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Denis Scheck kommentiert die Top Ten Sachbuch

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Denis Scheck kommentiert die Top Ten Sachbuch | Video verfügbar bis 11.12.2025 | Bild: DasErste.de

Und wie immer: Denis Schecks pointierte Revue der "Spiegel"-Bestsellerliste, diesmal: Sachbuch.

10) Bob Dylan: "Die Philosophie des modernen Songs"

Was der Literaturnobelpreisträger Bob Dylan hier über seine 66 Lieblingssongs zusammenschwurbelt, hat eher Fanzinecharakter. Und so ist dies eben kein wirklich durchdachtes und durchgearbeitetes Buch, geschweige denn eine "Philosophie", sondern schlicht und einfach ein Fanartikel. Und ein solcher muss sich auch nicht für die deplorable Frauenquote verantworten.

9) Brianna Wiest: "101 Essays, die dein Leben verändern werden" (Deutsch von Ursula Pesch und Anja Lerz)

Rilkes berühmter Appell an sich selbst beim Anblick des Torsos Apolls "Du musst dein Leben ändern!" findet seine praktische Umsetzung in diesem Ratgeber. Wiests wichtigster Rat an uns: Hör auf, unablässig um deinen Nabel zu kreisen!

8) Andrea Wulf: "Fabelhafte Rebellen"

"Wann stellten wir uns zuerst die Frage: Wie kann ich frei sein?", schreibt Andrea Wulf in ihrem faszinierenden Sachbuch. Die Antwort auf diese Frage führt sie ins Jena der Jahre 1795 bis 1805, zu Heroen der Philosophie wie Fichte, Hegel und Schelling, aber auch zu Novalis, den Brüdern Schlegel und Caroline Schlegel, die heimliche Heldin dieses glänzend erzählten Sachbuch.

7) Ulrike Hermann: "Das Ende des Kapitalismus"

Ein kluger und überzeugend argumentierender Essay über den Abschied von einem abgewirtschafteten Wirtschaftssystem. Warum der Verlag Kiepenheuer & Witsch aber, der ja wohl sein eigenes Buch gelesen haben wird, dennoch darauf insistiert, 22 Euro für das Buch zu bekommen, muss wohl ein Systemwiderspruch sein.

6) Stefanie Stahl: "Wer wird sind"

Wie ticken wir? Der Millionenerfolg der Sachbücher von Stefanie Stahl erklärt sich daraus, dass Stahl auf die Frage nach den unsere Psyche bestimmenden Strukturen einfache und klar nachvollziehbare Antworten gibt. Trivial kann das nur finden, wer noch nie sein Bewusstsein als Bedrängnis erlebt hat.

5) Torsten Sträter: "Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen"

Es gibt schlechtere und geistlosere Comedians als Torsten Sträter. Diese unterm Strich aber für mich trostlose Ansammlung schon im Fernsehen und Radio nicht sonderlich amüsanter Texte über Autospielzeug, "Fantomas"-Filme und die Abkürzung "Fett i.Tr." auf Käseschachteln (heißt nicht Fett, so Sträter, sondern Fett in Trockenmasse …) hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht.

4) Elke Heidenreich: "Ihr glücklichen Augen"

Das Beste, was ich über diese Reiseanekdoten sagen kann, ist, dass Elke Heidenreich genauso gut schreibt wie Bob Dylan.

3) Richard David Precht und Harald Welzer: "Die vierte Gewalt"

Auch wenn das Autorenduo Precht und Welzer reichlich mediale Klassenkeile für dieses Buch erhält: Ich fand "Die vierte Gewalt" als Essay darüber, wie Deutungseliten ihre Meinung als Mehrheitsmeinung darzustellen vermögen, ein Selbstkritik auslösendes Buch über die Empörungs-Beschleuniger, zu denen sich viele Fernseh- und Radiosender, Zeitungen und Zeitschriften inzwischen entwickeln.

2) Ingeborg Bachmann und Max Frisch: "Wir haben es nicht gut gemacht".

Jahrzehntelang durfte der Briefwechsel eines der berühmtesten Paare der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts nicht veröffentlicht werden. So sind diese Briefe zu einem Mythos geworden und das gesamte deutschsprachige Feuilleton war aus dem Häuschen, als sie endlich herauskamen. Aber sind diese Briefe wirklich so eine Sensation? In meinen Augen schon – und gar nicht, weil man darin so unendlich viel Neues über die beiden erfährt. Aber wie sich hier zwei lieben und dennoch verfehlen, wie hier gestritten und gelitten, wie hier Wunden geschlagen und Leid verursacht und poetisch bewirtschaftet wird: Das ist in meinen Augen ganz und gar einmalig und extrem berührend.

1) Michelle Obama: "Das Licht in mir"

Wem wie Michelle Obama auf einem Parteitag der Demokraten der Satz einfällt: "If they go low, we go high!", dessen Ratschlägen zur Bewältigung moderner Konflikte liest man gern. Zum Beispiel diesen: "Es ist nicht notwendig, jeden persönlichen Schmerz, unter dem jemand leidet, oder jede Meinung, die jemand im Kopf hat, mitzuteilen. Vielleicht hören wir eine Weile einfach nur zu." Goldene Worte.

Stand: 11.12.2022 18:18 Uhr

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