Sven Martinek und Ingo Naujoks über zehn Jahre "Morden im Norden"

"Einfach ein großartiges Gefühl"

Morden im Norden
Ingo Naujoks und Sven Martinek im Einsatz für "Morden im Norden" | Bild: ARD / Marion von der Mehden

Sven Martinek und Ingo Naujoks sprechen über zehn Jahre "Morden im Norden", Lassoschwünge, riesige Glücksfälle und steigende Quoten.

"MORDEN IM NORDEN" WIRD AM 21. FEBRUAR 2022 ZEHN JAHRE ALT. WAS BEDEUTET IHNEN DAS JUBILÄUM?

INGO NAUJOKS: Es ist einfach ein großartiges Gefühl! Viele Episodendarsteller fragen uns, wie lange wir die Serie schon drehen. Wenn wir dann sagen, wir sind schon über ein Jahrzehnt dabei, gehen allen die Augen über: Wahnsinn, ist ja nicht zu glauben! Das geht uns beiden nicht anders, denn die Jahre sind vorbeigeflogen!

SVEN MARTINEK: Einerseits bin ich überrascht, andererseits ein bisschen erschrocken darüber, dass wir jetzt zehn Jahre lang Finn und Lars spielen. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell! Ich bin sehr stolz darauf, dass wir immer noch konstant steigende Zuschauerzahlen haben, was ja wohl bedeuten muss, dass uns die Menschen da draußen mögen und uns gerne zuschauen. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit!

Auf Nachfrage von Lars Englen (Ingo Naujoks) und Finn Kiesewetter (Sven Martinek) sind Sofia Krafczyk (Muriel Baumeister) und ihr Sohn Tom (Niklas Nißl) nicht gut auf ihre umliegende Konkurrenz zu sprechen.
Lars Englen und Finn Kiesewetter sbei ihren Ermittlungen.  | Bild: ARD / Marion von der Mehden

HABEN SIE VON BEGINN AN GEDACHT, DIE SERIE "MORDEN IM NORDEN" WIRD EIN DAUERBRENNER?

MARTINEK: Niemals. Jetzt machen wir erst einmal eine Staffel, dachte ich anfangs, und dann schauen wir, ob unsere Krimikomödie auch bei den Zuschauern ankommt. Wir sind 2012 ja unter dem ARD-Label "Heiter bis tödlich" gestartet. Kommissar Finn Kiesewetter kam von einem Bauernhof, bevor er zur Kripo nach Lübeck wechselte, deshalb sollte er in einer der ersten Folgen einen Verbrecher nicht mit der Dienstwaffe stellen, sondern mit einem Lasso einfangen. Das war dann der heitere Ansatz, der ernste Teil erzählte sich über den Kriminalfall. Ich erinnere mich gut an die allererste Folge, in der ein Marzipanfabrikant durch fremde Einwirkung an seinem eigenen Marzipan erstickt ist. Auch die Todesfälle in den darauffolgenden Folgen waren mit Komik gespickt und teils wirklich makaber, aber die Geschichten an sich waren per se ernsthafte Krimis. Und so haben wir sie auch gespielt.

NAUJOKS: Ich glaube, man muss sich entscheiden, in welchem Genre man sich tummelt. Erst als wir anfingen, den Krimi ernst zu nehmen, von "Heiter bis Tödlich" Abschied zu nehmen und wirkliche Dramen zu erzählen, funktionierte das Format und konnte immer mehr Zuschauer begeistern. Heute sind wir zwei straighte Ermittler, die aber durchaus mit Humor miteinander umgehen. Als wir kürzlich in einer Turnhalle ermittelten, sagt Lars: Hier drin habe ich als Polizeischüler mal einen Salto aufs Parkett gelegt, Abgang vom Reck! Darauf Finn: Erinnerungen sind dermaßen trügerisch, da wird aus einem Purzelbaum schnell mal ein Salto. Solche Scharmützel dürfen uns die Autoren gern häufiger schreiben.

