Wotan Wilke Möhring alias Thorsten Falke

Wotan Wilke Möhring ist Kommissar Thorsten Falke
Wotan Wilke Möhring ist Kommissar Thorsten Falke | Bild: NDR / Christine Schroeder

Die Figur Thorsten Falke

Manche Probleme ändern sich nie, andere tun das ganz unerwartet. Während Thorsten Falke ein schlechtes Gewissen hat, dass er wieder zu spät zum Geburtstag seines Sohnes kommt, ist der damit eigentlich ganz zufrieden. Er möchte sowieso lieber alleine mit Freunden feiern. Seltsames Gefühl für Falke: Erst mehr gebraucht werden, als man geben kann. Dann weniger gebraucht werden, als man möchte. Aber gebraucht wird er trotzdem. Sogar ganz dringend. Seine Vergangenheit steigt plötzlich in Person von Imke Leopold zu Falke ins Auto. Die Investigativjournalistin scheint einer großen Sache auf der Spur.

Falke ist skeptisch. Er ist nicht gern privat in Fälle verstrickt. Außerdem geht es um Wirtschaftskriminalität. Gar nicht sein Gebiet. Und dann Norderney. Was kann da schon groß passieren? Er hat sich geirrt. Einen Tag später steht er vor dem ersten Norderneyer Mordopfer seit 20 Jahren. Jetzt ist es doch sein Fall. Für Imke ist alles persönlich. Sie stammt von hier. Sie besteht darauf, immer nah an Falke dran zu sein – bei den Ermittlungen, aber auch danach. Er findet sie schon noch anziehend, aber wo ist die Grenze?

Überhaupt nimmt das Private überhand. Jeder kennt hier jeden, alle verbindet eine Vergangenheit. Das schließt die Handvoll Polizeibeamten vor Ort mit ein. Falke bekommt das Frösteln vor so viel Nestwärme. Dagegen heizt ihm Imkes Intensität ordentlich ein. Kühler als Falkes Kopf ist auf jeden Fall sein tägliches Glas Milch. Was mag nur Kollegin Julia Grosz von ihm halten. Die mit ihrer kristallklaren Professionalität. Fast kommt er sich vor wie ein dummer Junge, wenn sie kopfschüttelnd auf seine hilflosen Versuche schaut, sich abzugrenzen.  

Gespräch mit Wotan Wilke Möhring

Falke wird von einer alten Freundin um Hilfe gerufen. Ermittelt er hier in privater Mission?

Wir erzählen in "Tödliche Flut" keinen klassischen Kriminalfall. Falke und Grosz brechen ohne Auftrag nach Norderney auf. Im Vordergrund steht die persönliche Verbindung zwischen Falke und der investigativen Journalistin Imke, die eine kurze Affäre miteinander hatten. Aber das ist lange her. Falke ist eine moralische Figur. Jeder, der Hilfe braucht, darf sich an ihn wenden. Er kann einfach nicht an etwas vorbeigehen, was ihn in einen Gewissenskonflikt stürzen könnte.

Ist er in diesem Fall befangen?

Falke fühlt sich mehr dem Hilfegesuch der Reporterin verpflichtet als der gemeinsamen Vergangenheit. Inzwischen ist ihm Imke auch ein bisschen unangenehm. Es gefällt ihm nicht, wie dominant sie gegenüber Grosz auftritt. Falke hat sich seit ihrer Liaison weiterentwickelt, während sie in den alten Mustern festhängt. Als sie ihn verführen will, lässt er sie abblitzen. Es ist nicht seine Art, vergangene Geschichten aufzuwärmen und hilfesuchende Situationen auszunutzen.

Ist Falke reifer geworden?

Dass er sich um Imke kümmert, lässt ihn insgesamt erwachsener erschienen. Er tappt nicht in jede weibliche Verlockungsfalle und kann standhaft bleiben. Falke wirkt auch deshalb reifer, weil er spürt, seine Zeit als jugendlicher Vater ist vorbei. Sein Sohn ist ihm über den Kopf gewachsen. Aber Falke ist darüber nicht unglücklich. Erziehung bedeutet ja, den Kindern beizubringen, dass sie einen nicht mehr brauchen. Und wenn sie dann ihre eigene Welt aufgebaut haben, hat man als Vater zwar 1000 Fragen, aber man stellt sie nicht, sondern zieht sich nach der Stabübergabe in die sinnierende Rolle zurück.

Die Journalistin lockt die beiden Kommissare in ihr verwunschenes Häuschen in den Dünen. Ist Imke eine böse Hexe wie aus einem Märchen?

Das Hexenhafte ist der manipulative Geist von Imke. Sie nimmt Falke und Grosz in Beschlag und weicht ihnen bei den Ermittlungen nicht von der Seite, um die Kommissare und deren Suche nach der Wahrheit zu kontrollieren. Anfangs vertrauen die Ermittler den Aussagen der Journalistin, bis sie spüren, dass mit der Frau irgendetwas nicht stimmt.

Entwickelt sich daraus eine Art Psychothriller?

Weil die Kommissare in Imkes Hexenhäuschen übernachten, bekommt der Film eine schaurige Note. Wie in einer Wohngemeinschaft essen sie in der engen Stube gemeinsam zu Abend. Sie beginnen sich zu belauern und tauschen misstrauische Blicke aus. Die Atmosphäre ist psychologisch aufgeladen. Alle Faktoren, die den Fall vorantreiben und die Figuren bewegen, sind zwischenmenschlicher Natur.

Unterscheidet sich ein Insel-"Tatort" deutlich von einem Stadtkrimi?

Die Kommissare aus Hamburg sind Fremdkörper auf Norderney. Die Gepflogenheiten und Befindlichkeiten der Insulaner sind ihnen unbekannt. Der Straßenbulle Falke ist weit weg von seinem vertrauten großstädtischen Kiez, wo er sich mit "Digger" oder "Alder" durchschlagen kann. Er ist zwar ein Nordlicht, aber hier fühlt er sich so fremd, als würde er in einem anderen Land mit einer anderen Sprache ermitteln.

Falke und Grosz sind zu Partnern geworden und sich mit der Zeit freundschaftlich nähergekommen. Lotet der Film aus, ob sie ein Paar werden könnten?

Wenn sich ein Mann und eine Frau gut verstehen, dann denken viele automatisch, dass beide auch ein Liebespaar werden. Es muss doch möglich sein, eine so tiefe Beziehung, wie man sie zu einem besten Freund pflegt, auch zu einer Frau herstellen zu können. Das zu beweisen, ist mir ein wichtiges Anliegen. Falke hatte ein intimes Verhältnis zu seiner ersten Partnerin bei der Bundespolizei. Daraus hat er seine Lehren gezogen. Grozs hat zu diesem Zeitpunkt die Funktion eines besten Freundes.

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