Interview mit Franziska Weisz

Julia Grosz (Franziska Weisz) am Tatort
Julia Grosz am Tatort. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Franziska Weisz ist Julia Grosz

Julia Grosz gehört nicht zu den Menschen, die lange zögern. Diese pragmatische Art hat ihr Falkes Anerkennung eingebracht, aber je freundschaftlicher sie miteinander umgehen, desto mehr strapaziert sie damit seine Nerven. Seine ruppige Art der Zeugenbefragung beherrscht sie auch schon glänzend und das Zusammenspiel funktioniert oft wortlos. Wenn Falke sich unbemerkt in einer Wohnung umsehen will, fragt er einfach nach der Toilette und Julia Grosz weiß, was er vorhat. Das Zwischenmenschliche als Routine, das ist ganz nach ihrem Geschmack. Verwirrender wird es, wenn jemand freundliches Interesse an ihrer Bekanntschaft hat. Ist die offene Faszination der eifrigen Kollegin mehr als nur harmlose Sympathie. Soll sie noch mitgehen, etwas trinken? Und wie lange erträgt sie noch Falkes feixende Andeutungen?

Gespräch mit Franziska Weisz

»Bis zu einem gewissen Punkt versuchen wir Thewes zu retten«

Welcher Aspekt der Geschichte hat Sie besonders gepackt?

Das Tolle an dieser Geschichte ist, dass wir nicht nur einen Mörder suchen, sondern einen verzweifelten Menschen, der aufgrund dessen wahnsinnig gefährlich ist. Er setzt die falschen Mittel ein, aber ich will auch nicht wissen, wozu ich bereit wäre als Mutter einer todkranken Tochter. Man kann das von außen wahnsinnig schwer beurteilen, aber man sieht die Ungerechtigkeit. Weil die Krankenkassen entscheiden, dass eine Operation zu teuer ist, muss ein Mensch sterben. Das ist natürlich brutal.

Beeinflusst dieses Wissen Ihre Ermittlungen?

Bis zu einem gewissen Punkt versuchen wir Thewes zu retten. Er macht eine Dummheit mit schwerwiegenden Folgen, die er nicht wollte. Bei den Ermittlungen lernen wir auch seine Familie kennen. Ihr Schicksal berührt uns. Aber das Blatt wendet sich, als wir merken, dass er wirklich Amok läuft und überhaupt nicht mehr differenzieren kann, ob er gerade etwas Schlimmes oder Notwendiges macht.

Was spielt sich zwischen der Polizistin Tine Geissler und Julia Grosz ab?

Wenn zwei Menschen eine ganze Nacht zusammen in einem Auto sitzen, entsteht daraus natürlich irgendeine Art von Beziehung, auch wenn man gar nicht über die großen privaten Dramen spricht und siebzig Prozent der Kommunikation nonverbal ist. Es gibt da auch unangenehme Situationen, wenn man den anderen nicht mag oder alleine sein möchte, aber man muss es trotzdem aushalten, zusammen im Auto zu sitzen. In dieser Situation war es spannend, dass Tine Geissler ein ganz konkretes Ziel hat und die Grosz nicht genau weiß, wie sie damit umgehen soll.

Und wie geht Falke damit um?

Falke begreift sofort, dass Tine ein Auge auf Grosz geworfen hat. Man weiß nicht so genau, was da passiert und für Grosz ist das eine totale Überraschung. Sie ist beeindruckt von dieser jungen, hübschen Polizistin, die ambitioniert mitarbeitet und ihr Bestes gibt und ganz mutig auf Grosz zugeht. Davor hat sie großen Respekt. Und ich finde schön, dass das nicht auserzählt wird, sondern ein paar Fragen offen bleiben.

Ist Falke in seiner Männlichkeit getroffen, weil die zwei Frauen eine für ihn undurchsichtige Beziehung entwickeln?

Das glaube ich nicht, weil er ja nicht um Grosz gebuhlt hat. Zwischen ihnen besteht eine Partnerschaft, die immer freundschaftlicher wird und diese Geschichte mit Tine bietet ihm einfach eine Angriffsfläche, wodurch er wieder ein bisschen sticheln und die Grosz aufziehen kann. Das findet er lustig. Aber vielleicht lässt er damit auch ahnen, wie man in Polizeikreisen damit umgeht. Ich kann mir vorstellen, dass es für eine lesbische Polizistin oder einen schwulen Polizisten schwer ist, sich zu outen. Ich kenne auf jeden Fall keinen, der das gemacht hat. Es geht nicht nur um die Kollegen. Man darf bei der Polizei noch nicht mal sichtbar ein Tattoo tragen, weil alles, was nach außen zu viel Persönliches oder Privates verrät, eine Angriffsfläche bietet für die Menschen, mit denen man tagtäglich zu tun hat.

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