als Arbeitszeit für sogenannte "Overachiever" nutzbar gemacht werden. Die Leistungsgesellschaft kostet die Leistenden nun also auch noch ihre Träume. Dass das in einem Tatort nicht ungestraft bleiben darf, versteht sich dabei fast von selbst.

Wie realistisch ist es, dass in der Welt der Musik und im Sport Luzides Träumen als potenziell leistungssteigernde Technik angewandt wird?

Unsere Recherche zum Thema Luzides Träumen hat ergeben, dass es tatsächlich im Sport als "Trainingstool" verwendet wird. Dadurch, dass Sportler*innen die Bewegungsabläufe bewusst im Traum üben, verbessert sich nachweislich ihre Leistung. Musiker*innen üben weniger die Fingerfertigkeit, sondern suchen im luziden Traum nach einem neuen Level an Virtuosität.

Im Sport ist die Technik bereits verbreiteter. Aber die Welt der Musik fanden wir als Sujet passender für unseren Tatort. Zum einen, da die klassische Musik an sich oft mit dem Topos des Zwischenweltlichen und Unbewussten spielt. Zum anderen, weil der enorme Leistungsdruck, unter dem Orchestermusiker*innen stehen, weniger bekannt ist. Der Stress von Orchestermusiker*innen vor dem Einsatz ist in etwa so hoch, wie der von Formel 1 Pilot*innen.

Hatten Sie bei der Recherche zu diesem Thema Experten an Ihrer Seite?

Mit Dr. Brigitte Holzinger, die in diesem Bereich forscht und das Buch "Der luzide Traum: Forschung und Praxis" veröffentlicht hat, haben wir den Plot und die Charaktere, sogar die Dialoge, die sich auf das luzide Träumen beziehen, genauestens abgeklopft. Auch die Frage, ob es passieren kann, dass man durch zu exzessives Nutzen des luziden Traums Realität und Traumwelt verwechselt, haben wir besprochen. Es ist durchaus so, dass der luzide Traum, der an sich ja positive Effekte auf die Psyche hat (Erfolge in der Traumatherapie), bei exzessiver und nicht therapeutischer Nutzung zu dissoziativen Zuständen (mangelndes Traum/Realitätsbewusstsein) führen kann. Der Tatort ist natürlich eine Geschichte, die Charaktere frei erfunden. Aber in der Theorie könnte es so passiert sein. 

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