Interview mit Wotan Wilke Möhring

Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke.
Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Wotan Wilke Möhring ist Thorsten Falke

Thorsten Falke gibt sich gern ein wenig ruppig, aber wenn er jemand ins Herz geschlossen hat, dann sorgt er sich. Der Schreck steht ihm ins Gesicht geschrieben, als Julia Grosz sich im Alleingang aus der Deckung begibt und einen Schützen verfolgt. Nie wieder solle sie so etwas machen und es klingt nicht vorwurfsvoll. Falkes Privatleben macht gerade eine ruhige Phase durch, mit seinem Sohn versteht er sich gut. Umso mehr geht es ihm an die Nieren, als er Sara Thewes trifft. Ihn berührt, wie sehr das todkranke Mädchen ihren Vater Steffen Thewes liebt, ausgerechnet den Mann, der Falke Kopfzerbrechen bereitet. Außer Sara spielt niemand mit offenen Karten und Falke weiß nicht, wen er verfolgen und wen er beschützen soll. Er weiß nur eins: Auch Thewes und Aksoy sind sorgende Väter.

Gespräch mit Wotan Wilke Möhring

»Als Vater weiß er, dass es einen Punkt gibt, ab dem man rot sieht«

Falke jagt einen Täter und trifft dann auf dessen kranke Tochter. Was verändert sich für ihn durch diese Begegnung?

Als Ermittler weiß Falke natürlich, dass es verschiedene Motivationen für ein Verbrechen gibt. Manche wollen sich bereichern oder rächen, andere handeln aus einer Not heraus. Bei der Begegnung mit der Tochter wird ihm klar, dass der Täter sein Kind retten will. Es hätte eine Chance, wenn Geld für die Operation da wäre. Das ist es aber nicht. Falke ist selbst Vater und wenn man Kinder hat, die leiden müssen, dann denkt man automatisch, wie wäre das bei mir, wie weit würde ich in der Not gehen? Da hat er sogar ein gewissen Verständnis für Thewes, trotzdem kann er bei ihm nicht das Recht beugen und sagen, da mache ich mal eine Ausnahme, denn er hat auf jemanden geschossen, der völlig unschuldig ist und auch Familie hat. Das ist strafbar und bleibt nicht endschuldbar.

Als Sara ihm sagt, dass sie Weihnachten nicht mehr erleben wird, entgegnete er „Weihnachten ist eh Mist“. Fühlt sich Falke von der Situation überfordert?

In dem Gespräch merkt er, wie Sara tickt. Es ist ja oft so, wenn man jemanden umarmt, der in Trauer ist oder einen Schmerz hat, dann macht das alles schlimmer. Aber durch diesen saloppen Kommentar will er sich mit ihr verbünden, auf Augenhöhe mit ihr reden und nicht wie ein Erwachsener mit einem Kind. Das ist tröstend gemeint und trotzdem realisiert er in dem Moment natürlich, dass sie Weihnachten wirklich nicht mehr erleben wird. Das ist gleichzeitig wie ein Übersprungkommentar, ein Scherz, um diese furchtbare Erkenntnis nicht an sich herankommen zu lassen.

Ab wann erkennt Falke, wie brandgefährlich Thewes ist?

Als Vater weiß er, dass es einen Punkt gibt, ab dem man rot sieht. Deshalb erkennt er in Thewes auch einen Gegner, der nicht einzuschätzen, dem alles zuzutrauen ist. Ich glaube, es gibt Situationen, die fordern uns so sehr heraus, bringen uns so in Versuchung, dass das Böse als das einzig Gute erscheint, als die einzige Lösung, die einzige Rettung. Hier ist es der nackte Überlebenswille, die Liebe zur Tochter, die stärker ist als alle gesellschaftlichen Regeln und alles, was er gelernt hat. Diese Situation hat etwas ganz Archaisches. Die Geschichte fand ich toll, weil sie in einen Kriminalfall verpackt von einem menschlichen Dilemma erzählt. Ein Mann, der vorher der super Gute war, der super Anständige, der für den Staat jahrelang gearbeitet hat und mit ansehen musste, was nebenbei alles illegal gemacht wird. Dass dieser besonders gute Mensch anfällig ist für die Saat des Bösen, das fand ich sehr interessant.

In diesem Fall ermittelt auch die Polizistin Tine Geissler, die offenbar auf Ihre Kollegin Grosz steht. Welche Dynamik entsteht dadurch zwischen Falke und Grosz?

Das ist eine ungewöhnliche Situation, weil nicht der Mann von einer Frau angehimmelt wird, sondern die Frau, also Grosz. Wir haben uns im Team überlegt, wie man damit umgehen würde, und ich habe versucht, das umzusetzen. Wenn man einen Partner hat, den man sein eigen nennt, dann ist das komisch, wenn ein anderer dazwischen geht, auch wenn man überhaupt keine Besitzansprüche hat. Falke ist ein bauchgesteuerter Mensch, deshalb ist es für ihn eine noch größere Herausforderung als für andere, mit dieser Beziehung umzugehen. Seine Reaktion hat vielleicht auch mit einer ganz unbewussten nicht gerechtfertigten Eifersucht zu tun, mit einem Gefühl des Ausgeschlossenseins. Das sind alles Befindlichkeiten, was er auch weiß, aber er kann sich ihnen erst einmal nicht widersetzen. Trotzdem ermitteln beide immer gleichberechtigter. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und dadurch ergänzen sie sich immer besser.

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