Franziska Weisz alias Julia Grosz

Franziska Weisz ist Julia Grosz
Franziska Weisz ist Julia Grosz. | Bild: NDR / Christine Schroeder

Die Figur Julia Grosz

Wenn Falke Hilfe braucht, ist Julia Grosz zur Stelle. Eine der wenigen Emotionen, die sie sich im Dienst erlaubt: bedingungslose Loyalität. Und eigentlich mag sie Falke von Herzen gern. Zugeben würde sie das natürlich nie. Falkes windelweichen Erklärungen, was ihn mit Imke Leopold verbindet, misstraut sie von Anfang an. Wenn Falke etwas verheimlichen will, rutscht ihm die Wahrheit ins Gesicht.

Trotzdem steht sie mit ihm an Bord der Fähre nach Norderney. Auch Imke ist Julia Grosz sofort suspekt. Wie genau hat sich denn der vermeintliche Angreifer verhalten? Wieso hat er aufgehört, Imke zu würgen? Ihn habe vermutlich etwas unterbrochen? So klingen schlecht erfundene Tathergänge. Aber dann sind da doch die Würgemale, und auch die Motorradspuren passen zu Imkes Geschichte. Bei ein paar Schnäpsen und der geeigneten Begleitung aus der Jukebox hört sich Imkes direkte Art auf einmal fast sympathisch an.

Verbirgt sich hinter den Manipulationen und Unverschämtheiten doch ein intakter moralischer Kompass? Aber so richtig mag das Schönsaufen nicht klappen. Julia Grosz geht Imkes "Intensität" gehörig auf den Wecker – zumal Falke drauf reinzufallen scheint. Professionalität hin oder her: Julia Grosz mag Falkes "gute Bekannte" nicht. Warum also nicht die Intuition mit ein paar handfesten Nachforschungen auf ein solides Fundament stellen?  

Gespräch mit Franziska Weisz

Was verschlägt Kommissarin Julia Grosz nach Norderney?

Ehrlich, sie hat überhaupt keine Lust auf die Insel. Und auch nicht auf diese Journalistin Imke, die Falke zur Hilfe ruft, weil sie sich angeblich bedroht fühlt. Aber wenn Falke sagt, hey, bitte komm’ mit, ich habe da so ein ungutes Gefühl, dann lässt sie alles stehen und liegen. Let’s do it! Das würde Falke auch für sie tun. Ihre Partnerschaft ist total gefestigt. Das finde ich sehr schön.

Ist Grosz eifersüchtig auf die Journalistin, mit der Falke früher eine Affäre hatte?

Auf jeden Fall ist sie rasend neugierig. Sie stichelt ein bisschen, weil sie mehr erfahren will. Nichts sagt mehr über jemanden aus als die Ex-Freundin oder der Ex-Freund. Aber Eifersucht? Ein solches Gefühl würde sie sich niemals eingestehen. Falke und Grosz sind beide einsame Wölfe. Deshalb haben sie einen guten Draht zueinander. Ihr Verhältnis würde aus dem Gleichgewicht geraten, wenn einer von beiden plötzlich eine andere Person mit Zeit und Zuwendung überhäuft.

Schaut Grosz klarer auf den Fall als Falke, der womöglich befangen ist?

Grosz sieht nicht nur klarer, sie macht sich dadurch auch unbeliebt. Dass bei ihr alle Warnsignale angehen, bedeutet ja nicht, unbedingt im Recht zu sein. Sie will ihren Partner vor dieser Frau schützen. Aber aus welchem Grund? Weil sie eifersüchtig ist oder weil ihr Spürsinn sagt, irgendetwas stimmt mit Imke nicht? Das ist ein schmaler Grat. Und nur, weil Falke die Journalistin von früher kennt, muss er nicht zwingend so befangen sein, dass er nicht mehr klar urteilen kann.

Lernen wir von diesem "Tatort", wie leicht wir zu manipulieren sind?

Wir sind schnell bereit, Dinge auszublenden, die wir nicht sehen wollen. Und wenn wir das Gegenüber attraktiv finden, fällt es uns noch schwerer, objektiv zu sein. Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, dass unsere Mitmenschen rational und verantwortungsbewusst handeln. Denn das ist die Basis einer Gesellschaft. Aber wie verhält man sich gegenüber Leuten, die nicht zurechnungsfähig sind, die sich nicht an Regeln halten und ihren eigenen Film fahren? Dann stoßen wir an unsere Grenzen. Das ist es, was ich an diesem Fall interessant finde. Die Sicherheit, in der wir uns wiegen, ist sehr fragil.

Wie haben Sie die Zeit auf Norderney erlebt?

Ich habe die Tage auf Norderney sehr genossen. Für mich als Frau aus dem Süden ist es schon ein Abenteuer gewesen, mit der Fähre auf die Insel überzusetzen. Auf dem Weg dahin habe ich zum ersten Mal Seehunde in freier Natur gesehen. Das hat mich vor Freude singen und tanzen lassen. Es hatte etwas Urgemütliches, sich in der Novemberkälte mit dickem Pullover ins Warme zu setzen und Tee mit Kluntjes und Sahne zu trinken. Ich weiß jetzt auch, warum die Menschen im hohen Norden so wenig sprechen. Wenn einem der Küstenwind ins Gesicht bläst, kriegt man kaum den Mund auf und zu. Wenn der Regen fast waagerecht fiel, gab es keine langen Proben. Dann haben wir die rauen Verhältnisse mitgespielt, ohne Eitelkeiten. Man sieht oft, wie kalt es uns war.

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