Im Nagelstudio von Hoa Huyen Tran (Soogi Kang) machen Lars Englen (Ingo Naujoks) und Finn Kiesewetter (Sven Martinek) eine interessante Entdeckung.
Im Nagelstudio von Hoa Huyen Tran machen Lars Englen und Finn Kiesewetter eine interessante Entdeckung. | Bild: ARD / Marion von der Mehden

IN DER ANFANGSZEIT LAGEN DIE BEIDEN KOMMISSARE HEFTIG MITEINANDER IM CLINCH. WIE WURDEN SIE ZU PARTNERN?

NAUJOKS: Wir haben nach einem personellen Umbau einfach mal ausprobiert, ob es funktioniert, wenn die beiden gemeinsam ermitteln. Im Rückblick war der Wechsel in ein Ermittlerteam ein Riesenglück für mich. Lars war ursprünglich ein Sesselpupser, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatte, als im Büro seine Kollegen zusammenzufalten. Ein Bürokrat und Machtmensch. Durch die inhaltliche Neuausrichtung wurden die beiden Kommissare Partner. Und ich und meine Rolle konnten zu dem Lars werden, der heute gleichberechtigt neben Finn ermittelt.

WÄCHST MAN ALS SCHAUSPIELER ÜBER DIE JAHRE IMMER MEHR MIT SEINER SERIENFIGUR ZUSAMMEN?

MARTINEK: Nicht nur darin. Wir leben in einer Zeit voller Spannungen, es gibt große gesellschaftliche und politische Baustellen. Da können wir nicht Tralala erzählen. Mir ist es wichtig, dass die Kommissare auch eine Haltung zu den Themen zeigen, die die Menschen umtreiben. Unsere Krimidramen, die in sozial teils angespannten Milieus spielen, schreien im Grunde danach. Generell möchte ich meinen Beruf immer stärker dafür nutzen, nicht unbedingt Statements abzugeben, so wie ein Politiker, aber mit meinen schauspielerischen Mitteln immer dann Haltungen zu transportieren, wo die Rolle es möglich macht.

Nachdem sie die Leiche ihres Ehemannes gefunden hat, befragen die Kommissare Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Lars Englen (Ingo Naujoks) Lola Heidemann (Natalia Rudziewicz).
Nachdem sie die Leiche ihres Ehemannes gefunden hat, befragen die Kommissare Finn Kiesewetter und Lars Englen Lola Heidemann. | Bild: ARD / Marion von der Mehden

NAUJOKS: Der Krimi ist ein super Medium, um kontroverse Themen aufzugreifen. Lars und Finn sind zwar Buddies, aber definitiv nicht immer einer Meinung. Der eine ist eine Spur konservativer, der andere etwas abenteuerlicher im Denken. Da kommt es schon mal zu Streitigkeiten, vor allem, wenn es um soziale und gesellschaftspolitische Fragen geht. Wenn zum Beispiel Finn meint, jeder kann in Hartz IV abrutschen, weil manchmal Dinge passieren, die ein geordnetes Leben ins Wanken bringen, dann hält Lars dagegen: Na ja, jeder kann sein Schicksal in die Hand nehmen und muss trotz widriger Umstände am Ende für seine Taten geradestehen. Wenn es uns gelingt, mit unserem Krimiformat den Finger in verschiedene Wunden zu legen, dann bin ich absolut zufrieden.

WIE VIELE STAFFELN "MORDEN IM NORDEN" WERDEN NOCH FOLGEN?

MARTINEK: Wir wissen bereits, dass nächstes Jahr weitere 16 Folgen gedreht werden. Natürlich freuen wir uns, wenn Lars und Finn noch ein paar Jährchen ermitteln dürfen. Wir haben jeden Montag über drei Millionen Zuschauer und gewinnen immer noch neue MoiN-Fans dazu!

NAUJOKS: Und die Konkurrenz auf den anderen Sendern und den Streaming-Plattformen ist ja nicht gerade klein. Da haben wir uns ein gutes Stück von der Torte abgeschnitten und werden es mit aller uns zur Verfügung stehenden Macht verteidigen. Wir zwei haben nach wie vor riesengroßen Spaß am Set und finden, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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