Interview mit dem Regisseur Florian Baxmeyer

Overbeck, Lürsen und Stedefreund
Der Betreiber des Windparks, Lars Overbeck, fühlt sich zu Unrecht verdächtigt. | Bild: Radio Bremen / Jörg Landsberg

»Denn es herrscht Krieg zwischen drei Parteien, die ich alle ganz gut verstehen kann.«

Herr Baxmeyer, der Tatort "Wer Wind erntet, sät Sturm" von Radio Bremen handelt vom Mord an einem Umweltaktivisten, der sich gegen den Einsatz von Windkraftanlagen in der Nordsee stark gemacht hat. Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal vom Thema dieses Tatorts erfahren haben?

Ich fand das spontan sehr spannend, weil wir alle mit der Windenergie die gute, saubere, grüne Energie verbinden und das Buch ja zunehmend mit diesem Klischee aufräumt. Vor allem die Haltung der Umweltschützer, die die Windenergie gar nicht grün und toll finden und plötzlich genauso wie die Atomenergie als umweltschädlich einstufen, fand ich einen sehr spannenden Angang an dieses Thema.

Ihr letzter Tatort, den Sie für Radio Bremen inszeniert haben, "Die Wiederkehr", war ein sehr emotionaler Film, in dem ein Familiendrama im Vordergrund stand. Diesmal jedoch geht es um einen politischen Fall. Was bedeutete das für Sie bei der Inszenierung des Films?

Der Fokus ist natürlich erst einmal durch das Thema ein bisschen ein anderer und außerdem ist er vom Optischen her ein viel größerer Film. Es geht um die Gezeiten, um das große Geld, aber der Film ist trotzdem sehr emotional. Denn es herrscht Krieg zwischen drei Parteien, die ich alle ganz gut verstehen kann. Auf der einen Seite agieren die Umweltschützer, dann ist da der Windparkpionier Overbeck, der einfach an das Gute glaubt und kein eiskalter Kapitalist ist. Und auf der anderen Seite gibt es den Kapitalisten in Form von Herrn Berger, dem Hedgefondsmanager, dem es im Grunde egal ist, ob er mit Schweinehälften oder mit Windkraftanlagen sein Geld verdient. Ich finde, jede Geschichte muss emotional sein. "Die Wiederkehr" war natürlich viel intimer, es war ein sehr persönliches Familiendrama, aber im Tatort "Wer Wind erntet, sät Sturm" drehen wir auf jeden Fall am größeren Rad.

Sie haben sogar auf einer Windkraftanlage in der Nordsee gedreht. Wie war das?

Das war hochspannend, wobei ich sagen muss, unser Windrad war eins, wie sie offshore im Meer stehen. Es stand jedoch auf dem Land, weil es gar nicht möglich gewesen wäre, ein Filmteam im Meer auf ein Windrad zu bekommen. Das wäre viel zu gefährlich gewesen. Dafür hätte man zwei Wochen trainieren müssen, um überhaupt vom Boot auf 's Windrad zu steigen und dann noch ein Helikopter – das wäre viel zu schwierig gewesen. Aber es war auch eine große Herausforderung, auf dem Land zu drehen, denn wir hatten ein Windrad, das 90 Meter hoch war. Der Turm bewegte sich, er wackelte im Wind, das Rad drehte sich.

"Wer Wind sät, erntet Sturm" ist Ihr zehnter Tatort, den Sie für Radio Bremen inszenieren. Wenn man die Filme miteinander vergleicht, fällt auf, dass sie sehr unterschiedlich sind, nicht nur thematisch, sondern auch in ihrer Inszenierung. Was ist jedes Mal Ihr größtes Ziel?

Mein größtes Ziel ist es, der Geschichte in ihrer optischen Umsetzung und Inszenierung gerecht zu werden und ihr einen möglichst neuen, frischen Blickwinkel abzugewinnen. Insofern ist es natürlich mein Ziel in all meinen Filmen, mich möglichst nicht zu stark zu wiederholen und neue Blicke auf die Stoffe zu werfen. Das habe ich diesmal gemeinsam mit dem Kameramann Peter Krause auch wieder versucht.

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