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China: Weltmacht-Anspruch und Konfrontation mit den USA

PlayDie chinesische Flagge
China: Weltmacht-Anspruch und Konfrontation mit den USA | Bild: fotolia / Paul Rushton

Victor Gao von der regierungsnahen Denkfabrik "Center for China and Globalization" ist sich sicher: "Ungefähr im Jahr 2050, gehen wir davon aus, dass Chinas wirtschaftliche Gesamtleistung so groß sein wird wie die der USA und der EU zusammen." Und diese globale Führungsposition solle sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch widerspiegeln. Deswegen rüstet die chinesische Armee auf, betreibt inzwischen mit etwa 350 Schiffen die größte Flotte der Welt. Staatschef Xi Jinping gibt sich selbstbewusst und warnt vor allem die USA vor einer Konfrontation mit der Volksrepublik. Der Weltspiegel berichtet über die geopolitischen Ambitionen Chinas.

"China wird immer stärker und stärker"

Strand von Qingdao aus der Vogelperspektive.
Qingdao ist Marienstützpunkt und Urlaubsort. | Bild: NDR

Im Museumshafen von Qingdao liegen alte Zerstörer und U-Boote, die neue Flotte ankert ein paar Kilometer die Küste runter, versteckt vor der Öffentlichkeit. Qingdao ist Marienstützpunkt und Urlaubsort. Trotz der diesjährigen Algenpest tummeln sich Tausende am Strand. Wer sich wie Familie Li hier Urlaub leisten kann, hat von Chinas rasantem Wirtschaftswachstum profitiert. Herr Li verdient gutes Geld als Reifenhändler und wenn sie über China reden, finden sie nur große Worte – wie Ehefrau Zhang Xiuli: "Als Chinesin bin ich sehr stolz in dieser großen Ära geboren zu sein." China habe es aus eigener Kraft geschafft und lasse sich von niemandem beirren. Und ihr Ehemann ergänzt: "China wird immer stärker und stärker, also haben wir keine Angst vom Ausland unterdrückt zu werden."

Andere Staaten – allen voran die USA – wollten China kleinhalten, lautet die Propaganda der kommunistischen Führung. Und so sagen sie es auch am Strand: "Das ist purer Wettbewerb! Was Chinas Beziehungen mit den USA angeht, gibt es derzeit nichts zu bereden", erklärt Liu Yongjun. Wu Shuixiang sagt: "Wer uns beleidigt, macht uns keine Angst. Bei einer Aggression von außen, werden wir uns entgegenstellen, wir einfachen Leute, auch die Alten und Kinder."

China unterhält größte Kriegsmarine der Welt

Chinesische Marineschiffe in einem Hafen.
China unterhält rund 350 Marine-Schiffe und U-Boote. | Bild: NDR

Im Staatsfernsehen werden Bilder gezeigt, die Überlegenheit demonstrieren sollen. China unterhält mit rund 350 Schiffen und U-Booten mittlerweile die zahlenmäßig größte Kriegsmarine der Welt. Die Volksbefreiungsarmee untersteht direkt der kommunistischen Partei. Als ihr Anführer und Staatspräsident Xi Jinping vor vier Wochen in Peking den Hundertsten Parteigeburtstag feiern lässt, sind neuste Tarnkappenjets am Himmel zu sehen: "Wir werden das Schicksal von Chinas Entwicklung und Fortschritt fest in die eigenen Hände nehmen. Wir müssen aus der Geschichte lernen und für die Zukunft gewappnet sein … und die Modernisierung der Landesverteidigung und des Militärs beschleunigen. Ein starkes Land braucht eine starke Armee!", sagt Jinping, Staatspräsident Chinas.

Ein "Militär der Weltklasse" solle Chinas Interessen wahren und wohl auch die Macht der KP weit über die Grenzen hinaus absichern. Wir fahren zu einer regierungsnahen Pekinger Denkfabrik (Think-Tank), wo sie ganz auf Linie mit der Führung sind und wo Victor Gao vom "Center for China and Globalization" in markiger Kalter-Kriegs-Rethorik die Welt warnt: "Wir müssen über alle militärischen Mittel verfügen, um den USA absolut klar zu machen: Jeder, der ein militärisches Abenteuer gegen China wagt, ist verdammt. Niemand kann einen Krieg gegen China gewinnen."

Wer mit den USA kooperiere, müsse mit Zorn aus Peking rechnen, wie zuletzt Australien. "Australien gehört zu den Verbündeten der USA gegen China. Das ist Realität. Ich hoffe, dass sich die Beziehungen zwischen China und Australien verbessern. Ich hoffe, dass sie ihr Gehirn zurückbekommen, anstatt es sich von den US-Amerikanern weiter kapern zu lassen", sagt

Ziel Chinas: Führungsposition in der Weltwirtschaft

Mann im Interview.
"Jeder, der ein militärisches Abenteuer gegen China wagt, ist verdammt", sagt Victor Gao vom "Center for China and Globalization". | Bild: NDR

Die Kriegsmarine wächst, ihre beiden Flugzeugträger fahren weit ins Südchinesische Meer, wo China das gesamte Gebiet für sich beansprucht und zunehmend aggressiver auftritt. Weil dort auch die US-Marine operiert, ist die Lage angespannt. Das Einsatzgebiet von Chinas Marine werde sich weiter ausdehnen, sagen Sicherheitsexperten wie Adam Ni vom "China Policy Centre" im australischen Canberra: "Da Chinas internationale Interessen wachsen, will es Stärke demonstrieren – um eigene Handelswege zu schützen, um seine Macht zu behaupten und um seine militärische Stärke in der Region und darüber hinaus sichtbar zu machen. Das sehen wir schon jetzt. Die Modernisierung der Marine ist dabei ein entscheidender Faktor."

In Peking im Think-Tank heißt es, das Ziel sei die Führungsposition in der Weltwirtschaft: "Wir wollen sicherstellen, dass Chinas Wachstum in den kommenden zehn Jahren das der USA übertreffen wird und das der EU übertreffen wird. Mitte des Jahrhunderts, ungefähr im Jahr 2050, gehen wir davon aus, dass Chinas wirtschaftliche Gesamtleistung so groß sein wird wie die der USA und der EU zusammen", sagt Victor Gao vom "Center for China and Globalization".

In Qingdao am Strand zweifeln sie nicht am Kurs der chinesischen Staatsführung. Dafür militärisch aufzurüsten findet auch Herr Li gut und richtig. Schließlich müsse man den USA die Stirn bieten und allen, von denen man glaubt, dass sie Chinas weitere Entwicklung behindern wollen.

Autor: Daniel Satra, ARD-Studio Peking

Stand: 01.08.2021 20:22 Uhr

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