Gespräch mit Sibel Kekilli

Tatort Kiel – Borowski und die Kinder von Gaarden: Sarah Brandt (Sibel Kekilli) zückt die Waffe.
Sibel Kekilli spielt die Ermittlerin an Borowskis Seite: Sarah Brandt. | Bild: NDR / Christine Schroeder

»Sarah Brandt spürt immer, wenn etwas nicht stimmt.«

Gleich zu Beginn analysiert Sarah Brand den Tatort sowie den möglichen Tathergang und erklärt Klaus Borowski ihre Theorie. Wie haben Sie sich auf diese Szene vorbereitet?

Wir, der Regisseur und die Schauspieler, besprechen die Szenen vorher. Und wenn bei der Probe am Set etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, sagt der Regisseur auch was dazu und nimmt sich die Zeit, das so lange zu proben, bis er es für richtig empfindet. Ein Polizeiberater ist meistens nur bei ganz speziellen Szenen dabei. Auch wenn wir versuchen, so realitätsnah wie möglich eine Geschichte zu erzählen, ist es am Ende doch nur ein Film, das heißt, wir können nicht alles realitätsgetreu erzählen.

Mit dem Polizisten Thorsten Rausch taucht eine Person aus Sarah Brandts Vergangenheit auf. Was verbindet die beiden, außer dass sie beide zur Polizei gegangen sind?

Die beiden verbindet eine Freundschaft aus der Vergangenheit. Sarah Brandt hat ihn als Jugendliche immer bewundert. Rausch kennt ihre Brüder, hatte vielleicht damals mehr Verständnis für Brandt als alle anderen, weil sie vielleicht eine Außenseiterin war.

Warum zieht sich Sarah Brandt von Thorsten Rausch wieder zurück?

Sarah Brandt verfügt über eine emotionale Intelligenz, das heißt, sie spürt immer, wenn etwas nicht stimmt. Und hier hat sie bei Thorsten Rausch das Gefühl, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Sie rennt nie mit rosaroter Brille durch das Leben. Dafür hat sie, etwa auch durch ihre Epilepsie, zu viel erlebt in ihrem Leben.

Sarah Brandt schaut sich Kinder- und Jugendfotos an. Wie kommen diese Fotos eigentlich zustande?

Es kommt oft vor, dass man von der Ausstattung nach privaten Fotos gefragt wird. Ein paar der Fotos, die Brandt mit Rausch zeigen, sind natürlich gestellt. Die anderen sind von mir. Ich hoffe, meine Freunde nehmen es mir nicht übel, dass ich unsere gemeinsamen Fotos benutzt habe. (lacht)

Auf der Schachtel mit den Fotos – aber auch auf ihrem Laptop – gibt es einen Totenkopf. Was bedeutet das?

Das mit dem Totenkopf hat der Regisseur Christian Alvart eingeführt. Solche Sachen verleihen der Rolle Kontinuität und Individualität.

Sarah Brandt merkt an, dass sie es Thorsten Rausch nicht verübeln würde, falls er sich als der Mörder des Kinderschänders herausstellen würde. Damit spricht sie einer ganzen Menge von Wutbürgern, die keine Pädophilen in ihrer Nachbarschaft haben möchten, aus dem Herzen. Wir wissen, dass impulsive Emotionsäußerungen eine Sache sind, zivilisiertes Verhalten aber eine andere. Wie kann man Gefühl und Vernunft zusammenbringen?

Das weiß ich nicht. Solange man nicht selbst betroffen ist, kann man viele vernünftige Tipps geben, aber wenn man dann selbst betroffen ist, weiß man nie, wie man reagiert. Allerdings glaube ich, dass Sarah Brandt in letzter Konsequenz sogar zur Selbstjustiz fähig wäre.

Dieser "Tatort" thematisiert das traurige Feld der Kinderarmut. Wie ist Ihre Haltung dazu? Was könnte man tun?

Es gibt etwa das Projekt "Die Arche", die ich auch immer wieder unterstützen konnte. Leider gibt es, auch hier in Deutschland, eine hohe Kinderarmut, obwohl man sich das in Deutschland kaum vorstellen kann und möchte. Die Arche und andere Organisationen geben diesen Kindern warmes Essen, einen Platz zum Spielen und zum Hausaufgaben machen etc. Natürlich sind solche Vereine und Organisationen auf entsprechende Spenden angewiesen.

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