Über Wasser
Sendewoche vom 02.03.2009 bis 06.03.2009
Freitag, 06. März 2009
Video 1 aus der Sendung: Die Wünschelrute
(Länge: 6:05 min.)
Video 2 aus der Sendung: Wasser marsch?
(Länge: 6:41 min.)
Wasser aus dem Boden
Von Rutengängern und Brunnenbauern
Leitungswasser hat in Deutschland fast immer Trinkwasserqualität. Eine solche Qualität hat ihren Preis. Und da man für die WC-Spülung, die Waschmaschine und vor allem das Rasensprengen nicht unbedingt Trinkwasser braucht, versuchen immer mehr Hausbesitzer, alternative Wasserquellen zu erschließen.
Die einstige Begeisterung für Regenwassertanks ist bei vielen einer Ernüchterung gewichen. Denn in den trockenen Sommermonaten, also dann, wenn Blumen, Rasen und Bäume einen künstlichen Regenguss am nötigsten haben, ist der Regenwassertank oft sehr schnell leer.
Aus diesem Grund gibt es zurzeit einen regelrechten Boom beim Brunnenbau. Wer tief genug bohrt, wird fast auf jedem Grundstück in Deutschland Wasser finden. Wie leicht er eine Genehmigung dafür bekommt, das ist von Region zu Region sehr unterschiedlich.
Wo am besten gebohrt wird, das können Fachleute mit moderner Technik herausfinden, oder aber Rutengänger – also Menschen mit einem besonderen Gespür und einer Wünschelrute. Dass es sich dabei nicht nur um Hokuspokus, sondern um eine praktisch anwendbare Fähigkeit handelt, davon überzeugt Eugen Jäger unseren Reporter Matthias Veit.
Anders als erwartet ist Jägers Wünschelrute kein gegabelter Ast und kein Weidenzweig, sondern ein doppelter gebogener Kunststoffstab. Der sei wesentlich stabiler, erklärt er. Außerdem komme es nicht auf die Rute selbst an. Die führe kein Eigenleben und sei letztlich nicht mehr als eine Art Zeiger. Entscheidend sei dagegen das, was er spüre, und dadurch werde eine Muskelreaktion ausgelöst, wodurch sich die Rute dann bewege.
Er hält die Kunststoffrute in beiden Händen und geht ein paar Schritte vorwärts, die Rute zeigt nach oben. Ganz plötzlich schnellt sie nach unten. Hier sei der Randbereich der unterirdischen Wasserader, sagt Jäger und markiert die Stelle mit einem Holzstab. Ein Stück weiter stehen bereits einige Stäbe und bilden eine Linie.
Das sei gewissermaßen das Ufer eines unterirdischen Flusses, hier sei besonders viel Grundwasser zu finden. Das habe nicht mit Zauberei zu tun, sondern sei eine Fähigkeit, die jeder mehr oder weniger gut erlernen könne, meint Eugen Jäger, der regelmäßig mit Brunnenbaufirmen zusammenarbeitet. Angefangen habe es bei ihm mit einem Hobby, im Laufe der Jahre sei es dann mehr geworden.
Das Grundwasser liegt hier in rund 17 Metern Tiefe. Deshalb müsse hier 22 Meter tief gebohrt werden, erfährt unser Reporter von einem der Brunnenbauer. Denn der Brunnenschacht solle fünf Meter in das Grundwasser hineinreichen. In den unteren Teil der Bohrung werden später sogenannte Filterrohre eingesetzt, Röhren aus Kunststoff mit dünnen Schlitzen. In diese kann dann von außen das Grundwasser einsickern, Schmutz und Sand bleiben größtenteils draußen.
Mittels einer im Wasser liegenden elektrischen Pumpe wird das Wasser dann durch ein Kunststoffrohr zu einem Wasserhahn an der Erdoberfläche gefördert. Brunnenbauer Thomas Gerhardt weist dann noch auf eine Sache hin, die sehr wichtig ist: Am oberen Ende des Brunnenschachts muss alles gut abgedichtet sein. Denn zum Schutz des Grundwassers darf kein schmutziges Oberflächenwasser durch den Schacht ins Grundwasser eindringen.
Eigentlich sollten die Arbeiten jetzt schon komplett abgeschlossen sein und frisches Brunnenwasser aus dem Hahn fließen. Doch wegen des anhaltenden Regens war in zwölf Metern Tiefe ein Teil des Bohrlochs zusammengefallen. "Unter der Hacke ist es eben dunkel", in diesem alten Bergmannspruch stecke viel Wahrheit, meint Brunnenbauer Thomas Gerhardt. Die Geologie sei manchmal unberechenbar, das gehöre so zum täglichen Geschäft.
Nun wird alles rund zwei Stunden länger dauern. Dem Hausbesitzer Ralf Hill ist das egal. Er hat mit den Brunnenbauern einen Festpreis vereinbart und freut sich schon darauf, bald seinen neu angelegten Garten nach Herzenslust bewässern zu können, ohne dabei an die Wasserrechnung denken zu müssen.







