Interview mit Tim Bergmann

Der Autor Jannik Larsen (Tim Bergmann).
Der Autor Jannik Larsen. | Bild: ARD Degeto / Manju Sawhney

Herr Bergmann, was für ein Mensch ist Ihre Figur Jannik Sörensen?

Auch nach 27 Jahren Berufserfahrung finde ich den Versuch, einen Menschen in seiner Komplexität mit wenigen Worten zu beschreiben, immer noch relativ schwierig. Im Idealfall lernt der Zuschauer ihn einfach kennen, mit jeder Szene ein bisschen mehr. Jannik befindet sich ganz grundsätzlich in einer eher schwierigen Lebensphase. Er hat in seiner Vergangenheit Entscheidungen getroffen, ohne diese bisher revidieren zu können, und die bringen jetzt seine gesamte Lebenssituation ins Wanken. Und je mehr sich dieser Zustand zuspitzt, umso ohnmächtiger wird er.

Erzählen Sie uns über die Beziehung zu seiner Frau, der Polizistin Ida Sörensen?

Von außen betrachtet, befinden sich die beiden in einer Krise. Und das, obwohl Jannik Ida von ganzem Herzen liebt. Die Lügen, das Verschwiegene, haben aber mittlerweile einen so großen Raum eingenommen, dass ein Weg zueinander immer schwerer wird. Alle Versuche, die Distanz zu überwinden, scheinen zum Scheitern verurteilt.

Sie spielen oft eher den Polizisten. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

Generell ist natürlich nicht der Beruf der Figur ausschlaggebend. Auch wenn man als Schauspieler durch intensive Recherche und Vorbereitung immer wieder sehr interessante Einblicke in unterschiedlichste Tätigkeiten bekommt. Entscheidend ist, wie im richtigen Leben auch, mit was für einem Menschen habe ich es zu tun. Und da ist bei Jannik, wie oben erwähnt, die äußert existentielle Krise, in der er sich als Mensch, aber eben auch in seiner Partnerschaft befindet, natürlich für mich als Schauspieler sehr reizvoll.

Ihre Figur leidet unter einer Schreibblockade. Kann einem etwas Vergleichbares auch als Schauspieler widerfahren?

Die Blockade entspringt ja den eigens herbeigeführten Umständen. Wenn wir Entscheidungen, die uns in eine wie auch immer zutage tretende Krise führen, nicht revidieren, nicht reflektieren, und nicht mit unseren Partnern, oder Freunden teilen, dann kann jeder Mensch in eine ähnliche Situation kommen. Ganz unabhängig vom Beruf. Mir persönlich ist erfreulicherweise eine solche Lebensphase und Blockade bisher erspart geblieben.

Konnten Sie beim Dreh ein „dänisches Lebensgefühl“ ausmachen?

Da muss man natürlich erwähnen, dass wir während des Lockdowns in Dänemark gedreht haben. Die so gewonnenen Eindrücke haben somit sicherlich wenig mit dem normalen „dänischen Lebensgefühl“ zu tun, da es einfach für alle ein Ausnahmezustand war. Mir ist aber Dänemark durchaus vertraut, da ich mit meiner Familie früher sehr oft Urlaub in Dänemark gemacht habe. Das Land, das Meer, die Menschen waren mir immer schon sehr sympathisch. Hoffentlich können wir bei einer Fortsetzung der Reihe wieder unter normaleren Bedingungen arbeiten und uns vor Ort bewegen, und so sicherlich ganz andere Eindrücke gewinnen.

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