Interview mit Milan Peschel

Dreht durch: Thewes (Milan Peschel)
Thewes dreht durch. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Milan Peschel ist Steffen Thewes

Steffen Thewes hat es nicht leicht. Wohin mit all der Verzweiflung? Seine geliebte Tochter droht zu sterben. Es gibt Hilfe, aber die ist fern und teuer. Die Krankenversicherung zahlt nicht, alle anderen Maßnahmen sind gescheitert. Sein Leben lang war er ein gesetzestreuer Bürger. Doch jetzt ist alles anders. Wenn der Zollbeamte sieht, wie andere mit krummen Touren reich werden, während er sich die Operation seiner Tochter nicht leisten kann, steigt die kalte Wut in ihm auf. Aber was hat das damit zu tun, dass der Sportschütze am Autobahnrastplatz auftaucht? Warum schießt der friedfertige Familienvater auf die dort parkenden Lastwagen? Und was ist sein Ziel?

Gespräch mit Milan Peschel

»Thewes hat sich immer an die Regeln gehalten und steht am Ende als Verlierer da«

Sie spielen den Vater der todkranken Sara, der verzweifelt versucht, Geld für ihre lebensrettende Behandlung aufzutreiben. Warum verliert er bei dem Kampf um seine Tochter jegliche Verhältnismäßigkeit?

Thewes ist überhaupt kein Mensch, der zu Gewalt neigt, sondern ein ganz einfacher, vorsichtiger und eigentlich gewaltfreier Mensch. Aber diese starke Liebe zu der Tochter und die Verzweiflung durch diese Liebe ist die Grundlage, um auf der anderen Seite so gewalttätig zu werden. Das eine bedingt das andere. Der Widerspruch zwischen seiner Empathie und Zärtlichkeit der Tochter gegenüber und der Brutalität, mit der er dann handelt, ist total wichtig, um sein Handeln zu legitimieren. Mich hat dieser unscheinbare Mensch fasziniert, der in solch eine Verzweiflung gerät, dass er selbst so ungerecht wird.

Man spürt auch sehr stark seine Wut über die schreiende Ungerechtigkeit, dass es am Geld für die Operation fehlt ...

Ungerechtigkeit ist ein gutes Stichwort. Ich bin mir sicher, es hat damit zu tun, dass seit 30 Jahren der Kapitalismus ungebremst weiter wachsen konnte. Es gibt viele Menschen, die sich zu recht allein gelassen fühlen, und die Schere geht immer weiter auseinander. Bei uns sind es ein paar Prozent, die mehr als die Hälfte des ganzen Vermögens der Deutschen besitzen und vielleicht spiegelt so eine Geschichte dies auf eine ganz eigene Art wider. Thewes möchte ein guter Vater sein, aber er hat überhaupt nicht die finanziellen Mittel, seinem Kind zu helfen. Es ist schon merkwürdig, dass in einem Sozialstaat Geld für alles der Indikator ist. Dadurch findet eine Art von Selektion statt.

Warum begreift Thewes nicht die Aussichtslosigkeit seines Handelns?

Er gerät in eine Abwärtsspirale, eine Spirale der Gewalt und dazu kommt das Gefühl der Macht, das man hat, wenn man ein Gewehr in der Hand hält und auf Menschen zielt. Ich glaube, dadurch verändert sich etwas in einem. Vor allem, weil der Jimmy Aksoy, von dem er Geld möchte, bisher diametral entgegengesetzt zu ihm gelebt hat. Aksoy hat die Grenzen des Gesetzes ausgedehnt und auch mal überschritten und sich durch eine gewisse Skrupellosigkeit ein gutes Leben aufgebaut. Und Thewes hat sich immer an die Regeln gehalten und steht am Ende als der Verlierer da. Ich denke, da kann jeder mitfiebern und mitleiden. Das ist ein Thema, das viele Menschen bewegt, die sagen, wir machen alles richtig und kommen trotzdem nicht von der Stelle. Viele fühlen sich übergangen und das ist eine sehr explosive Ausgangslage.

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